Mehr Schulden trotz Gewinn

Rote Köpfe über schwarzen Zahlen: Die Frage, wie der Rechnungsüberschuss eingesetzt wird, spaltete am Dienstag das Parlament. Auch wurde die steigende Verschuldung bemängelt.

Noemi Heule
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Die Sporthalle Buechenwald wurde kürzlich saniert. Für künftige Investitionen in die Infrastruktur soll ein Millionenbetrag zurückgestellt werden. (Bild: Michel Canonica)

Die Sporthalle Buechenwald wurde kürzlich saniert. Für künftige Investitionen in die Infrastruktur soll ein Millionenbetrag zurückgestellt werden. (Bild: Michel Canonica)

GOSSAU. Mit einem Gewinn in der Höhe von 5,1 Millionen Franken schliesst die Rechnung der Stadt Gossau über das vergangene Jahr. Budgetiert war ein Defizit von 580 000 Franken. Ein erfreuliches Ergebnis, darin waren sich an der Parlamentssitzung vom Dienstag alle Parteien einig. Strittig war hingegen, wie der unverhoffte Überschuss verwendet werden soll.

FDP bemängelt Intransparenz

Höhere Steuereinnahmen, Buchgewinne, ein tieferer Sachaufwand und geringere Abschreibungen trugen zum positiven Abschluss bei, wie der Stadtrat mitteilte. Er beantragte, einen Grossteil des Gewinns, nämlich vier Millionen Franken, für künftige Infrastrukturprojekte zurückzustellen.

Dagegen setzten sich FDP und SVP zur Wehr: Der Antrag des Stadtrates sei «nicht transparent», kritisierte FDP-Parlamentarier Felix Koller. Statt das Geld für unbestimmte Bauten in unbestimmter Zukunft zurückzustellen, soll es für zusätzliche Abschreibung bestehender Gebäude verwendet werden. Im Namen der SVP unterstützte Roland Seiler die FDP-Fraktion.

Flüssige Mittel fehlen

Beide Politiker zeigten sich besorgt über die steigende Verschuldung der Stadt Gossau. Trotz Gewinn nahm diese im vergangenen Jahr zu. Die Nettoverschuldung pro Einwohner erreichte mit über 1500 Franken gar einen neuen Höchststand.

Der Cashflow sei das grösste Problem des Stadthaushaltes, bestätigte Stadtpräsident Alex Brühwiler. Weil es an flüssigen Mitteln fehlte, mussten die Investitionen von 15,6 Millionen Franken teilweise fremdfinanziert werden. Brühwiler machte wenig Hoffnung, die Schulden schnell abbauen zu können. So stehen in naher Zukunft weitere Grossinvestitionen an, etwa Sanierungen von Schulhäusern und Sportanlagen. Rückstellungen für künftige Infrastrukturbauten seien deshalb sinnvoll. Den Vorwurf der Intransparenz wollte Brühwiler nicht gelten lassen: «Das Budget 2015 nachträglich durch Abschreibungen zu verändern, widerspricht dem Anspruch der Transparenz.»

Eine knappe Mehrheit stärkte dem Stadtrat den Rücken: Der Antrag von FDP und SVP wurde mit 15 zu 13 Stimmen abgelehnt; die Rechnung 2014, inklusive der vom Stadtrat beantragten Verwendung des Überschusses, wurde genehmigt.

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