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Man nennt ihn die Schweizer Uhr

FREIDORF. Beat Knechtle ist Arzt und Ausdauerathlet. Einen Triathlon zu bewältigen reicht ihm nicht. Er macht ihn dreimal oder auch zehnmal hintereinander. Übernächste Woche stellt er sich in den USA erneut einem extrem harten Wettkampf.
Martin Preisser
Beat Knechtle beim Start zum täglichen Training vor der Arbeit: Zum Beispiel einmal Freidorf–Altstätten und retour in drei Stunden. (Bild: Reto Martin)

Beat Knechtle beim Start zum täglichen Training vor der Arbeit: Zum Beispiel einmal Freidorf–Altstätten und retour in drei Stunden. (Bild: Reto Martin)

Der Dreifach-Ultra-Triathlon, den Beat Knechtle Anfang Oktober in Virginia absolviert, heisst in nackten Zahlen: 11,4 Kilometer Schwimmen, 540 Kilometer Radfahren und 126,6 Kilometer Laufen. Am Stück und mit dem Ziel unter vierzig Stunden zu bleiben. Unter den Mehrfach-Triathleten ist der Freidorfer Allgemeinmediziner ganz vorne dabei, in einem kleinen Grüppchen von weltweit vielleicht hundert Top-Sportlern.

Er hat sein Leben völlig diesem extrem harten Sport untergeordnet. «Ohne knallhartes Training geht es nicht. Alle Energie muss haargenau kalkuliert sein», sagt Beat Knechtle. 2013 hat er in Mexiko und in Italien je einen Deca Iron gewonnen, einen zehnfachen Ironman. Eisern muss man da in der Tat sein, seinen Körper stählen und dem Ziel alles unterordnen. Deca Iron heisst 38 Kilometer Schwimmen, 1800 Kilometer Radfahren und 422 Kilometer Laufen. Den Zehner-Ironman kann man in 10 oder 14 Tagen absolvieren.

Beat Knechtle hat sich daran gewöhnt, dass er oft als «Spinner» abgetan wird. «Der zweite Gewinner beim Deca Iron war wie ich ein habilitierter Arzt. Nein, wir sind keine Idioten, sondern wir handeln nach einem klaren, intelligenten Plan.» Er sieht sich auch nicht als Masochist, obwohl Schmerzen im Zentrum einer solchen Herausforderung stehen. Ironman fördere auch keine Glücksgefühle und sei auch mit keinem irgendwie gearteten mentalen Erlebnis verbunden. Auch den Sucht-Faktor verneint Knechtle.

Das Leben verlängern

Er betreibt Ironman in der bereits 18. Saison. Und er habe alles in festen, geordneten Bahnen, die Familie, den Beruf, den Ausdauersport. 50 Jahre alt ist der Arzt und gebürtige Innerrhoder, der über seinen Sport und die physiologischen Zusammenhänge auch wissenschaftlich forscht und seinen eigenen Körper als sportmedizinisches Versuchs- und Forschungsobjekt einsetzt. Der Mehrfach-Triathlon bestimmt sein Leben, auch sein zukünftiges. Knechtles ganz klare Motivation, seinen Körper extrem an Grenzen zu bringen, ist die Hoffnung auf einen deutlich lebensverlängernden Effekt. «Sport auf solch hohem Level bedeutet fünfzehn Jahre mehr Lebenszeit. Und biologisch kann der Mensch durchaus 120 Jahre alt werden.»

Beat Knechtle hat sich seine zukünftige Lebenszeit in 20-Jahres-Rhythmen genau eingeteilt. 50–70 Jahre: Da will er wie bisher im Ironman-Spitzenfeld bleiben. 70–90 Jahre: Weiter Ironman, aber kürzere Strecken, vielleicht nur noch den zweifachen Triathlon. 90–110 Jahre: Da will er dann die heute bestehenden Altersrekorde brechen. Seinen Patienten in der täglichen St. Galler Allgemeinpraxis gibt er keine Trainingstips. «Den Messias-Gedanken habe ich längst abgelegt. Aber eines ist klar: Gesundheit kann man sich nicht kaufen, man muss sie sich erarbeiten.» Fünf Stunden Sport pro Woche empfiehlt er dem Normalbürger. «Viele in unserer Zivilisation sind zu sehr mit ihrer materiellen Sicherheit beschäftigt. Statt sich um ihre Gesundheit zu kümmern, grillieren sie oder liegen auf dem Boot herum. Man geniesst die Annehmlichkeiten des Lebens und vergisst dabei oft die Retourkutsche, die in Form von Krankheiten kommen kann.»

Eine Schuhnummer grösser

Beat Knechtle geniesst es bei 35 Grad und flirrendem Asphalt «volle Kanne» Rad zu fahren und zu spüren, wie «die Oberschenkel in Präzisionsarbeit den Körper nach vorne bringen». Nach Virginia nimmt er auch Laufschuhe eine Nummer grösser mit, für die geschwollenen Füsse. Alle vier Stunden gibt es beim Dreifach-Triathlon eine grössere Mahlzeit, die kommerzielle Energienahrung ist verpönt.

Keinerlei Brimborium

In Ironman-Kreisen ist Beat Knechtle als ruhig und überlegt bekannt und gilt als präzise. «Swiss Watch» nennen ihn Mit-Athleten. Nach ihm könne man am Wettkampf eine Uhr stellen. Euphorie oder irgendwelches Brimborium gibt es auch nach dem Finish nicht. «Wir sind abgeklärt. Verbissene sind beim Ironman am falschen Ort.» Immer mit dabei ist Beat Knechtles Ehefrau als Rundum-Betreuerin. Auf sie könne er sich verlassen. Auch wenn sie oft protestiere, für die nächsten Ironman-Jahre sei sie gebucht, schmunzelt der Ausdauersportler.

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