Mathematiker hinter der Kamera

Vier Schüler der Kantonsschule am Burggraben haben beim Kurzfilmwettbewerb von «mykonsum» den ersten Preis gewonnen. Den Gewinn wollen sie in ein besseres Equipment stecken. Denn ihre filmischen Ambitionen sind geweckt.

Sarah Schmalz
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Sie hat das Filmen gepackt: Julian Ehwald, Rafael Dätwyler, Jonas Kluckert und Sandro Lorenz (von links). (Bild: Urs Bucher)

Sie hat das Filmen gepackt: Julian Ehwald, Rafael Dätwyler, Jonas Kluckert und Sandro Lorenz (von links). (Bild: Urs Bucher)

Rafael Dätwyler, Sandro Lorenz, Julian Ehwald und Jonas Kluckert hat es gepackt. Schuld ist der Steppenwolf. Als die Kantischüler im Deutschunterricht ein Buch verfilmen mussten, entschieden sich die vier für Hermann Hesses Klassiker. Seine 300 Seiten packten die Jugendlichen in 40 «dialogreiche» Minuten. Während vier Tagen arbeiteten sie an ihrem Werk, 14 Stunden dauerte der längste Drehtag. Sie hätten wohl etwas gar viel Engagement in die Sache gesteckt, resümieren die Schüler. Doch das Filmen sei einfach ein Riesenspass gewesen.

Kopfhörer by Dr. Dre

Für ihre zweite Produktion haben die Kantischüler 730 Franken gewonnen. Auf den Kurzfilmwettbewerb der Eidgenössischen Kommission für Kinder- und Jugendfragen (EKKJ) ist der 18jährige Dätwyler von seiner Mutter aufmerksam gemacht worden. Das Preisgeld für den ersten Platz entbehre nicht einer gewissen Ironie, finden die Jugendlichen. Lief der Wettbewerb doch unter dem Motto «mykonsum».

Kritisch mit dem Konsumverhalten auseinandersetzen sollten sich die Teilnehmer. Und dafür aus fünf Unterthemen auswählen. Die St. Galler Kantischüler entschieden sich für den «Onkel aus Amerika», der seinem Neffen einen «Batzen» aus seinem Super Bowl-Gewinn zukommen lässt.

Die Story des Kurzfilms ist simpel: Um bei seinen Mitschülern gut anzukommen, kauft sich der Protagonist extrem angesagte Kopfhörer, sogenannte «Beats by Dr. Dre». Ein Handschlag, einvernehmlich cooles Kopfnicken zu schmutzigen Hip-Hop-Texten: Der ehemalige «Looser» gehört nun zur Clique der Verwegenen.

«Marken sind kein Thema»

Doch sein Glück ist von kurzer Dauer: Es hält solange, bis ihm das Mädchen seiner Träume sagt, sie halte nicht viel von Leuten, die immer den neusten Markenprodukten nachrannten. Gesagt, verkauft: Der Schüler, von Dätwyler gespielt, schreibt seine Kopfhörer und somit sein Ticket zur Welt der Coolen auf E-Bay aus.

Die vier Kantischüler schmunzeln bei der Frage, ob Marken denn auch ihre Schulwelt bestimmten. «Vielleicht die der Wirtschaftsklassen», sagt Julian Ehwald. Den «T-lern» aber hafte ohnehin das Klischee an, immer einen Taschenrechner unter der Nase zu haben. Mathematik und Physik sind die Schwerpunktfächer der vier «T-Ler», und ob man sie nun für «nerdige» Sonderlinge hält oder nicht, darum scheinen sich die Jugendlichen zu foutieren.

Beim Kurzfilmwettbewerb haben die Schüler mitgemacht, um Erfahrungen zu sammeln. Weil sie das Konsum-Thema wenig betreffe, interessiere es sie eigentlich auch nicht sonderlich. «Aber wir haben versucht, das Beste daraus zu machen.»

Ein Unhappy-End-Film

Dass daraus der erste Platz resultiert ist, hat bei den Mathematikern Ambitionen geweckt. Einen Teil des Preisgeldes wollen sie in ein besseres Equipment investieren. Und das nächste Projekt ist schon fast im Kasten. «Nächste Woche drehen wir die letzte Szene.» Einen düsteren «Unhappy-End-Film» über einen Jugendlichen Selbstmörder haben die vier gedreht. Ihn wollen die jungen Filmer beim Ostschweizer Kurzfilmwettbewerb einreichen – ist er erst einmal fertig geschnitten. Die Nachbearbeitung nehme mehr Zeit in Anspruch als das Filmen selber.

Noch haben die Schüler Zeit für ihr aufwendiges Hobby. Das letzte Kanti-Jahr sei mit Abstand das lockerste, sind sie sich einig. Doch mit dem Flohner-Leben ist im kommenden Sommer Schluss. «Wir müssen schauen, wie es dann weitergeht», sagt Jonas Kluckert. Gestern abend ging's erst einmal zur Preisverleihung nach Biel.