«Man hat die Bürger verunsichert»

Nach dem Abstimmungsdebakel zum Schutz vor Passivrauchen ist die Lungenliga St. Gallen enttäuscht. Jürg Barben, der Präsident der Lungenliga St. Gallen, über emotional geführte Diskussionen und verrauchte Beizen.

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Jürg Barben Präsident Lungenliga St. Gallen und Leitender Arzt am Kinderspital (Bild: Quelle)

Jürg Barben Präsident Lungenliga St. Gallen und Leitender Arzt am Kinderspital (Bild: Quelle)

Herr Barben, wie gehen Sie mit dem Abstimmungsergebnis um?

Jürg Barben: Die Lungenliga ist natürlich enttäuscht. Wir bedauern, dass Tausende von Serviceangestellten in vielen Kantonen weiterhin im Passivrauch arbeiten müssen. Im Kanton St. Gallen haben wir seit 2010 einen konsequenten Passivrauchschutz, so wie es die Initiative für die ganze Schweiz gewollt hätte. Bei uns ist auch das Servicepersonal umfassend geschützt.

In einer eigenen Umfrage der Lungenliga St. Gallen vom Juli 2012 hatte eine überwältigende Mehrheit der Vorlage zugestimmt. War sich die Lungenliga nun zu sicher?

Barben: In der Umfrage im Juli haben wir nicht die Zustimmung zur Initiative erfragt, sondern wie die St. Galler Bevölkerung mit der bestehenden Regelung zufrieden ist. 89 Prozent der St. Gallerinnen und St. Galler haben die jetzige Regelung im Kanton befürwortet.

Wieso dann diese Niederlage?

Barben: Bei der jetzigen Abstimmung ist es den Gegnern gelungen, die Diskussion von der Sachebene auf die emotionale Ebene zu verlagern: Man hat die Bürger verunsichert und behauptet, mit der Initiative würden Fumoirs und das Rauchen im Freien verboten werden. Es ging um den Föderalismus und gegen noch mehr Verbote, aber nicht um den Inhalt der Initiative: Um den Schutz vor dem Passivrauchen.

Haben die Initianten den Bogen überspannt?

Barben: Die meisten Menschen sind ja heute vor dem Passivrauchen geschützt, insbesondere im Kanton St. Gallen. Die Angst vor der angedrohten Bevormundung überwog die Sorge um die Gesundheit des Servicepersonals, das weiterhin in anderen Kantonen im Passivrauch arbeiten muss. Die Bevölkerung ist mit der heutigen föderalistischen Lösung offensichtlich zufrieden. Es soll so bleiben, wie es ist.

Fürchten Sie einen «Backlash»?

Barben: Die Gegner werden sicher versuchen, das Rad zurückzudrehen – auch in St. Gallen. Aber die heutige Regelung im Kanton St. Gallen hat sich seit zwei Jahren in der Praxis bestens bewährt. Abgesehen von einigen Rauchern und der Tabaklobby kann sich niemand mehr verrauchte Beizen vorstellen.

Was sind die nächsten Schritte der St. Galler Lungenliga?

Barben: Darüber wird der Vorstand zu gegebener Zeit entscheiden.

Interview: Julia Nehmiz