Mehr Verkehr auf Nebenrouten

In der Region Rorschach nimmt der Verkehr auf der Autobahn zu, auf den Hauptachsen zu dieser aber ab. Wie seit Jahren, zeigen auch die Zahlen von 2015: Ein Teil umfährt die verstopften Abschnitte – besonders die Barrieren – auf Nebenrouten und Gemeindestrassen.

Fritz Bichsel
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REGION RORSCHACH. Das kantonale Tiefbauamt informiert über die Entwicklung des Verkehrs im abgelaufenen Jahr. In der Region Rorschach registrierten die Zählanlagen etwas mehr Fahrzeuge nahe der Autobahnanschlüsse (plus 0,3 bis 0,4% wie kantonsweit). Dazwischen fuhren auf den Hauptachsen weniger oder gleich viele: auf der St. Gallerstrasse in Rorschach minus 3,5%, durch Staad minus 1,3%, auf der Hauptstrasse in Rorschach und der Bruggmühlestrasse in Goldach kaum Veränderung.

Nicht allein wegen Baustellen

Teilweise wählten Lenker wegen Baustellen einen Umweg anstelle dieser Hauptverbindungen. 2015 ergab sich das besonders während der Sperre der St. Gallerstrasse in Goldach. Entsprechend nahm der Verkehr zum und vom Autobahnanschluss Meggenhus via Tübach zu, auf der Schulstrasse um zehn Prozent. Ein Vergleich über mehrere Jahre zeigt allerdings, dass solches Ausweichen auch ohne Baustellen im Trend liegt.

Vom Verkehr auf den Autobahnen liegen für 2015 noch keine Zahlen vor, weil der Bund später Bilanz zieht. In Vorjahren zeigte sich jedoch, dass die A1 durch die Region Rorschach und der Zubringer von Arbon markant mehr befahren werden. Innert zehn Jahren ergab sich eine Zunahme um rund ein Drittel. Ähnlich wuchs wohl der Verkehr aus der Region zur Autobahn und umgekehrt an. Auf den Hauptachsen nahm er aber ab (siehe Grafik, Zehnjahresvergleich 2005–2015). Wegen längerer Wartezeiten und Staus an Barrieren und nahe der Autobahnanschlüsse nimmt ein Teil der Fahrzeuglenker nicht mehr diese kürzeste Verbindung, sondern eine längere, aber möglicherweise schnellere über Gemeindestrassen. Zahlen liegen dazu nicht vor, weil der Verkehr praktisch nur auf Kantonsstrassen ständig gezählt wird.

Stillstand statt Fahrt

Im Strassennetz der Region Rorschach kam als grösste Änderung vor gut vier Jahrzehnten die Autobahn Buriet–St. Gallen Ost hinzu. So lange Staus wie zuvor gab es auf der Durchgangsstrasse nie mehr. Vor gut zwei Jahrzehnten kam der Zubringer Arbon-Meggenhus hinzu. Er bewirkte markante Abnahme des Verkehrs durch Staad und Steinach, etwas weniger Rückgang in Rorschach und starke Zunahme durch Goldach. Einige Zeit war zu befürchten, die Entlastungen würden durch Verkehrszunahme wieder zunichte gemacht. Inzwischen wächst der Verkehr aber geringer und weichen Lenker dieser Durchgangsachse aus.

Massnahmen in Planung

Gegen Staus an Barrieren als inzwischen grösstes Verkehrsproblem in der Region werden für die Zentren von Rorschach und Goldach Unterführungen projektiert. Zudem ist eine weitere grosse Strasse in Planung, zu einem zusätzlichen Autobahnanschluss ob Goldach. Den meisten Planern und Politikern ist aber bewusst, dass nicht jedes Vierteljahrhundert eine weitere Durchgangsstrasse gebaut werden kann. Sie versuchen deshalb, das Verkehrswachstum zu bremsen durch Verlagerung auf mehr Busse und Züge sowie mit flankierenden Massnahmen auf dem bestehenden Strassennetz.

Die Region Rorschach muss eine zusätzliche Schwierigkeit bewältigen: Sie hat im Kanton den höchsten Anteil an Bewohnern, die zur Arbeit in andere Gebiete pendeln. Wenn der Verkehr weniger wachsen soll, braucht es in der Seeregion nebst den vielen neuen Wohnungen auch mehr Arbeitsplätze.

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