Mehr als das Stadion

Der Quartierverein Winkeln feiert morgen Freitag seinen 125. Geburtstag. Angestossen wird mit eigenem Bier. Und es wird in eine Zukunft geschaut, in der auch Betagte in Winkeln bleiben können.

Christoph Renn
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Das Stadion des FC St. Gallen hat das Leben in Winkeln verändert – vor allem die Auswärtsfans. (Bild: Benjamin Manser (23. November 2016))

Das Stadion des FC St. Gallen hat das Leben in Winkeln verändert – vor allem die Auswärtsfans. (Bild: Benjamin Manser (23. November 2016))

Christoph Renn

christoph.renn

@tagblatt.ch

Im Zentrum stehen das Stadion des FC St. Gallen, die Shopping-Arena und das Westcenter. Richtung Gossau dominiert die Industrie das Dorfbild. Der Verkehr bestimmt den Rhythmus. Doch Winkeln ist laut Ernst Altherr, Co-Präsident des Quartierve­reins, viel mehr als das. «Es ist Naherholungsgebiet mit dem Gübsensee und es gibt ein aktives Vereinsleben.» Einer der ältesten der Stadt ist der Quartierverein, der morgen Freitag an der Mitgliederversammlung seinen 125. Geburtstag feiert.

Im Jahr 1707 bestand Winkeln nur aus fünf Bauernhöfen. 1883 standen rund 50 Gebäude. Heute wohnen 4285 Personen im Quartier im Westen der Stadt. «Und es werden stetig mehr», ergänzt Marco Rutz, Co-Präsident des Quartiervereins. Wie das Dorf kann auch der Quartierverein Winkeln auf eine lange Vergangenheit zurückblicken. Dieser wurde 1892 gegründet. Jedoch unter dem Namen Gemeinnütziger Verein Ausser der Sitter Straubenzell. Später wurde der Name schliesslich in Einwohnerverein von Winkeln und 1981 in Quartierverein Winkeln geändert.

Aus Telefonkabine wird ein Buchverleih

Mit der Einwohnerzahl ist auch die Mitgliederzahl des Quartiervereins Winkeln stetig gewachsen. Heute zählt der konfessionell unabhängige Verein rund 300 Mitglieder. Unverändert hingegen bleiben seine Ziele: «Wir bilden das Bindeglied zwischen Bevölkerung und Stadtverwaltung. Wir wollen die Partizipation fördern», sagt Altherr. «Anliegen aus der Bevölkerung versuchen wir zu sammeln und zu ordnen, um dann die richtigen Kontakte zu vermitteln.» So soll den Interessen des Quartiers Gehör verschafft werden. Gehör für Anliegen, die in den vergangenen Jahren immer mehr an den Verein getragen wurden. «Quartiervereine werden wieder wichtiger», sagt Rutz. Nicht nur in Winkeln. Für den Aufschwung sieht er verschiedene Gründe: «Die Leute kennen und vertrauen uns. Der einzelne Bürger will nicht direkt mit den zuständigen Ämtern in Verbindung treten.»

In seiner 125-jährigen Geschichte hat der Quartierverein schon einiges für Winkeln erreicht. So hat er den Schulsporttag 1974 ins Leben gerufen, 1981 den ersten Weihnachtsbaum auf dem Dorfplatz aufgestellt oder 1991 den ersten Jugendtreff lanciert. Auch heute steht der Verein nicht still. «Wir haben im Jubiläumsjahr einige Projekte geplant», sagt Altherr. Viele seien jedoch noch nicht spruchreif. Eines dieser Projekte sei die Telefonkabine an der Bushaltestelle Scheidweg, die in den kommenden Monaten in einen Buchverleih umgebaut werden soll.

In Winkeln fehlt ein Altersheim

Doch auch in Winkeln ist mitnichten alles Gold, was glänzt. So mag sich Marco Rutz noch an die ersten Spiele in der AFG-Arena erinnern: «Es war schlimm, die Gärten der Häuser entlang der Herisauerstrasse wurden regelrecht zerstört. Sachbeschädigung stand während der Heimspiele an der Tagesordnung», sagt er. Doch habe sich die Situation in den vergangenen Jahren stark verbessert. Auch dank des runden Tisches, der deshalb von der Polizei ins Leben gerufen wurde. Fast schlimmer als die Fussballfans seien die Besucher des Glow-Clubs und später der Villa Wahnsinn gewesen. «Die Zusammenarbeit mit den Betreibern sei jedoch immer gut gewesen», ergänzt Rutz. Die immense Verkehrslawine, die Tag für Tag Winkeln überrolle, sei sowieso ein Dauerthema an jeder Versammlung des Quartiervereins. So auch die Zukunft des Restaurants Kreuz.

Für die Entwicklung des Quartiers steht für beide Präsidenten etwas an erster Stelle: «Das Schulhaus Kreuzbühl muss dringend saniert werden.» Wann dies geschieht, wissen sie jedoch noch nicht. Aufschwung könnte das Quartier im Westen der Stadt 2021 erhalten: «Dann wird entschieden, ob hier das eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2025 ausgetragen wird», sagt Rutz. Für Altherr fehlt in Winkeln jedoch etwas sehr Zentrales. Ein Alters- oder Pflegeheim. «Hier kann man nicht alt werden.»