Mehr Gratisparkplätze gefordert

ST.GALLEN. Dass die Stadtpolizei rund um den Hauptbahnhof falsch parkierte Fahrräder abgeräumt hat, stösst der Velolobby sauer auf. Sie kritisiert, dass es zu wenig kostenlose Abstellplätze gebe – und spielt den Ball der städtischen Verkehrsplanung zu.

Lea Müller
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An der Lagerstrasse sind Parkfelder nur für Töffs reserviert. Kürzlich hat die Stadtpolizei dort falsch parkierte Fahrräder weggeräumt. (Bild: Lea Müller)

An der Lagerstrasse sind Parkfelder nur für Töffs reserviert. Kürzlich hat die Stadtpolizei dort falsch parkierte Fahrräder weggeräumt. (Bild: Lea Müller)

Velofahrer in der Stadt sind verärgert. In Leserbriefen und Telefonaten an die Redaktion beklagen sie sich über die «Ordnungswut» der Stadtpolizei. Denn diese geht zurzeit gegen überfüllte Veloständer rund um den Hauptbahnhof vor (Tagblatt vom 26. Juni). Dabei räumen die Beamten nicht nur defekte, alte Drahtesel weg, sondern ziehen auch Pendlervelos ein, die trotz angebrachter Warnzettel immer wieder falsch parkiert werden. «Wir machen da keinen Unterschied zwischen Autofahrern und Velofahrern», sagt Polizeisprecher Benjamin Lütolf. «Wer sein Fahrzeug nicht korrekt parkiert, muss mit Konsequenzen rechnen.»

Polizei stellt «Wildwuchs» fest

Die Stadtpolizei will laut Benjamin Lütolf an ihrem Vorgehen gegen das Falschparkieren festhalten. Nicht nur wie jüngst beim VBSG-Pavillon oder an der Lagerstrasse bei der Fachhochschule, sondern rund um den Hauptbahnhof. «Wir stellen zurzeit einen regelrechten Wildwuchs fest», sagt der Polizeisprecher.

Die Veloständer auf der Südseite des Bahnhofs sind praktisch jeden Tag überfüllt. Auf der Nordseite wurde der Veloabstellplatz bei der Rathausunterführung wegen der Bauarbeiten am Perron 4 verlegt und verkleinert. Auch hier gibt's kaum noch freie Ständer für Fahrräder. Ein Blick in die neue Velostation im Untergeschoss der Fachhochschule hingegen zeigt, dass sich hier für das eine oder andere Gefährt durchaus noch ein Plätzchen finden liesse. Der Haken: Die 350 unterirdischen Parkplätze sind im Gegensatz zu den oberirdischen nicht gratis, sondern kosten pro Tag einen Franken.

«Zu hartes Vorgehen»

Die Velowegräumaktion der Stadtpolizei sorgt auch bei Pro Velo und VCS für Unmut. Dass defekte und gestohlene Velos entfernt würden, sei zwar ganz in ihrem Sinne, halten die Verbände fest. Damit sei den aktiven Velofahrern gedient. Weniger Verständnis haben sie aber für das Einsammeln von Pendlervelos. Das Vorgehen sei in der momentanen Situation nicht gerechtfertigt. «Auf der Nordseite des Bahnhofs ist die Situation unhaltbar. Es gibt viel zu wenig Gratisparkplätze», sagt Thomas Walter, Präsident von Pro Velo. Dass Töfffahrer an der Lagerstrasse grosszügige Gratisparkplätze zur Verfügung hätten, während Velofahrer rund um die Fachhochschule keinen Abstellplatz fänden, mute aus Sicht von Pro Velo seltsam an.

Nachfrage grösser als Angebot

«Mit dem Einsammeln von Velos ist es nicht getan», sagt VCS-Geschäftsleiter Robert Furrer. Vielmehr sei nun die städtische Verkehrsplanung gefordert, eine Lösung für das Problem zu finden. Wolle die Stadt den Veloverkehr fördern, brauche es mehr gedeckte Abstellplätze.

Stefan Pfiffner vom städtischen Tiefbauamt bestätigt, dass die Nachfrage nach kostenlosen Veloparkplätzen zurzeit das Angebot übersteige. «Wir müssen uns etwas nach der Decke strecken.» Noch in diesem Winter soll es auf der Nordseite des Bahnhofs eine Entlastung geben: Zwischen dem Aufgang der Rathausunterführung und der Fachhochschule sind laut Pfiffner rund 30 zusätzliche Abstellplätze geplant. Diese könnten aber erst angeboten werden, wenn die SBB ihre Bauarbeiten am Perron 4 beendet hätten. Davon sei auch abhängig, wann in diesem Abschnitt eine direkte Verbindung für Velofahrer möglich werde. Die dafür nötige Rampe hat die Stadt bereits gebaut.

Veloweg ist geplant

Dass die neue Velostation nicht bei allen beliebt ist, könnte auch daran liegen, dass sie nicht aus allen Richtungen gleich gut erreichbar ist. Von Osten her müssen Fahrradfahrer die vielbefahrene Rosenbergstrasse zweimal queren. Laut Stefan Pfiffner arbeiten die Verkehrsplaner diesbezüglich an einer Lösung. Von der Unterführung zwischen Rosenberg- und Bahnhofstrasse soll auf der Nordseite künftig ein Veloweg auf dem Trottoir entlang den Gleisen führen. Die Stadt treffe zurzeit Absprachen mit den SBB.

Von Süden her führt der direkteste Weg zur Velostation durch die Bahnhofunterführung West. Allerdings muss der Drahtesel die Treppe hinuntergetragen und dann geschoben werden. Nach der Sanierung der Unterführung, die bis Ende 2014 abgeschlossen sein soll, werden dann Lifte zur Verfügung stehen, die den Zugang etwas erleichtern.

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