Manch ein Problem ist verraucht

Dem Gastgewerbe scheint es ein wenig besser zu gehen. Die Stadt biete günstigere Voraussetzungen als früher, sagt René Rechsteiner, Präsident von Gastro Stadt St. Gallen, an der Hauptversammlung in der «Kronen»-Lounge.

Fredi Kurth
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«Nur das nicht»: Baubewilligungen für Gartencafés wären verpönt. (Archivbild: Trix Niederau)

«Nur das nicht»: Baubewilligungen für Gartencafés wären verpönt. (Archivbild: Trix Niederau)

Ein Jahr erst ist vergangen, da rüstete sich die Stadtsanktgaller Gastronomie für das verschärfte Rauchverbot. Ihr Präsident René Rechsteiner musste den Mitgliedern Mut zusprechen. Sie sollen innovativ bleiben, nach dem Motto «No risk, no fun». Doch nun scheint man sich mit dem Passivraucher-Schutz einigermassen abgefunden zu haben. «Das Gesetz ist auch nicht nach meinem Geschmack», sagte Rechsteiner in seinem Jahresbericht, «aber es war ein klarer Entscheid des Volkes. Darum müssen sich alle daran halten.» Just darin liegt aber noch einiges im Argen, weshalb Rechsteiner an die Fairness appellierte. «Wir wollen doch für alle den gleichen Wettbewerb.»

Lobrede als Brandrede

Vor einigen Jahren noch habe man in der Stadt den verlorenen Tugenden nachgetrauert. Jetzt habe sich alles ins Positive verkehrt. Nun setze St. Gallen auf Kreativität und Modernität. Es sei ein wahres Vergnügen, durch die Stadt und deren Gassen zu spazieren. Nicht nur die Auswahl der Beizen verlocke dazu. «St. Gallen ist auch eine Stadt der Kultur mit vielen Facetten.» Rechsteiner erwähnte weiter das stets erweiterte öV-Netz, das Shopping-Center der AFG Arena, die Uni, die Empa. «All diese Institutionen bedeuten auch eine absolute Aufwertung der Gastronomie in St. Gallen», sagte Rechsteiner.

Auf kämpferische Art widersprach er damit Aussagen des Raumökonomen Alain Thierstein, wonach die Stadt St. Gallen bei der Raum- und Wirtschaftsentwicklung «auf der faulen Haut» gelegen habe.

Musikfest als Chance

Von den erwähnten Vorzügen könne auch St. Gallens Gastronomie profitieren. Falls Rechsteiners Temperament ansteckend wirkt, dürfte dies bereits während des Eidgenössischen Musikfestes der Fall sein. Degustieren, schlemmen soll auf der Festmeile möglich sein. Im übrigen appellierte er, in nach wie vor «stürmischen Zeiten» alternative Wege zu suchen. Der Kunde sei nach wie vor König, und der könne sich zum Beispiel schon bei einem passenden Ambiente wohl fühlen.

Das Vertrauen in René Rechsteiner und seine Vorstandsmitglieder scheint bereits vorhanden zu sein. Alle wurden mit Applaus bis 2014 wiedergewählt. Und einer Erhöhung des Mitgliederbeitrags von 100 auf 130 Franken wurde diskussionslos zugestimmt.

Baubewilligung für Gartenbeiz?

Die Gastronomie hat Gewicht in der Stadt St. Gallen. Das wird jeweils belegt durch zahlreiche Prominenz aus Politik und Verwaltung an der HV. Nicht weniger als vier Redner wandten sich in der Kronen-Lounge des Paul-Grüninger-Stadions an die 31 Mitglieder und diversen Gäste.

Kantonsratspräsident Walter Locher bangte um die Freiheiten bei den Öffnungszeiten, die nun scheibchenweise und durch einen Bundesgerichtsentscheid wieder beschnitten werde. Und man solle sich hüten, nun auch noch wie andernorts eine Baubewilligung für Strassencafés einzuführen. Das würde eine Flut von Bewilligungsverfahren auslösen. «Es gibt Cafés, wo sie Sinn macht, aber für ein paar Stühle und Tische am Trottoirrand braucht es im Normalfall bestimmt keine Baubewilligung», sagte Locher. Winterthur machte mit einer Winterbewilligung (nomen est omen) bereits unliebsame Erfahrungen.

Josef Müller, Kantonalpräsident von Gastro St. Gallen, lobte derweil beim Rauchverbot «die beste Bestimmung», gemäss derer für Lokale, in denen ein Mitgliederbeitrag bezahlt werden muss, ebenso Rauchverbot gilt.