Mass nehmen für die Fasnacht

RORSCHACH. Die fünfte Jahreszeit steht vor der Tür und bereits sind Kostüme bei den Ausleihern Mangelware. Wer jedoch etwas Geschick und Kreativität mitbringt, kann sich eine Verkleidung gleich selber nähen – und liegt damit voll im Trend.

Fabian Fischer
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Goldgelber Satin für den Umhang: Esther Müller schneidet den Stoff für Familie Borer aus Rheineck zu. (Bild: Fabian Fischer)

Goldgelber Satin für den Umhang: Esther Müller schneidet den Stoff für Familie Borer aus Rheineck zu. (Bild: Fabian Fischer)

Es ist der Albtraum eines jeden Fasnächtlers: Die richtige Verkleidung ist noch nicht gefunden, aber im Kostümverleih hängen mittlerweile nur noch Restposten. Keine Bange – mit etwas Geschick, Stoff und dem richtigen Schnittmuster kann man sich ein Kostüm selber nähen.

Zugegeben – ganz so einfach ist es dann doch nicht, findet auch Esther Müller von der Mercerie Alja Nouveau in Rorschach: «Man sollte schon wissen, wie man beispielsweise einen Stoff zuschneidet.» Aber wer sich noch ein wenig an den Handarbeitsunterricht erinnern könne, sollte auch mit einem Schnittmuster zurechtkommen. «Darin ist alles Schritt für Schritt beschrieben.» Und zur Not, erklärt sie, könne man auch kurz im Laden vorbeikommen, um sich Unterstützung zu holen: «Wir geben gerne ein paar Tips und helfen weiter, wenn etwas nicht klappt.»

Einfach und preiswert

Tatsächlich kämen – nebst vielen Profis, wie etwa Handarbeitslehrkräften – oft auch Anfängerinnen und Anfänger ins Alja Nouveau, erzählt Esther Müller. Schon ab 30 Franken bekomme man genügend Stoff, um sich ein einfaches, aber schönes Kostüm selbst zu nähen. Dabei zeigt sie Schnittmuster für ein Mönchsgewand oder ein Tänzerinnen-Outfit aus tausendundeiner Nacht. Auch ein tragbares Bärenfell, ein Clown- oder ein Vampir-Kostüm könne man relativ einfach und günstig selbst herstellen.

Wenn man das Kostüm allerdings noch verzieren oder viele unterschiedliche Stoffe verwenden wolle, könne es dann doch etwas teurer werden, verrät Esther Müller. Die ausgefallensten Verkleidungswünsche hätten jeweils die Guggenmusiker, hinter deren Kostümen oft ein grosser Aufwand stecke, was schnell ganz schön ins Geld gehen könne.

In der Fasnachtszeit sei der Andrang aber nicht viel grösser als sonst. Allerdings würden schon spezielle Stoffe gekauft, die man für Verkleidungen verwenden könne und das Sortiment müsse immer auf die jeweilige Jahreszeit abgestimmt sein. «Gefragt sind vor allem Satinstoffe, aus denen man etwa Prinzessinnen-Kleidchen schneidern kann. Aber auch Baumwollstoffe werden häufig gekauft, oder Tierfell-Imitationen mit den unterschiedlichsten Mustern.»

In der Mercerie könne man Kostüme selbstverständlich auch ändern lassen – einen richtigen Näh-Service gebe es aber nicht. «Dazu fehlen uns leider die Kapazitäten», meint Esther Müller. Nur in Ausnahmefällen könne man die gekauften Stoffe für die Kunden auch noch verarbeiten.

«Kämifäger» und Superhelden

Selber Nähen ist also angesagt – und den Kunden gefällt es. Zum Beispiel Christa Egger aus Rorschacherberg, die einen schwarzen Baumwollstoff für ein «Kämifäger-Jäckli» kauft. «Es ist das erste Mal, dass ich für mein Enkelkind ein Kostüm nähe, aber früher habe ich schon für die eigenen Kinder jeweils Fasnachtskostüme hergestellt. So kommt es auch günstiger, als wenn man sie kaufen muss. Ich nähe eigentlich sehr gerne, leider fehlt mir aber oft die Zeit dazu.»

Oder Corine Borer, die mit ihren beiden Mädchen Ailine und Vivienne einen goldgelben Satinstoff aussucht: «Daraus schneidere ich ein Cape, eine Art Umhang, für meinen Mann. Er und seine Kollegen gehen als Superhelden an die Beizen-Fasnacht», erzählt sie und schmunzelt. Sie selbst und die Kinder werden sich als Hippies verkleiden.

Individuelles Kostüm

Und warum soll man sich so ein Kostüm nicht einfach ohne viel Aufwand ausleihen? «Weil es so viel individueller ist», sagt Esther Müller. «Man kann sich die schönsten Stoffe aussuchen und genau das verwirklichen, was man sich vorgestellt hat. Und schliesslich muss man das Kostüm nicht zurückbringen – es gehört einem ganz allein.»

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