Mehr Aufwand, gleicher Umsatz

Seit zweieinhalb Monaten ist der Bahnhofplatz autofrei. Was die Busfahrer freut, ärgert das Gewerbe im Bahnhof. Das neue Verkehrsregime wirkt sich zwar kaum auf den Umsatz aus. Es führt teils aber zu mehr Aufwand und Personal.

Tobias Hänni
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Die Geschäfte in der Bahnhofspassage sind über den autofreien Bahnhofplatz nicht nur glücklich. (Bild: Urs Bucher)

Die Geschäfte in der Bahnhofspassage sind über den autofreien Bahnhofplatz nicht nur glücklich. (Bild: Urs Bucher)

Seit dem 1. Oktober gilt auf dem Bahnhofplatz für Privatfahrzeuge ein Fahr- und Parkierverbot. Buschauffeure und Passanten freut die Beruhigung des Platzes. Doch welche Auswirkungen hat das neue Verkehrsregime auf die Geschäfte in und um den Bahnhof? Bedeuten keine Privatautos auch weniger Kunden? «Bis jetzt hat sich der Umsatz bei den Geschäften im Bahnhof nicht verschlechtert» sagt Michael Gähwiler von der Immobilienbewirtschaftung der SBB. Die Bedenken einiger Mieter vor der Einführung des neuen Verkehrsregimes hätten sich insofern nicht bewahrheitet. Vermutlich werde der Ausfall von motorisierten Kunden durch die neuen Postauto-Haltestellen vor dem Bahnhofsgebäude kompensiert. «Die Fahrgäste vertreiben sich die Zeit, bis der Bus kommt, in der Geschäftspassage», sagt Gähwiler.

«Wir müssen Kunden beliefern»

Daniel Lautenschlager, der im Bahnhofsgebäude einen Copy-Shop betreibt, bestätigt: «Auch wenn sie am Anfang heftig reklamiert haben, die Kunden kommen immer noch.» Mit Flyern habe er frühzeitig auf die veränderte Situation aufmerksam gemacht. «Das hat geholfen.» Trotzdem ist das neue Verkehrsregime für Lautenschlager ärgerlich: «Wir haben einen riesigen Mehraufwand.» Seine Kunden würden öfter grössere Mengen an Drucksachen bestellen, die sie nun nicht mehr selber abholen könnten. «Stattdessen müssen wir die Ware nun selber liefern», sagt Lautenschlager. Das hat für den Copy-Shop-Besitzer auch personelle Konsequenzen: Für die Zeit, in welcher er Bestellungen an Kunden ausliefert, musste er eine zusätzliche Teilzeitmitarbeiterin einstellen.

Problem für die Angestellten

Auch beim Avec Shop in der Bahnhofspassage hat sich die Verbannung der Privatfahrzeuge vom Bahnhofplatz nicht auf den Umsatz ausgewirkt. Dafür haben die Angestellten mit einem anderen Problem zu kämpfen. «Die meisten von uns kommen mit dem Auto zur Arbeit, weil wir morgens vor fünf Uhr im Laden sein müssen», sagt Joëlle Frick. Da die neue Parkgarage hinter dem Hauptbahnhof erst um fünf Uhr öffne, könnten sie dort vor Arbeitsbeginn nicht parkieren. «Wir müssen deshalb irgendwo in der Umgebung des Bahnhofs einen Parkplatz finden.»

Bei der Kleiderreinigung «5àSec» nebenan ist der Umsatz in letzter Zeit gesunken. «Das könnte aber auch am Wetter liegen», sagt eine Mitarbeiterin. Einige Stammkunden, die früher kurz über den Mittag ihre Kleider gebracht und geholt hätten, blieben allerdings aus. «Früher konnten sie rasch vor dem Bahnhof parkieren und die Sachen abholen.» Für die Mitarbeiterinnen von «5àSec» hat der autofreie Bahnhofplatz aber auch seine positiven Seiten. «Es hat jetzt keine jungen Leute mehr, die mit ihrem Auto ständig über den Platz fahren und lärmen.»