«Mer kenned alli Grüchtli…»

THAL. Wie es sich gehört, beehren die Thaler Cliquen jeden Gemeindeteil. Und was sie reimend und singend verbreiten vom Klatsch in den Dörfern und darüber hinaus, zeugt von feinem Humor.

Fritz Bichsel
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Die Thaler «Tschugger» sinnieren darüber, ob die Raiffeisenbank in Thal geschlossen wird. (Bild: Fritz Bichsel)

Die Thaler «Tschugger» sinnieren darüber, ob die Raiffeisenbank in Thal geschlossen wird. (Bild: Fritz Bichsel)

«Mer verzelled luter Gschichtli, will mehr kenned alli Grüchtli», singen die «Thaler Tschugger» mit bühnenreifen Stimmen. Diese echten Polizisten halten sich dann aber standeswürdig an Tatsachen. Die «Beobachter» hingegen reimen zuerst gleich mal das durch lückenhafte Ankündigung in der Zeitung entstandene Gerücht weg, sie seien diesmal nicht beteiligt. Und dann verstärken sie unter einem der roten Schirme, welche die Raiffeisenbank verteilte, ein Gerücht, das die Bank mit zweideutiger Andeutung selber in Umlauf setzte: «Me ghört aber au munkle, dass d'Bank Thal gschlosse werdi und d'Läde au am Tag täged alles vertunkle. Vilicht sind jo d'Schirm au dodezue do, dass s‘chasch bruuche, wenn‘d anstatt uf Thal uf Rorschach muesch uf d'Bank go.»

Erstaunliches von Amateuren

Seit gut einem Vierteljahrhundert pflegen auch Thaler die Cliquenfasnacht. Unermüdlich sammeln Leute, die sonst nicht auf einer Bühne stehen, Material für einen erstaunlichen Gang ins Rampenlicht. Mehrheitlich sorgen sie dafür, dass Mitbürgerinnen und Mitbürger für Missgeschicke den verdienten Spott ernten. Weil solche Heldentaten erst an der Fasnacht öffentlich werden, liefern sie in ihren Versen lustig bis kabarettistisch auch die Erklärung. Auch zu über Thal hinaus bekanntgewordenen Themen erfährt das Publikum hier noch Erhellendes. Die Rätschhexen (Refrain: «Abakadabra Simsalabim, alles halb so schlimm») zum heroischen Kampf der Altenrheiner um ihren Sitz im Gemeinderat gegen zwei Konkurrentinnen: «D‘Sandra Bischof macht denn s'Renne för de Alterhi. Da isch aber au di einzig Quali gsi.»

Höchster und Allerhöchster

Im modernen Restaurant Looping am Schnittpunkt von Staad, Altenrhein, Buriet und Buechberg ist jeder Platz mit Blick auf Cliquen und Guggen besetzt. Das Publikum geht lebhaft mit. Auch in den weiteren beteiligten Restaurants in Thal, Staad und Altenrhein hat sich mehrheitlich viel Volk eingefunden, um die wirklich wichtigen Nachrichten vom abgelaufenen Jahr zu vernehmen. Ortskönig Röbi kommt nicht wirklich dran, sondern gut weg. Die «Tschugger» (mitreissend im «Anton»-Rhythmus) decken aber auf, dass auch er Schwächen hat. Will er doch den allerhöchsten Thaler, Kantonsratspräsident Felix in Altenrhein, noch übertrumpfen: «Im Feschttaumel hät de Felix mit em Kölliker de Alterhyner schuelfrei geh. Aber da hät sich denn de Röbi Raths nöd welle lo neh! Er hät grad allne Thaler en freie Tag versproche und d'Lehrer hend gfluechet, wer hät da wieder verbroche! Jo gell, die hend jo vo allem gar nüt chönne wüsse, und wenn denn di halbe Gofe nöd i d'Schuel chömed, isch da verschisse!»

Die «Lustgurken» aus dem Nachbardorf im Südosten wissen und zeichnen, was Mitkönig Felix beabsichtigt mit einer Fähre Altenrhein–Gaissau: Nach der auslaufenden Karriere als Postunternehmer und Politiker eine neue im Rotlichtmilieu: «Um sini Zuekunft mues er sich also nöd sorge. Er cha als Schlepper d'Pascha-Bar mit jungem Gmües versorge.»

Mitreissend musikalisch

Die Cliquen steigern den Genuss mit Musik, Gesang und Karikaturen. Die Guggen «Räbeforzer» und «Postgugge» geben musikalisch noch einen drauf. Dass die Guggen im ausgebuchten «Looping» nur hinter der Theke und zwischen den Besuchern noch Platz finden, ist kein Nachteil, sondern verstärkt die Fasnachtsstimmung.