MATURAFEIER: Ein Rektor ohne lange Festrede

184 Schülerinnen und Schüler der Kanti am Brühl haben vor den Ferien ihre Maturaausweise entgegengenommen. Die Feier in der Tonhalle stand unter dem Motto «(Sch)Ade».

Margrith Widmer
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Absolventinnen und Absolventen der Kanti am Brühl haben in der Tonhalle ihre Maturazeugnisse in Empfang genommen. (Bild: Ralph Ribi)

Absolventinnen und Absolventen der Kanti am Brühl haben in der Tonhalle ihre Maturazeugnisse in Empfang genommen. (Bild: Ralph Ribi)

Margrith Widmer

stadtredaktion@tagblatt.ch

Ein Debütantinnen-Ball am Donnerstag, 17 Uhr, in der Tonhalle? Rund 150 junge, festlich gekleidete Frauen und einige junge Männer im Anzug versammelten sich zu dem Zeitpunkt vor dem monumentalen Gebäude. Lange Abendroben, glitzernde Cocktailkleider, Minis, edle St. Galler Stickerei und Spitzen, diskrete Parfümwolken, tätowierte Schenkel. Die Parade der jungen Damen, die kamen, um ihre Maturazeugnisse und Geschenke entgegenzunehmen, glich einer Modeschau.

Heiss und stickig ist’s dann in der Tonhalle: Fächer fehlen, die jungen Sängerinnen behelfen sich mit ihren Noten- und Textblättern, fächeln sich damit wenigstens etwas Luft zu. Eine Moderatorin setzt sich artig auf den Klavierstuhl, richtet ihren Pferdeschwanz. Mit ihren Kolleginnen treibt sie Schabernack. Derweil kräht im Publikum ein Kind. Eine Moderatorin will am Anfang schon augenzwinkernd zum Apéro überleiten. Begeisterungsgebrüll im Publikum. Doch der Apéro muss noch 114 Minuten waren.

Abba, eine Nichtrede und die Parade der Maturi

Der Pianist und Musiklehrer Giovanni Pede tritt auf sowie der quirlige Dirigent Michael Schläpfer. Sie führen mit Sängerinnen und wenigen Sängern die Klassenproduktion «Abba Medley» auf, beginnend mit «Fernando», endend mit «Dancing Queen». Auftritt des Rektors Mathias Gabathuler, von den Schülerinnen liebevoll «Gabi» genannt: Er tritt auf die Bühne, zieht ein grosses rotes Glarner Tuch aus der Tasche, wischt sich eine Träne ab, sagt Ade, geht von der Bühne ab, zurück in die erste Reihe – und setzt sich. Tosender Applaus. Begeisterungsrufe. Gebrüll.

Und dann beginnt die Parade der Klassen: Die Maturi erhalten ihr Zeugnisse sowie ein grünes, weisses oder pinkfarbenes Tuch, dessen Farbe oft nicht zum Farbton der Kleider der jungen Damen passt. Einige erhalten Sonderapplaus aus dem Publikum. Zwischen den Paraden singen die Maturi, begleitet von Giovanni Pede, «Ungala Wé», «What a Wonderful World», «Time to Say Goodbye» und ein Schlusslied – alles Klassenproduktionen. Zudem wird – noch eine Klassenproduktion – ein Kurzfilm gezeigt.

Bester Notenschnitt 5,6, beste Arbeiten mit 6,0

Die besten Prüfungsresultate erzielten Linda Graber (Gossau) und Chedlia Khamla (Uzwil) mit einem Schnitt von je 5,6. «Sagenhafte» 15,5 Differenznotenpunkte erzielten Ira-Mareike Bohne (Flawil) und Salomé Fässler (St. Gallen). Mit Bestnote 6 ihrer sFMS-Arbeiten (selbständige Fachmittelschul-Arbeit) schlossen Sarina Koller (Oberuzwil) mit «Esse roh, lebe froh?», Ira-Mareike Bohne (Flawil) mit «Virginia Woolfs Romane und die Wirkung auf mein Gestalten in Text und Fotografie» und Jana Singer (Niederuzwil) mit «Der Wald – ein Spracherlebnisraum für Flüchtlingskinder: ein Waldprojekt mit Flüchtlingskindern des Asylzentrums Landegg.»

Bei den Fachmittelschul-Arbeiten schlossen mit der Bestnote 6 ab: Chiara Kopp (Wil) mit der Arbeit «Einheimische Quarkwickel gegen kinesiologisches Tape», Svenja Rimle (Züberwangen) mit «(H)Erzfeind Sport – Körperliche Aktivität in Bezug auf das Herz» und Karin Zurbriggen (Gossau) mit «Die Auswirkungen der Fronttemporalen Demenz auf das Sozialverhalten der betroffenen Personen».

Ausweis zum Studieren auch an einer Fachhochschule

Die Maturität der Fachmittelschule mit fünf Berufsfeldern (FMS) ermöglicht den Zugang zu Höheren Fachschulen, Fachhochschulen im jeweiligen Berufsfeld und zu Pädagogischen Hochschulen. Die Berufsfelder sind dabei Gesundheit, Soziales (zum Beispiel Sozialarbeiterin), Pädagogik (Primarlehrerin, Kindergärtnerin, Sportlehrer), Gestalten (beispielsweise Bachelor of Arts in Design) und Musik (beispielsweise Musikpädagogin).

Die Maturität der Wirtschaftsmittelschule mit Schwerpunkt Sprachen (WMS) berechtigt zum prüfungsfreien Übertritt an eine Fachhochschule, unter anderem an eine für Wirtschaft oder Touristik. Die Maturität an der Wirtschaftsmittelschule mit Schwerpunkt Informatik (WMI) berechtigt zum prüfungsfreien Übertritt an eine Fachhochschule, beispielsweise an eine für Wirtschaft oder Wirtschaftsinformatik.