Maria Pappa düpiert Patrizia Adam

Im zweiten Wahlgang für den Stadtrat hat sich Maria Pappa gegen die bisherige Baudirektorin Patrizia Adam durchgesetzt. Ihr Vorsprung betrug 175 Stimmen.

David Gadze
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Ausgelassener Jubel auf der einen Seite, kollektives Erblassen auf der anderen. Als gestern um Punkt 14.30 Uhr im «Waaghaus» das Resultat des zweiten Wahlgangs für den fünften und letzten Sitz im St. Galler Stadtrat verkündet wird, könnte die Stimmung in den beiden Lagern nicht unterschiedlicher sein: Hier Stadtparlamentarierin Maria Pappa, die für die SP soeben den zweiten Sitz im Stadtrat geholt hat. Da die bisherige Baudirektorin Patrizia Adam (CVP), die nach einer Amtszeit von vier Jahren abgewählt wird. Viele hatten vermutet, dass das Rennen eng werden könnte. Letztlich geben bloss 175 Stimmen den Ausschlag für Pappa und gegen Adam, die im ersten Wahlgang ihre Kontrahentin noch um über 1000 Stimmen überflügelt hatte und im zweiten um fast 500 Stimmen zulegte.

Patrizia Adam fühlt sich leer

«Ich fühle mich leer», sagt Patrizia Adam wenige Minuten nach der Verkündung des Resultats. Gerne hätte sie gestern doppelte Gratulationen entgegengenommen – sie feierte ihren 54. Geburtstag. Die abgewählte Baudirektorin wirkt im Moment der Niederlage jedoch nicht niedergeschlagen, sondern vielmehr gefasst. «Das ist eben Demokratie. Damit muss man rechnen und umgehen können.»

Sie habe kein schlechtes Gewissen, während ihrer vierjährigen Amtszeit zu wenig gemacht zu haben, antwortet sie auf die Frage nach den Gründen für ihre Abwahl. «Im Gegenteil. Ich konnte aber wohl vieles nicht gut verkaufen.» Sie bedaure es, die Projekte, die sie in den vergangenen vier Jahren begonnen habe, nicht zu Ende führen zu können, sagt Adam. Vor allem die Weiterentwicklung des Gebiets Bahnhof Nord, über die der Stadtrat Anfang 2017 entscheiden wird, hätte sie gerne fortgeführt. «Gerade jetzt wird es richtig spannend.» Dasselbe gelte für die Neugestaltung von Marktplatz, Bohl und Blumenmarkt. Nachdem das Stimmvolk den unter ihrer Führung ausgearbeiteten zweiten Anlauf bachab geschickt hatte, hätte Patrizia Adam gerne diesmal reüssiert. Daraus wird nun nichts. Ganz aus der Politik verabschieden wird sie sich allerdings nicht. «Jetzt habe ich wenigstens mehr Zeit für die Arbeit im Kantonsrat.»

Grosse Erleichterung bei Maria Pappa

«Ich kann es noch gar nicht richtig fassen», sagt hingegen eine sichtlich bewegte Maria Pappa unmittelbar nach ihrem Wahlsieg. Sie sei nun «einfach erleichtert», dass der Wahlkampf vorbei und es klar sei, wie es nun weitergehe. Es sei ein «rechter Kampf» gewesen, er habe sich aber gelohnt. Für ihren Erfolg seien verschiedene Faktoren ausschlaggebend gewesen, vor allem die unermüdliche Basisarbeit. Den langen Wahlkampf habe sie immer positiv erlebt. Sie habe aus der Bevölkerung viele positive Rückmeldungen bekommen, obwohl sie an den öffentlichen Auftritten und an den Podien gemerkt habe, dass ihr in verschiedenen Themen das Fachwissen fehle, das ihr eine amtierende Stadträtin voraus habe. «Mein Auftreten und meine Art, auf die Leute zuzugehen, haben die Wähler überzeugt. Ich denke, dass das den Ausschlag gegeben hat», sagt die 45-Jährige, die seit vier Jahren im Stadtparlament sitzt.

Ob sie nun hoffe, dass Markus Buschor die Baudirektion übernehme und so für sie den Weg in die Schuldirektion frei mache, wollte Pappa gestern nicht sagen. «Ich habe von Anfang an betont, dass ich für das Gremium und nicht für eine bestimmte Direktion kandidiere.» Ihren Wunsch werde sie an der konstituierenden Sitzung vom Donnerstag (siehe Zweittext) kundtun.