«Marketing ist Chefsache»

GOSSAU. Die Standortmarketing-Organisation soll aufgelöst werden und ihre Aufgaben der Stadt übertragen. In diesem Punkt sind sich Gossaus Wirtschaftsverbände und Parteien einig.

Rafael Rohner
Drucken
Teilen
Gossaus schöner Stadtkern macht Werbung für sich. Doch wie viel Geld für das Standortmarketing ausgeben? Die Parteien sind sich uneinig. (Archivbild: Urs Jaudas)

Gossaus schöner Stadtkern macht Werbung für sich. Doch wie viel Geld für das Standortmarketing ausgeben? Die Parteien sind sich uneinig. (Archivbild: Urs Jaudas)

Die Standortmarketing- Organisation (SMO) wurde in den vergangenen Jahren immer wieder zum Spielball der Politik. Insbesondere die SVP kritisierte die Organisation teilweise lautstark: 200 000 Franken jährlich sei zu viel Geld für Standortmarketing, argumentierte die Partei.

Im März haben der Leiter der SMO, Max Nadig, und der Präsident der SMO-Lenkungsgruppe, Daniel Lehmann, ihre Rücktritte per Ende Jahr angekündigt (Ausgabe vom 23. März). Nach eigenen Angaben nicht aufgrund der laut gewordenen Kritik. Knapp drei Monate nach dieser Bekanntgabe ist die Diskussion über den Aufgabenkatalog und die Organisationsform der SMO lanciert.

Nur in einem Punkt einig

Die beiden Gossauer Wirtschaftsverbände und Träger der SMO, die Handels- und Industrievereinigung (HIG) sowie der Gossauer Gewerbeverein, wollen das Standortmarketing in die Stadtverwaltung eingliedern. Wie das in der Stadt St. Gallen seit längerem Praxis ist (Kasten).

Der Vorschlag kommt bei den Gossauer Parteien gut an. «Die Wirtschaftsverbände zielen mit dieser Idee in die richtige Richtung», sagt CVP-Präsident Stefan Häseli. «Standortmarketing ist Chefsache», ergänzt SVP-Präsident Markus Rosenberger. Es sei deshalb sinnvoll, die Wirtschaftsförderung in die Verwaltung einzugliedern. Dem stimmen FDP, Flig, und SP zu. Allerdings mit völlig unterschiedlichen Motiven. SVP und FDP sehen in erster Linie Sparpotenzial, während Flig, SP und CVP davor warnen, die Integration des Standortmarketings in die Stadtverwaltung als reine Sparmassnahme zu verstehen. «Kosteneinsparungen können damit nicht erwartet werden», sagt etwa Flig-Präsident Stefan Harder.

«Es braucht mehr Personal»

Dieser Meinung sind auch die Wirtschaftsverbände. «Die Aufgaben der SMO sollten weiterhin wahrgenommen werden», sagt Daniel Lehmann, Präsident des Gossauer Gewerbevereins. «Gratis geht das nicht.» Das sieht SP-Präsident Ruedi Blumer ebenso: Ohne mehr Personal sei die Eingliederung der Marketingaufgaben nicht möglich. Anderer Meinung ist die SVP. Die Stadt könne die Aufgaben der SMO auch mit bestehenden Ressourcen bewältigen, wie SVP-Präsident Markus Rosenberger sagt. «So können die jährlichen Kosten um zwei Drittel reduziert werden.»

Kosten erneut diskutieren

Die Frage, wie viel Geld die Parteien dem Standortmarketing zur Verfügung stellen wollen, müsse nun eben einmal mehr im Parlament diskutiert werden, sagt Stadtpräsident Alex Brühwiler. «Erst dann sollte über eine neue Organisationsform entschieden werden.» Der Stadtrat werde «voraussichtlich» eine entsprechende Vorlage ausarbeiten.

Aktuelle Nachrichten