Messerattacke mit Ansage

GRABS. Unschönes Ende eines mutmasslichen Beziehungsdeliktes am winterlich kalten Dienstagabend um 21.30 Uhr: Ein 34-jähriger Libanese sticht einem 45-jährigen Schweizer auf einer Parkbank an der Dorfengrabenstrasse in Grabs mit einem Messer in den Bauch. Die Frau des Opfers spricht über die schwierige Beziehung zu ihrem Ex-Mann - und die Justiz räumt ein, einen Fehler begangen zu haben.

Drucken
Teilen
Vor diesem Haus in Grabs wurde der 45-jährige Schweizer niedergestochen. (Bild: FM1Today/Marco Latzer)

Vor diesem Haus in Grabs wurde der 45-jährige Schweizer niedergestochen. (Bild: FM1Today/Marco Latzer)

Der 45-Jährige sass mit der Ex-Partnerin des Täters auf der Bank, als der Beschuldigte laut Polizeiangaben unvermittelt mit dem Messer zustach. Die Frau, eine nahe am Tatort wohnhafte 44-jährigen Schweizerin, ging dazwischen und wurde vom Täter in den Arm gebissen. Mit lebensgefährlichen Verletzungen wurde das Opfer ins Spital gebracht. Der Täter, der bereits polizeilich verzeichnet war, stellte sich später der Polizei.

"Um die Ecke geschossen gekommen"
Wie die geschockte Frau gegenüber FM1Today sagte, habe sie sich im Sommer von ihrem Ex-Partner getrennt und sei aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen. Der Ex-Partner habe seither immer wieder gedroht, sie und ihren neuen Partner umzubringen und die gemeinsame Tochter zu entführen. Ihr libanesischer Ex-Freund habe diese Drohung nun wahr gemacht. Er sei um die Ecke geschossen gekommen und habe ohne Vorwarnung auf ihren Partner eingestochen.

Gegenüber der Online-Plattform "20 Minuten" sagte die Frau, ihr Ex-Partner sei schon vor der Trennung mehrfach straffällig geworden. Er habe Geld gefälscht und mehrere Einbrüche verübt. Auch geschlagen habe er sie während der vierjährigen Ehe. Am Tag der Tat habe er ihrem aktuellen Partner telefonisch gedroht, dass er vorbeikomme und ihn in Stücke schneide, so die Frau, die sich von der Justiz im Stich gelassen fühlt. Für sie sei es völlig unverständlich, warum so einer nicht schon längst in Untersuchungshaft sitze.

Auf Anfrage von FM1Today erklärte Roman Dobler, Sprecher der St.Galler Staatsanwaltschaft, dass die Justiz Kenntnis von den Anzeigen der Frau gegen ihren Ex-Mann gehabt habe. "Aufgrund der konkreten Umstände, in denen die Drohungen geäussert wurden, sowie von weiteren äusseren Faktoren haben die Strafverfolgungsbehörden des Kantons St.Gallen keine aktue Gefährdung gesehen, was sich im Nachhinein als falsche Lagebeurteilung herausgestellt hat", sagte Dobler.

Täter stellt sich der Polizei
Nachdem der Libanese am Dienstagabend zugestochen hatte, verliess er den Tatort. Rund eine Stunde später klingelte er bei der Polizeistation Gams und liess sich von einer Polizeipatrouille festnehmen. Er verfügt über eine Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz. Er und das 45-jährige Opfer wohnen ausserhalb der Region.

Die Hintergründe der Tat werden derzeit ermittelt.

Die Kantonspolizei St.Gallen geht gemäss ihrer Mitteilung auf Grund erster Erkenntnisse von einem Beziehungsdelikt aus. Die Staatsanwaltschaft hat ein Strafverfahren wegen des Verdachts der versuchten vorsätzlichen Tötung eröffnet. (ts/red.)