Mia macht sich einen Namen

Sie ist drei, er fünf und beide haben sie es aufs Podest geschafft: Mia und Noah Steiger aus Gossau stehen auf der Namens-Hitliste der Ostschweiz vorne. «Zufall», wie Mutter Tanja sagt.

Martina Kaiser
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«Ätsch, du bist halt nur die Nummer 2.» Mia (rechts) hat gut lachen – sie führt die Namenliste an. Links Bruder Noah und Mama mit Hannah. (Bild: Urs Jaudas)

«Ätsch, du bist halt nur die Nummer 2.» Mia (rechts) hat gut lachen – sie führt die Namenliste an. Links Bruder Noah und Mama mit Hannah. (Bild: Urs Jaudas)

GOSSAU. Sie wollte vier Kinder, er zwei. Ihr gefiel Basil, ihm Till. Tanja und Ramon Steiger aus Gossau trafen sich schliesslich in der Mitte, einigten sich auf drei Kinder. Und den Namen Noah.

Zwei Jahre nach dessen Geburt bekamen sie ein Mädchen, eine Mia. Die beiden Kinder sind heute fünf und drei Jahre alt und haben weder im Quartier noch im Kindergarten Gspänli, die so heissen. Erstaunlich, gibt es in der Ostschweiz doch viele Noahs und Mias: Beide haben es hier nämlich unter die Top drei der Vornamens-Hitliste 2011 des Bundesamtes für Statistik geschafft. Mia ist Spitzenreiterin, Noah musste seinen ersten Rang aus dem Jahr 2010 an Leon abgeben und belegt neu Platz zwei. Eine Rangliste, die Tanja Steiger als Hebamme zwar kennt, die aber nicht ausschlaggebend war, dass ihre beiden Kinder heute so heissen, wie sie eben heissen. Im Grunde genommen gibt es dafür mehrere Gründe.

Bedeutung und Herkunft zählten

Der Name sollte kurz sein und zum Nachnamen passen. Er musste individuell sein und beiden Elternteilen gefallen. Eigenschaften, die dem aktuellen Trend entsprechen Mit zwei Ausnahmen: Steigers suchten gezielt nach Namen, die aus der gleichen Ecke stammen. Also alle, die nordischen, germanischen oder – in ihrem Fall – hebräischen Ursprungs sind. Wichtig war ihnen auch, dass die Namen eine Bedeutung haben. Noah heisse beispielsweise «der Ruhebringende», Mia «das gewünschte Kind», sagt die 30-Jährige.

Und Kinder habe sie sich schon immer gewünscht, «weil sie halt einfach das Schönste auf der Welt sind», wie Tanja Steiger sagt. Mit ein Grund, warum sie sich vor mehr als acht Jahren für den Beruf Hebamme entschieden hat. Fünf Jahre war sie im Spital Münsterlingen tätig, heute arbeitet sie im Stephanshorn. Örtliche Gepflogenheiten bei den Namen habe sie aber nicht feststellen können, dafür einen Unterschied beim Bildungsstand: Akademiker beispielsweise würden ihren Kindern oft alte Namen geben wie Emma oder Anna, Paul oder Josef. Die Mittelschicht hingegen setze in der Regel auf Modenamen. Und dann gebe es noch die anderen. «Die Jessica-und-Jesse-Gruppe, die Jeremy-und-Kevin-Fraktion.»

Unterschiede gibt es aber nicht nur beim Bildungsstand, sondern auch bei den einzelnen Kulturen: «Sri-Lanker beispielsweise rufen nach der Geburt ihre Verwandten im Ausland an, die ihnen dann meistens ellenlange Namen fürs Kind zusammenstellen», sagt Steiger. Oder jene aus dem Balkan, deren Kinder ähnliche Namen tragen würden – Amir und Amira beispielsweise. Oder die Schweizerinnen und Schweizer, die sich meist zwei, drei Namen aussuchten. Genau wie Steigers, die ihrem Noah zwei und Mia drei Namen gegeben haben. Und das lange vor der Geburt.

Erst die Geburt, dann der Name

Was nicht unbedingt üblich ist, wie Tanja Steiger erzählt. Oft komme es vor, dass Paare erst nach der Geburt wissen, wie sie ihr Kind taufen. Dass sie im Vorfeld zwei, drei Namen aussuchen und dann entscheiden würden, welcher am besten zum Baby passe: Hat es rote Haare, wird's beispielsweise ein Moritz, hat es blonde, ein Peter.

Steigers zweites, acht Wochen altes Mädchen heisst übrigens Hannah. Ein Name, der beiden Elternteilen auf Anhieb gefallen hat. Und der weit hinten auf der Hitliste steht.