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MANEGE FREI: Premiere des Circus Knie in St.Gallen: "Das ist der Hammer!"

Mit dem Programm "Formidable" findet der Nationalzirkus bei der St.Galler Premiere ein begeistertes Publikum. Zu Recht, denn es entsteht ein rundes Ganzes. "Knie" gastiert noch bis kommenden Mittwoch auf dem Spelteriniplatz im St.Galler Museumsquartier.
Rolf App
Vollkommene Geschöpfe, an der St.Galler Premiere aber teilweise ziemlich nervös: Die Pferde der Nummer von Ivan Frederic Knie. (Bild: Melanie Duchene/KY)

Vollkommene Geschöpfe, an der St.Galler Premiere aber teilweise ziemlich nervös: Die Pferde der Nummer von Ivan Frederic Knie. (Bild: Melanie Duchene/KY)

Der Zirkus ist auch deshalb unsterblich geworden, weil er ein Spiel mit der Unvollkommenheit ist. Wenn wir Artisten bewundern für das, was sie können, dann sind wir uns unserer Grenzen bewusst. Niemals könnten wir, wie dieser spindeldürre Alexandr Batuev, uns derart zusammenlegen, dass wir am Ende in eine Kiste passen.

Und auch die Kühnheit, mit der die Fratelli Errani und der Spicy Circus durch die Luft wirbeln, ist uns nicht gegeben. Schliesslich: Wer kann schon mit diesen Pferden mithalten, den vielleicht vollkommensten Geschöpfen dieser Erde? Wie ein Traum stehen sie in jener Manege, über welcher der Circus Knie am Spelteriniplatz sein grosses Zelt errichtet hat. Der Applaus, der an der Premiere vom Mittwochabend immer wieder aufbrandete, galt dem Unwahrscheinlichen, das da vor den Augen des Publikums geschah.

Zaubertrick mit Tollpatsch

Clowns und Komiker finden im Auseinanderklaffen von Realität und Ideal reiches Material. Dustin Nicolodi bringt als Zauberer Coperlin die grellbunte Scheinwelt von Las Vegas ins Chapiteau – und zerstört sie mit traumwandlerischem Timing gleich selbst, indem er seine Tricks immer wieder verrät. "Oh, ich habe den Richtigen gefunden", sagt Coperlin, als er aus dem Publikum wieder einmal einen herausgepflückt hat, dem noch mehr entgeht als dem Durchschnittszuschauer. Da kann man nur einen weiteren von Coperlins Spässen zitieren (ohne ihn hier zu verraten): "Das ist der Hammer!"

Auch Helga Schneider, selbst ernannte Queen of Comedy, wandelt auf dem schmalen Grat zwischen luftiger Illusion und dem Blick in den Spiegel. Letzterer verrät ihr: Sie ist 53, steckt brutal in den Wechseljahren, eine "Zwetschge im Speckmänteli", und sollte sich ihre Träume eigentlich abschminken. Besser eingepasst ins Gesamtprogramm als noch bei der Rapperswiler Premiere vor der Tournee und gemässigter in ihrem zuweilen etwas derben Humor, macht sie sich lustig über sich selber – und träumt dann weiter. Vom grossen Auftritt und von ewiger Jugend.

Artisten fliegen aus der Höhe ins Wasser

Ja, wer hätte nicht solche Träume? Doch kopflastig will der Zirkus ja nicht sein. Im Gegenteil. Hier regiert der Bauch, hier regieren grelle Töne, Tempo, Rhythmus. Tempomacher ist immer wieder das Circus-Theater Bingo, und zu Höhepunkten der Begeisterung treiben Artisten wie die aus der Höhe ins Wasser fliegende Laura Miller oder die beiden Kraftbündel von 2-Zen-O an ihren Ringen.

Dann aber schlägt die Stimmung um. Acht Grazien aus Russland fliegen in fliessenden Bewegungen von Schaukelbrett zu Schaukelbrett, als wäre es nichts. Franco, Linna und Chris Rui Knie lassen lustig blinkende Drohnen steigen. Die siebenjährige Chanel Marie Knie präsentiert zwei Lamas, Tiere von flauschiger Anmut, die ebenso unseren Sinn fürs Poetische wecken wie jene prachtvollen Pferde, die im ersten Teil Ivan Frédéric Knie und im zweiten Maycol Errani in schönen, fliessenden Nummern dirigieren.

Hier ist es wieder, das Vollkommene. Aber im Vollkommenen steckt das Unvollkommene. Denn die Pferde sind ungewöhnlich nervös an diesem Abend. Sie sind, was wir alle sind: lebendige Wesen mit einem eigenen Willen.

St.Galler Vorstellungen
Fr: 20 Uhr. Sa: 13.30, 17.00 und 20.30. So: 10.30, 14.30 und 18.00. Mo und Di: 20.00. Mi: 15.00.

Ivan Frederic Knie und seine Pferde. (Bild: Melanie Duchene/KY)

Ivan Frederic Knie und seine Pferde. (Bild: Melanie Duchene/KY)

Die Artistin Laura Miller experimentiert auf der 100. Tournee des Circus Knie mit Luft und Wasser. Die Familie Knie tritt diesmal zusammen mit 38 Artisten aus zehn verschiedenen Nationen auf. (Bild: Melanie Duchene/KY)

Die Artistin Laura Miller experimentiert auf der 100. Tournee des Circus Knie mit Luft und Wasser. Die Familie Knie tritt diesmal zusammen mit 38 Artisten aus zehn verschiedenen Nationen auf. (Bild: Melanie Duchene/KY)

Chris Rui Knie in einer ungewöhnlichen Nummer mit Flugdrohnen.

Chris Rui Knie in einer ungewöhnlichen Nummer mit Flugdrohnen.

Nach eigenen Angaben eine "Zwetschge im Speckmänteli": die Komikerin Helga Schneider. (Bild: Melanie Duchene/KY)

Nach eigenen Angaben eine "Zwetschge im Speckmänteli": die Komikerin Helga Schneider. (Bild: Melanie Duchene/KY)

Alexandr Batuev kann sich selber so zusammenlegen, dass er in einer Kiste Platz hat. (Bild: Melanie Duchene/KY)

Alexandr Batuev kann sich selber so zusammenlegen, dass er in einer Kiste Platz hat. (Bild: Melanie Duchene/KY)

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