Mehlwurm-Snack zum Zmittag

Insekten essen: Was nach einer Mutprobe klingt, will Matthias Grawehr zum Alltag machen. Der Mitbegründer des Jungunternehmens Essento sprach gestern im Naturmuseum über die Vorzüge des «Proteins der Zukunft».

Noemi Heule
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Heuschrecken zum Dessert: Das Jungunternehmen «Essento» will Insekten in den Speiseplan integrieren. (Bild: pd)

Heuschrecken zum Dessert: Das Jungunternehmen «Essento» will Insekten in den Speiseplan integrieren. (Bild: pd)

Pünktlich zum Zmittag kamen die Besucher des Naturmuseums am gestrigen Mittagstreff zu einem Imbiss der besonderen Art. Zum Thema «Warum sollten wir Insekten essen?» wurden Probehäppchen gereicht. Ob frittierte Wüstenheuschrecken, Mehlwürmer oder Müesliriegel aus gemahlenen Insekten, den rund dreissig neugierigen Besuchern hat's geschmeckt.

Matthias Grawehr Jungunternehmer (Bild: Michel Canonica)

Matthias Grawehr Jungunternehmer (Bild: Michel Canonica)

Ganz legal war der Insekten-Snack aber nicht, gab Matthias Grawehr zu. Der Mitbegründer des Jungunternehmens Essento informierte im Gespräch mit Museumsdirektor Toni Bürgin über die rechtlichen und kulturellen Schranken des Verzehrs von Insekten. Und weshalb es sich trotzdem lohnt, die Tiere auf den Speiseplan zu nehmen.

Insekten für den Heimverzehr

Das schweizerische Lebensmittelgesetz legt fest, welche Tiere auf dem Teller landen dürfen. Insekten gehören nicht dazu. «Als die Liste erstellt wurde, hat man schlichtweg nicht an Insekten gedacht», sagt Grawehr. Dies zu ändern ist eines der Ziele des Jungunternehmens. Die drei Begründer von Essento haben deshalb bereits beim Bundesamt für Lebensmittelsicherheit vorgesprochen. Sie hoffen, dass im neuen Lebensmittelgesetz zumindest einige Insektenarten aufgenommen werden. Bis es so weit ist, vertreibt das Jungunternehmen eine eigens entwickelte Zuchtbox für Mehlwürmer. Für den Eigengebrauch nämlich dürfen Insekten gesammelt, gezüchtet und gegessen werden.

Skepsis in Europa

Der Verzehr von Insekten hat laut Grawehr viele Vorteile: «Sie sind gute Futterverwerter.» Gegenüber herkömmlichem Fleisch benötigten sie für die gleiche Proteinmenge einen Bruchteil der Ressourcen. Zudem seien sie reich an Mineralien und Mikronährstoffen. «Für zwei Milliarden Menschen gehören Insekten fest zum Speiseplan», sagt er. Einzig in Europa stehe man den kleinen Tierchen eher skeptisch gegenüber.

Das war nicht immer so. «Von den alten Griechen bis ins 19. Jahrhundert sind Rezepte mit Insekten überliefert», sagt Grawehr. Der Ekel vor Insekten, der auch in Fernsehsendungen wie dem «Dschungelcamp» beschworen wird, gründe allein auf der Erziehung. Es brauche Zeit, diese kulturelle Hürde abzubauen und die Konsumenten auf den Geschmack zu bringen.

Von Nuss- bis Zitrusgeschmack

Neben dem ökologischen Argument spreche auch die breite Geschmackspalette für die proteinreiche Kost. «Wüstenheuschrecken erinnern an Poulet, Ameisen eher an Zitronen», sagt er. Auch die Zubereitungsmöglichkeiten seien vielfältig: Sie reichen von Anbraten und Frittieren über Blanchieren oder Backen bis hin zu Gefriertrocknen.

Zum Beweis reicht Grawehr den Zuhörern Schalen mit frittierten Insekten. Auch Müesliriegel mit Apfel-Zimt-Geschmack gehen von Hand zu Hand. Fast alle ringen sich zu einem Bissen durch. Und tatsächlich: Die Mehlwürmer finden Anklang. «Nussig» schmeckten sie, sagt eine Probandin, «schokoladig» sei dagegen ein Proteinriegel. Nur die knackigen Wüstenheuschrecken wirken auf einen älteren Herrn abschreckend: «Sie kratzen im Hals.»

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