Mieterverband plant Flyer-Aktion für Mietzins-Senkung

Wenn der Referenzzinssatz auf 1,5 Prozent sinkt, will der Ostschweizer Mieterverband mit einer Flyer-Aktion für sinkende Mieten sorgen.

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Damit die Mietenden in der Ostschweiz ihren Anspruch auf Senkung des Mietzinses einfordern, wird der Mieterverband Ostschweiz eine Flyer-Aktion vorbereiten. (Symbolbild) (Bild: CHRISTIAN BEUTLER (KEYSTONE))

Damit die Mietenden in der Ostschweiz ihren Anspruch auf Senkung des Mietzinses einfordern, wird der Mieterverband Ostschweiz eine Flyer-Aktion vorbereiten. (Symbolbild) (Bild: CHRISTIAN BEUTLER (KEYSTONE))

Am 1. Juni gibt das Bundesamt für Wohnungswesen den neuen hypothekarischen Referenzzinssatz bekannt. Es wird damit gerechnet, dass der für Mieten massgebende Durchschnittszinssatz von 1,75 auf 1,5 Prozent sinken wird. Alle Ökonomen gingen davon aus, dass der Referenzzinssatz danach nur noch eine Richtung haben werde − nach oben. «Es ist eine Welle von Mietzinserhöhungen zu erwarten», heisst es in der neusten Ausgabe der Zeitschrift «Mieten und Wohnen» des Mieterinnen− und Mieterverbandes Schweiz.

«Damit die Mietenden in der Ostschweiz ihren Anspruch auf Senkung des Mietzinses einfordern, haben wir eine Flyer-Aktion vorbereitet», sagte Hugo Wehrli, Geschäftsführer des Mieterinnen und Mieterverbands (MV) Ostschweiz auf Anfrage. 85'000 Broschüren will der MV Ostschweiz Anfang Juni in die Briefkästen der Kantone St.Gallen, Thurgau und der beiden Appenzell verteilen lassen. Allerdings dürfe die Post nur jene Konsumenten bedienen, die keinen Stopp-Werbe-Kleber am Briefkasten haben.

Vermieter bleiben passiv

In der Broschüre werden die Mieterinnen und Mieter aufgefordert, mittels eines Mietzinsrechners im Internet zu berechnen, um wieviel ihre Miete durch die Senkung des Referenzzinssatzes sinken sollte. Wer einen Anspruch habe, solle seinem Vermieter einen Brief mit dem entsprechenden Senkungsbegehren schreiben. «Die Mieter müssen sich wehren, denn die wenigstens Vermieter geben die Senkung automatisch weiter», sagte Wehrli.

Viele Vermieter, darunter auch grosse Firmen wie Livit, reagierten ohne Probleme, sagte Wehrli. Andere stellten sich quer, wie die Erfahrungen des MV Ostschweiz zeigten. «Viele Vermieter reagieren nicht auf ein Senkungsbegehren oder sie machen Gründe geltend, welche nicht rechtens sind», sagte Wehrli. Zum Beispiel argumentierten viele Vermieter damit, die Miete sei ohnehin zu günstig, eine Senkung sei deshalb nicht möglich. In solchen Fällen empfiehlt der MV Ostschweiz den Mietenden, sich zu informieren und bei der Schlichtungsstelle der Wohngemeinde zu wehren.
Bereits bei der letzten Senkung des Referenzzinssatzes vor zwei Jahren habe der MV Ostschweiz eine Flugblatt-Aktion lanciert. «Die Kampagne kam gut an», so Wehrli. Viele hätten sich informiert und ihr Recht auf eine Senkung der Miete eingefordert. Wer die Senkung einfordere, könne je nachdem mehrere hundert Franken pro Jahr sparen. Durch die Flugblatt-Aktion sei zudem die Zahl der Mitglieder des MV Ostschweiz spürbar gewachsen.

Historisches Tief im Juni

Der Referenzzinssatz wurde im Jahr 2008 eingeführt und betrug damals 3,5 Prozent. Letztmals sank der für die Berechnung der Mietkosten massgebliche Zinssatz im Juni 2015 und verharrt seit zwei Jahren bei 1,75 Prozent. Der Durchschnitt aller massgebenden Hypothekar-Zinsen sank in dieser Zeit jedoch von 1,86 auf 1,64. Weil rechnerisch nur noch sehr wenig fehlt, erwarten Experten, dass der Referenzzinssatz am 1. Juni auf ein historisches Tief von 1,5 Prozent sinken wird.

Eine Reduktion des Referenzzinssatzes um ein Viertel Prozent hat eine Reduktion der Miete um rund drei Prozent zur Folge. Wurde ein Mietvertrag bei der Einführung des Referenzzinssatzes (3,5 Prozent) abgeschlossen, beträgt der Senkungsanspruch zur Zeit gut 17 Prozent. Würde der Referenzzinssatz auf 1,5 Prozent sinken, ergäbe sich ein weiterer Senkungsanspruch von knapp 2,9 Prozent, wie der Mieterinnen− und Mieterverband in seiner Zeitschrift schreibt. (sda)