Migrationspolitik von unten

In St. Gallen hat sich eine Gruppe gegründet, die gegen Ausgrenzung und Diskriminierung von Migranten und Migrantinnen vorgehen will. «Zunder» feiert morgen in der «Tankstell» eine Antirassismus-Party.

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Sie sind empört. Empört über die gegenwärtige Migrationspolitik «von oben». Die rund 150 Mitglieder der neu gegründeten Gruppe «Zunder» in St. Gallen wollen sich dafür einsetzen, dass die Schweiz in der Migrationspolitik eine neue Richtung einschlägt.

Ein Brandbeschleuniger

Vor rund zwei Monaten hat sich der lose Zusammenschluss in der Ostschweiz gebildet. Hauptziel sei, ein soziales Netzwerk verschiedener Menschen zu schaffen – unabhängig von deren Pass, Herkunft, sexueller Ausrichtung und Geschlecht, schreiben die Initianten, die anonym bleiben wollen, in einer Mitteilung an die Medien. Der Name «Zunder» geht einerseits auf die gleichnamige sozialkritische Reportagensammlung von Niklaus Meienberg zurück. Andererseits wolle die Gruppe tatsächlich eine Art «Brandbeschleuniger» sein, sagt ein Mitglied. «Wir sind hier, um bestehende Verhältnisse auf den Kopf zu stellen. Mit einer Mischung aus politischer Ernsthaftigkeit, kreativer Energie und jugendlicher Explosivität.»

Als direkte Anlaufstelle will «Zunder» jenen eine Stimme geben, «die tagtäglich sozialer Isolation ausgesetzt sind, vom System der Nothilfe krank werden und dabei mitten unter uns leben». Zum einen soll dies durch kulturelle Veranstaltungen geschehen. Mittels Flugblättern und über soziale Medien macht die Gruppe auf ihre Anliegen aufmerksam. Zum anderen gibt es laut den Initianten auch direkt-politische Aktionen.

Bereits aktiv geworden

Solche direkten Aktionen können Kundgebungen oder Protestaktionen sein, sagt einer der Initianten. Auch der Kontakt zu den Behörden werde gesucht. «Zunder» habe sich unter anderen dafür eingesetzt, dass die Geschichte rund um die tamilische Familie aus Andwil, die im August ausgeschafft worden war, an die Öffentlichkeit und zum Bundesamt für Migration gelangte.

100 000 Jahre Migration feiern

Morgen Freitag lädt «Zunder» in Kooperation mit der Genossenschaftsbeiz Tankstell zu einer Antirassismus-Party ein, mit welcher gemäss Mitteilung «100 000 Jahre Migration» gefeiert werden. In der «Tankstell» an der Teufenerstrasse 75 seien ab 18 Uhr alle willkommen, die eine «fortschrittliche Migrationspolitik» unterstützen würden. Um 20.30 Uhr steht Poetry Slam mit Amina Abdulkadir und DJ Esik auf dem Programm. Ausserdem gibt's Musik von Dominik Kesseli und DJ Naurasta Selecta. (lem)