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Marc Zellweger – das Leben ohne Fussball

Am Telefon meldet er sich mit «Marc». Nicht mit Zellweger und auch nicht mit Zelli. Denn in den Fitnesszentren von Update duzen sich Mitarbeiter wie Kunden. «Ausser jemand legt Wert auf die Höflichkeitsform», sagt Marc Zellweger, der Leiter der neuen Filiale an der Industriestrasse in Rorschach.
Fredi Kurth
Von der Fussball-Arena ins Fitness-Zentrum: Marc Zellweger an seinem neuen Arbeitsplatz in Rorschach. (Bild: Ralph Ribi)

Von der Fussball-Arena ins Fitness-Zentrum: Marc Zellweger an seinem neuen Arbeitsplatz in Rorschach. (Bild: Ralph Ribi)

Am Telefon meldet er sich mit «Marc». Nicht mit Zellweger und auch nicht mit Zelli. Denn in den Fitnesszentren von Update duzen sich Mitarbeiter wie Kunden. «Ausser jemand legt Wert auf die Höflichkeitsform», sagt Marc Zellweger, der Leiter der neuen Filiale an der Industriestrasse in Rorschach.

Die lockere Atmosphäre scheint auf ihn abgefärbt zu haben. Der «Fussballgott» des FC St. Gallen, wie er von seinen Fans gerufen wurde, legt entspannt den Arm um eine Stuhllehne und spricht frohgemut über sein Leben fast ohne Fussball. Der Schritt vom Vollprofi in den Alltag danach ist für viele Sportler nicht einfach. Zellweger indessen macht gut drei Jahre nach dem Abschied vom FC St. Gallen den Eindruck, die Klippe übersprungen zu haben.

Zwei Jahre geschnuppert

Zwei Jahre gab er sich Zeit, um die Möglichkeiten zu sondieren. In der Event AG der AFG Arena durfte er in der Administration schnuppern, desgleichen über einen Sympathisanten des SC Brühl in einer Event Agentur in Zürich. Parallel dazu liess er sich in der Schule für Fitness-Instruktoren ausbilden. «Dabei habe ich gemerkt, dass ich nicht fünf Tage in der Woche in einem Büro sitzen möchte», sagt Zellweger

Er war gelernter Elektriker, als er im Alter von 21 Jahren auf dem Espenmoos Fussballprofi wurde. Ein Handelsdiplom und ein Fernstudium in Sportmarketing brachte er nach der Laufbahn als weitere Referenzen mit. Entscheidend war das Angebot von Michael Ammann, dem Update-Chef, in dessen Schule er das Zertifikat von Schweiz Sport Bildung (SSB) erwarb: Zellweger soll in Rorschach den 15. Standort der Fitnesskette leiten. Schon ein halbes Jahr vor der Eröffnung spannte ihn Ammann ein, so dass Zellweger von Anfang an mit dem Unternehmen vertraut wurde. Über hundert schwere Geräte für das Krafttraining wurden aus England auf den Parkplatz transportiert. «Hineintragen mussten wir sie selber», sagt Zellweger, der immer wieder mal mit seinem typischen, tiefgründigen Schalk überrascht.

Fussballgott wird Fitnesspapst

Muss ein bestandener Fussballprofi überhaupt noch in Fitness instruiert werden? «Wichtig war für mich, die physischen Hintergründe kennenzulernen. Ich muss dem Besucher nicht nur erklären, wie, sondern auch, warum er gerade dieses Gerät benützen soll», sagt Marc Zellweger.

Vom Fussballgott zum Fitnesspapst: Eigentlich passen solche Ausdrücke gar nicht zu diesem stets bescheidenen Menschen, der das Rampenlicht eher mied, als suchte. Sein Arbeitsplatz im ehemaligen Raum der Fachhochschule ist allerdings von überwältigender Grösse. Er strahlt trotz der optisch bizarren Sportgeräte (früher wurden Fitnessräume als Folterkammern bezeichnet) angenehme Atmosphäre aus. Zellweger ist in einem Teilzeitverhältnis von 80 Prozent angestellt. Knapp die Hälfte davon arbeitet er als Fitnesstrainer, sonst in der Administration. Ihm unterstellt sind fünf Mitarbeiter mit Voll-und Teilpensen. Ein St. Galler Sportarzt hat sich dort zudem mit zwei Physiotherapeuten eingemietet.

In acht Monaten 1000 Abos

Es laufe nicht schlecht, sagt Zellweger. Leicht untertrieben? Innerhalb von acht Monaten haben sich in der Rorschacher Filiale 1000 Abonnenten angemeldet. Inwiefern die Popularität Zellwegers die Nachfrage fördere, sei schwierig zu eruieren, sagt er, dass ihn viele vom Fussball her kennen, aber sicher ein Vorteil. Seine seriöse, unaufgeregte Art dürfte in dieser Branche ebenfalls nützlich sein.

Fussballtrainer zu werden stand für ihn nie zur Debatte. «Diese Aufgabe ist mit einem Zigeunerleben verbunden», sagt Marc Zellweger, dem häufiger Wechsel ein Greuel war. So hat er stets in Winterthur gelebt, auch nach dem Wechsel vom FC Seuzach aufs Espenmoos. Ein zehnmonatiger Abstecher zum 1. FC Köln im Jahr 2001 sollte sich als Missverständnis erweisen, obwohl er für den Bundesligisten 13 Wettbewerbsspiele absolvierte und als Verteidiger drei Tore erzielte. Aber Trainer Friedhelm Funkel, der bald Nachfolger von Ewald Lienen wurde, war ihm nicht gut gesonnen.

Berufshalber ist Zellweger nun doch umgezogen. Er wohnt mit seiner langjährigen Freundin in Rorschacherberg.

Nie vom Platz gestellt

Zellwegers Verdienste um den FC St. Gallen (517 Spiele, einmal Schweizer Meister) und zuletzt SC Brühl sind in bester Erinnerung. Der Verteidiger begann als Stürmer und spielte auf allen möglichen Positionen. Sogar als Torhüter musste er zweimal einspringen und wehrte gegen YB einen Penalty ab. Er wurde nie des Feldes verwiesen und sah auch nie Gelb-Rot. Beim 3:11 des FC St. Gallen in Wil, wo er nach der Rückkehr aus Köln zehn Monate spielte, war er nicht «schuld»: Er war gesperrt. Auch 13 Länderspiele stehen auf seinem Palmarès.

Zellweger wurde zum beliebtesten Spieler des Vereins, zumindest der jüngsten Vergangenheit. Im «Espen»-Block wachen die Fans darüber, dass das eingerahmte Leibchen mit der legendären Nummer 17 nicht gestohlen wird.

Zellwegers Matchtip: St. Gallen – Sion 2:1 (So, 13.45 Uhr, Arena).

Marc Zellweger als Spieler des FC St. Gallen in einer Aufnahme vom 1. Juni 1997. (Bild: Michel Canonica)

Marc Zellweger als Spieler des FC St. Gallen in einer Aufnahme vom 1. Juni 1997. (Bild: Michel Canonica)

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