Mehr Energie aus wenig Wasser

Bereits aus Wasser, das nur knapp zwei Meter pro Sekunde fliesst, gewinnt eine neue Turbine aus Roggwil rentabel Alternativenergie. Das sehen Leiter von Abwasserreinigungsanlagen bei der Pilotanlage in der ARA Altenrhein.

Fritz Bichsel
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Erfinder Roman Bühler aus Horn erklärt Fachleuten von Abwasserreinigungsanlagen die Wasserturbine Waterblade mit beweglichen Schaufeln. Die während dreier Monate in einem kleinen Kanal der ARA Altenrhein erprobte Anlage erfüllte die Erwartung, fast 100 Prozent der Kraft von fliessendem Wasser in elektrische Energie umwandeln zu können. (Bilder: Fritz Bichsel)

Erfinder Roman Bühler aus Horn erklärt Fachleuten von Abwasserreinigungsanlagen die Wasserturbine Waterblade mit beweglichen Schaufeln. Die während dreier Monate in einem kleinen Kanal der ARA Altenrhein erprobte Anlage erfüllte die Erwartung, fast 100 Prozent der Kraft von fliessendem Wasser in elektrische Energie umwandeln zu können. (Bilder: Fritz Bichsel)

SEEREGION. Der Horner Roman Bühler erfindet Anlagen zur Gewinnung von Alternativenergie. Bekannt wurde er mit den in Horn produzierten Windturbinen als Alternative zu grossen Windrädern. Nun entwickelte er bei der RLK Engineering in Roggwil für den gleichen Zweck eine Wasserturbine mit schwenkbaren Flügeln und einer neuartigen patentierten Steuerung.

Als Partnerin für einen Probelauf fand RLK die Abwasserreinigungsanlage Altenrhein. Sie ist laufend daran, noch mehr Energie aus Wasser, Schlamm und Gärung zu gewinnen. «Gerne unterstützen wir Firmen, die auf diesem Gebiet Neues bieten», sagt Geschäftsführer Christoph Egli. Hier ging es erst darum, in einem gut zugänglichen Kanal das Erproben eines kleinen Typs von «Waterblade» zu ermöglichen. Ob es im Netz des regionalen Abwasserverbandes Altenrhein Möglichkeiten gibt, diese Turbine wirtschaftlich einzusetzen, wird noch geprüft.

«Energie zu 100 Prozent nutzen»

Nach drei Monaten Betrieb stellte RLK die Turbine und die Resultate gestern Leitern von Abwasserreinigungsanlagen im internationalen Bodenseeraum vor. «Wir konnten fast 100 Prozent der Energie aus dem Wasser nutzen und wollen noch ganz auf 100 kommen», sagt Martin Frei, der Geschäftsleiter von RLK Engineering. Einsatzmöglichkeiten für «Waterblade» sieht er von Bächen oder kleinen Kanälen bis zu grossen Flüssen und dem Meer, wo die Wasserbewegung mit Ebbe und Flut genutzt werden kann. Das Produkt sei nun bereit für den Markt und etwa ab Frühjahr 2015 lieferbar. Drei Anlagen sind inzwischen in Betrieb. Für effiziente Serienproduktion sollten etwa zwanzig Bestellungen zusammenkommen. Eine kleine Anlage ist erhältlich ab 15 000 Franken zuzüglich Montage- und Anschlusskosten. Ein solches auch für Private geeignetes Kleinkraftwerk für Alternativenergie wird von der öffentlichen Hand subventioniert.

Ein möglicher Knackpunkt war das Lager aus Kunststoff, um das sich die Turbine ständig dreht. «Doch nach drei Monaten zeigt sich keinerlei Abnützung», freut sich Martin Frei.

Altes Prinzip, neue Technik

Fliessendes Wasser trifft auf Schaufeln und setzt diese in Bewegung. Das wird schon lange genutzt, wie einst mit Wasserrädern zum Antrieb von Mühlen. Die neue Strömungsturbine Waterblade dreht sich um einen Generator, womit Wasserkraft direkt in elektrische Energie umgewandelt wird. Und sie ist so kompakt, dass sie mit geringem Platzbedarf direkt in ein Fliessgewässer oder einen Kanal eingesetzt werden kann. Zudem arbeitet sie auch ganz unter Wasser. Ganz neu ist die ausgeklügelte Steuerung – worauf RLK Engineering spezialisiert ist. Sie sorgt dafür, dass jede der beweglichen Schaufeln stets im optimalen Winkel für effiziente Energienutzung steht. «So können wir die Kraft beim Eintritt des Wassers in die Turbine und nochmals beim Wiederaustritt nutzen», erklärt Erfinder Roman Bühler. «Damit erzielen wir eine Wirkung von fast und bald einmal wohl ganz hundert Prozent.»

Im heutigen Markt sind Anlagen gefragt, die sich durch die gewonnene Energie und allfällige Beiträge innert weniger Jahre amortisieren. «Das erreichen wir mit unseren Waterblade-Turbinen bereits ab einer Fliessgeschwindigkeit von 1,7 Metern pro Sekunde», sagt Martin Frei.