Mehr und neue Kurse

Seit einem halben Jahr unterrichten sich an der autonomen Schule «Integra – Bildung für alle» Flüchtlinge und Schweizer gegenseitig. Ab August gibt es neue Fächer auf dem Stundenplan.

Mirjam Grob
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Beim Start brauchte es noch Packpapier. Inzwischen hat die Schule eine Wandtafel – und viele Schüler. (Archivbild: Reto Martin)

Beim Start brauchte es noch Packpapier. Inzwischen hat die Schule eine Wandtafel – und viele Schüler. (Archivbild: Reto Martin)

«Ich persönlich war von Anfang an überzeugt, dass alles gut laufen wird», sagt Felix Rütsche. Er ist Lehrer an der Schule «Integra – Bildung für alle», die im Januar vom Solidaritätsnetz Ostschweiz gegründet wurde. Und tatsächlich haben im ersten Semester schon insgesamt 120 Personen die angebotenen Kurse besucht. Die Bilanz nach einem halben Jahr Schulbetrieb sei sehr gut, sagt Rütsche.

Fast alle Kurse waren gut besucht, in der Regel von 10 bis 20 Personen. Einzig die Musikstunden konnten nicht stattfinden, weil am Samstag niemand in die Schule wollte. Die Idee werde aber sicher nochmals aufgenommen, sagt Rütsche. Denn: «Unter unseren Schülern gibt es einige sehr talentierte Musiker.»

Lieblingsfach Deutsch

Am beliebtesten sind Deutsch-Stunden.

Da die Klassenräume regelmässig mit bis zu 40 Lernwilligen überfüllt waren, werden inzwischen zwei Kurse angeboten: auf Anfänger- und Fortgeschrittenen-Niveau.

Besonders am Herzen liegt Felix Rütsche der Schweizerdeutsch-Unterricht. Auch hier werden seit dem neuen Semester, das am 9. August begann, zwei Klassen geführt. Zusätzlich wurde auch das Fach «Schweizer Kultur» eingeführt.

Zu verstehen, was hier anders sei als in ihrem Herkunftsland, verbessere die Lebensqualität von Flüchtlingen extrem, ist Rütsche überzeugt. Und illustriert mit einem Beispiel, was er damit meint: «Viele Migranten haben Schlimmes erlebt und Angst vor der Polizei. In der Schweiz hingegen macht man sich sogar verdächtig, wenn man die Polizei auf auffällige Weise meidet. Dies zu wissen, kann sehr wertvoll sein.»

Arabisch oder Amharisch

Im neuen Semester können bedeutend mehr Kurse angeboten werden. Laut Rütsche hat man überhaupt keine Probleme gehabt, genügend Unterrichtende zu finden. Da es zur Projektidee gehört, dass auch Flüchtlinge unterrichten, finden sich im Stundenplan auch Fächer wie Arabisch oder «Amharisch für Anfänger», eine Sprache, die in Äthiopien gesprochen wird.

Und Aussergewöhnliches, wie etwa «Gehmeditation». Schliesslich ist «Integra – Bildung für alle» offen für alle Vorschläge. «Und ob genügend Interesse besteht, damit ein Kurs zustande kommt, zeigt sich ja schnell», sagt Rütsche. Das Kursangebot der Schule richtet sich aber ebenso an Personen mit ständigem Wohnsitz in der Schweiz.

Offen für alles und alle

«Auch Schweizer können viel profitieren vom Austausch, der während unseren Unterrichtsstunden stattfindet», sagt Rütsche.

Mit seinen Schülern vergleicht er jeweils die Rituale und Bräuche der verschiedenen Kulturen. Er ist überrascht, dass sich immer wieder viele Gemeinsamkeiten finden. Die Verantwortlichen des Projekts schauen momentan zuversichtlich und voller Tatendrang in die Zukunft. Finanziert wird «Integra – Bildung für alle» hauptsächlich durch Spenden, die meisten erhält man von Mitgliedern des Solidaritätsnetzes. Geld wird vor allem für die Miete der Räume benötigt. Da im Projekt alle ehrenamtlich mitarbeiten, kann der Unterricht nämlich kostenlos angeboten werden.

So kann die Schule ihrer Idee treu bleiben: Offen zu sein für jeden Menschen.