Marktplatz: Da läuft alles schief

Das, was derzeit zum Thema «Marktplatz» läuft, darf nicht unwidersprochen bleiben. Ich gratuliere unseren Stadtmüttern und Stadtvätern sowie den «Killern» der ersten Marktplatz-Vorlage.

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Das, was derzeit zum Thema «Marktplatz» läuft, darf nicht unwidersprochen bleiben. Ich gratuliere unseren Stadtmüttern und Stadtvätern sowie den «Killern» der ersten Marktplatz-Vorlage. Die jetzige Vorlage ist an Visionen und hervorragenden Gestaltungsideen nicht mehr zu überbieten: Sie ist mutig und entspricht dem Slogan. «St. Gallen kann es!» Frage ist nur, was denn St. Gallen kann oder könnte?

Jedenfalls bleibt man mit den neuen Vorschlägen zum Marktplatz der Schifflistickermentalität treu, und das ist doch wirklich mutig und bemerkenswert. Die von privaten Investoren offerierte Schibenertor-Tiefgarage wird abgelehnt. Wunderbar. Die einzige Möglichkeit für die Gewerbetreibenden konkurrenzfähig zu den Einkaufszentren zu sein. Man schätzt doch kurze Einkaufswege und ist kaum bereit, schwere Taschen und Geräte über St. Mangen in die aufgestockte Parkgarage UG 24 zu schleppen. Also entschliesst man sich für die Einkaufszentren Gallusmarkt, Säntispark, Shopping-Arena. Dort lässt sich problemlos parkieren. St. Gallen könnte es: nämlich dazu beitragen, dass die Stadt zum Einkaufen animiert.

Stadträtin Elisabeth Beéry weiss scheinbar, wie sich die Einkaufsgewohnheiten verändert haben. Seit wann ist sie im Besitz dieser Weisheit. Jedenfalls war in der ersten Vorlage nichts dergleichen zu lesen. Frischprodukte sind mehr und mehr gefragt (siehe Bauernmarkt). Mutig der Entscheid, auf die Markthalle zu verzichten, denn alles Neue wird in St. Gallen prophylaktisch meistens abgelehnt. Eine weitere Annäherung an die verknorzten Verhinderer der ersten Vorlage. Dabei könnte man eine Markthalle als Zentrum, als Treffpunkt und zugleich Ausgangspunkt für das Flanieren durch die Marktangebote und die Altstadt verstehen.

Da war doch vor Jahren eine erste Idee, nämlich der Marktstand «Klipp klapp», der den Marktplatz wesentlich prägte? Eine Fehlinvestition sondergleichen, und seither passierte nichts mehr. Jetzt verlässt man sich auf die Politik der kleinen Schritte und versucht, den Ewiggestrigen entgegenzukommen. Ich gratuliere und hoffe auf einige Mitglieder des Stadtparlaments mit unpopulären Ideen. Trotz bevorstehender Wahlen! Es wird doch sicher noch Gestaltungsprojekte geben, die unserem Stadtzentrum ein Gesicht mit Ausstrahlung geben könnten. Das neu gestaltete Klosterviertel ist ein hervorragendes Beispiel. Und zur Beruhigung der Ur-St. Galler: Die Calatrava-Halle kann bleiben, aber über die Bushaltestelle Richtung Westen ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Ich zweifle nicht daran, dass mit einem Kreativkurs für unsere Stadtmütter und Stadtväter versteckte Begabungen aktiviert werden könnten. Den Anfang haben sie ja bereits gemacht (allerdings in die falsche Richtung).

Heinz Müller

Haselstrasse 15b, 9014 St. Gallen