Mehr Strom für die SBB

In Winkeln geht im September eine neue Anlage der SBB ans Netz. Sie deckt den steigenden Energiebedarf und liefert zehn Prozent des Stroms, den die Bahnen in der Schweiz benötigen.

Elina Grünert
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Teile der neuen Anlage in Winkeln sind 120 Tonnen schwer, deshalb mussten sie beim Bau auf extra gelegten Schienen transportiert werden. Links im Bild ist der Haupttransformator zu sehen. (Bild: Elina Grünert)

Teile der neuen Anlage in Winkeln sind 120 Tonnen schwer, deshalb mussten sie beim Bau auf extra gelegten Schienen transportiert werden. Links im Bild ist der Haupttransformator zu sehen. (Bild: Elina Grünert)

Die Züge sind in den letzten Jahren zahlreicher, komfortabler und in der Folge auch schwerer geworden. Das heisst, mehr Energie wird benötigt. Der öffentliche Verkehr wachse stark, gerade in der Ostschweiz, sagt SBB-Projektleiter Markus Siegenthaler. Im Dezember erfolgt ein grosser Fahrplanwechsel, danach brauche es zusätzliche Energie. Um dem Bedarf gerecht zu werden, wurde in Winkeln eine so genannte Frequenzumrichteranlage gebaut.

Von 50 auf 16,7 Hertz

Die SBB verwenden zwei Stromarten: Zum einen brauchen sie den normalen Haushalts- und Industriestrom mit 50 Hertz. Dieser wird zum Beispiel für die Beleuchtung und die Türen der Züge benötigt. Zum anderen brauchen sie für den Antrieb der Züge speziellen Bahnstrom, welcher 16,7 Hertz hat.

Die Frequenzumrichteranlage wandelt üblichen Industriestrom in Bahnstrom um und umgekehrt. Dazu senken Aggregate und Transformatoren die Frequenz des Stroms von 50 auf 16,7 Hertz. Um den Haushaltsstrom umzuwandeln, wird der Strom über Schaltanlagen in einen Transformator geleitet. Der 16,7-Hertz-Strom wird dann in das teure Herzstück der Anlage geleitet, den Frequenzumrichter. Ein Raum voller Kupfer und Hochleistungselektronik, der unter normalen Umständen auf keinen Fall betreten werden darf. Der Frequenzumrichter ist gesichert mit mehreren Schlüsseln, und die Freigabe erfolgt nur, wenn alle Anlagen keine Spannung mehr aufweisen. Während in normalen Haushalten dünne Kupferdrähte verwendet werden, kommen hier dicke Kupferbalken zum Einsatz. Das zeigt, wie viel Strom hier durchfliesst. Vom Umrichter fliesst er mit 24 000 Volt weiter in einen Transformator und wird nach Gossau und Rüthi über traditionelle Stromleitungen transportiert.

Wasserkraft stösst an Grenzen

Die neue Anlage hat 45 Millionen Franken gekostet. Sie sei unentbehrlich für das Schweizer Bahnnetz, so Siegenthaler. Die SBB beziehen 90 Prozent ihres Stroms von eigenen Wasserkraftwerken. «Es braucht die neue Anlage, denn die Wasserkraft kann nicht weiter ausgebaut werden», sagt Siegenthaler. Man müsse also umsatteln auf die Frequenzumrichter. Die Anlage in Winkeln liefert rund zehn Prozent der Energie, die alle Bahnen in der Schweiz benötigen. Der gesamte Verbrauch der Bahnen entspricht dem von 600 000 Haushalten, was dreimal dem Verbrauch des Kantons St. Gallen entspricht.