Marktführer – und keiner weiss es

Die St. Galler Firma Adcubum hat sich beinahe unbemerkt zum schweizweit führenden Anbieter von Versicherungssoftware gemausert – und sucht dringend Nachwuchs: Über zwanzig qualifizierte Fachleute fehlen derzeit.

Adrian Vögele
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St. Gallen. Was ist Adcubum? Der eine oder andere wird sich die Frage schon gestellt haben, beim Vorbeifahren am orangen Firmengebäude an der Rorschacherstrasse in St. Gallen Ost. Dabei hat er oder sie womöglich mehr mit dem Unternehmen zu tun als angenommen: «Bald wird mindestens jeder zweite Schweizer eine Versicherung haben, die mit unserer Software verarbeitet wird», sagt CEO Richard Heinzer.

Akuter Mangel

In gerade einmal elf Jahren ist die St. Galler Firma zum Schweizer Branchenführer im Bereich Versicherungssoftware aufgestiegen – «völlig abseits der Öffentlichkeit», wie Heinzer bemerkt – und wächst nach wie vor rasant (siehe Kasten). Die Folge: Adcubum braucht dringend Nachwuchs. Über hundert Personen beschäftigt das Unternehmen derzeit, über 25 fehlen noch – darunter Softwareingenieure, Wirtschaftsinformatiker, Projektmanager et cetera. Qualifizierte Fachleute zu finden sei schwierig, sagt Personalchefin Erika Bünzli.

«Aus 50 Bewerbungen auf unsere Stelleninserate ergeben sich zum Schluss etwa zwei Anstellungen.» Der Mangel ist akut: Adcubum-Mitarbeiter, die erfolgreich einen neuen Kollegen oder eine neue Kollegin anwerben, erhalten 3000 Franken Prämie, und selbst der CEO persönlich ist sich nicht zu schade für die Personalsuche: «Manchmal spreche ich auch fremde Leute im Zug an, wenn ich den Eindruck habe, sie könnten zu uns passen.»

«Branche gilt als langweilig»

Gründe für die harzige Rekrutierung gibt es viele: So zahlt Adcubum laut Bünzli sehr gute Löhne, verlangt dafür aber auch einiges: «Viele Bewerber überschätzen sich, was die fachlichen Anforderungen betrifft.» Weil das Personal bei Adcubum sowohl in der IT- wie in der Versicherungsbranche agiert, müssen sich Neulinge in beiden Bereichen zurechtfinden können. Keine einfache Ausgangslage: Die Informatikbranche habe generell ein Nachwuchsproblem, sagt Heinzer.

Sie wirke auf die junge Generation mitunter abschreckend, weil sie hohe Leistungsbereitschaft fordere. «Und Versicherungen gelten einfach als langweilig. Die Branche schafft es nicht, die Jungen für ihr Wirken zu faszinieren.» Dabei ist Informatik im Versicherungswesen nach Ansicht des CEO enorm spannend: «Hier geht es um die Information an sich – sie ist das primäre Gut.»

Keine Routinejobs

Dazu kommt ein hausgemachtes Problem: «Der Name Adcubum ist zu wenig bekannt», sind sich die Verantwortlichen einig. Zwar könne das KMU Berufseinsteigern kein Trainee-Programm in vier Ländern anbieten wie vielleicht ein Grossunternehmen, dafür habe es andere Pluspunkte: «Es gibt kaum Routinejobs bei uns. Wir bilden die Mitarbeiter ständig weiter, ermöglichen ihnen Rotationen.

Zudem herrscht ein angenehmes Klima, alle sind per Du – Hierarchien spielen bei uns keine vordergründige Rolle», führt Mediensprecher Fredy Haag an. Man lege besonderen Wert darauf, Leute zu finden, die in dieses Klima passen.

Ostschweizer Wurzeln bleiben

Nicht zuletzt deshalb ist Outsourcing bei Adcubum kein Thema. «Wir tragen Verantwortung gegenüber dem Werkplatz Schweiz», hält Heinzer fest.

Ganze Bereiche ins Ausland auszulagern, wie dies in der IT-Branche oft vorkommt, ist für ihn nicht vorstellbar. Glücklicherweise stehe hinter Adcubum eine Investorengruppe, die nicht nur auf den Aktienkurs schaue, sondern langfristige Pläne habe. «Auch das ist ein wichtiger Faktor bei der Personalsuche.» Langfristiges Denken entspricht laut dem CEO auch dem Produkt, das die Adcubum herstellt: «Wir entwickeln Software, die 15 bis 20 Jahre lang im Einsatz ist.» Ein guter Grund, sich Bewerber genau anzusehen.

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