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MAMMUTDEBATTE: St.Galler Mittagstisch kann gedeckt werden

Der Stadtrat will auch auf der Oberstufe einen Mittagstisch anbieten. Die Vorlage löste am Dienstag im Stadtparlament eine lange Diskussion aus. Die Argumente reichten von «Freiheitsberaubung» bis «dringende Notwendigkeit».
Christoph Renn
Im Oberstufenschulhaus Centrum gibt es seit 20 Jahren den Mittagstisch «Bürgliclub». (Bild: Hanspeter Schiess)

Im Oberstufenschulhaus Centrum gibt es seit 20 Jahren den Mittagstisch «Bürgliclub». (Bild: Hanspeter Schiess)

Am Anfang deutete nichts darauf hin, dass die Diskussion zu den Mittagstischen auf der Oberstufe so ausgiebig geführt würde. Die Bildungskommission lobte an der Parlamentssitzung vom Dienstag den Stadtrat gar für die Vorlage. Auch Eva Crottogini bedankte sich im Namen der SP/Juso/PFG-Fraktion für die zügige Umsetzung des Anliegens. Am Ende setzte sich die Vorlage des Stadtparlaments in allen Punkten mit 37 Ja- zu 21 Nein-Stimmen durch. Doch zuvor gab es auch deutliche Voten gegen die Mittagstische.

Anstoss dazu gab ein Änderungsantrag der SP, den die Partei erst gestern morgen eingereicht hatte. Darin forderte sie, der Kostenbeitrag von 7.50 Franken für eine Mahlzeit, wie das der Stadtrat vorschlug, sei auf 6 Franken zu kürzen, damit er gleich sei wie auf der Primarstufe. Dies verleitete Christian Neff (SVP) zu einem Votum, obwohl seine Partei keine Wortmeldung zu dieser Vorlage vorgesehen hatte.

Die SVP reagierte auf den Antrag der SP mit einem Rückweisungsantrag. Das Argument: Eine Senkung des Beitrages liege gar nicht in der Kompetenz des Stadtparlaments. In der Abstimmung wurden beide Anträge, jener der SVP und jener der SP, abgelehnt.

«Jugendliche wollen nicht bemuttert werden»

Doch nicht nur die Anträge der SP und SVP gaben Anlass zur Diskussion. Die FDP-Fraktion wehrte sich vehement gegen einen Mittagstisch für Oberstufenschülerinnen und -schüler. Ihr Sprecher Andreas Dudli fordert alle auf, sich an die Sekundarschule zurückzuerinnern. Die Mittagszeit sei für ihn etwas wie Freiheit gewesen. Genau diese nehme man den Jugendlichen mit einem solchen Angebot. Ein Raum, in dem die Schüler eine mitgebrachte Mahlzeit aufwärmen könnten, reiche völlig aus. Und dieses Angebot gebe es ja heute schon.

Sein Parteikollege Marcel Rotach ­legte sogar noch nach: Es könne nicht sein, das Jugendliche ohne Rücksicht auf Verluste betreut würden. Keiner in diesem Alter wolle auch über Mittag bemuttert werden. Er könne als Vater der Vorlage nur zustimmen, wenn es die Minimalvariante sei. Doch nun rühre der Stadtrat wieder mit der grossen Kelle an. Zudem müssten die Jugendlichen genau in diesem Alter den Umgang mit Geld lernen.

Von Bemutterung könne in der Vorlage des Stadtrates keine Rede sein, entgegnete Andrea Hornstein (PFG). Zumal keine Betreuer vorgesehen seien, sondern Bezugspersonen. Und diese Bezugspersonen seien ausgebildete Sozialarbeiter, die bei der Offenen Jugendarbeit tätig seien. Zudem sei das Angebot freiwillig.

Änderungsantrag gefährdet Vorlage

Gabriela Eberhard (SP) betonte, dass sie als Lehrerin wisse, dass ein Mittagstisch auch in der Oberstufe dringend notwendig sei. So wie auch die Umfrage des Stadtrates bei 300 Oberstufenschülerinnen und -schülern dies gezeigt habe. Parteikollegin Evelyne Angehrn setzte noch einen drauf und sagte nochmals, dass das Angebot gar nur sechs Franken kosten dürfe, damit alle Zugang zum Angebot hätten.

Ihr widersprach Patrik Angehrn (CVP), der dem Stadtrat zugutehielt, dass dieser die Vorlage ausgewogen ausgearbeitet habe. Und er mahnte die SP, dass ihr Abänderungsantrag nur unnötig die gute Vorlage des Stadtrates gefährde. Deshalb rief auch SP-Fraktionspräsident Daniel Kehl alle Parteien dazu auf, der Vorlage zuzustimmen und das Geschäft zu verabschieden – so oder so.

Einmalige Investition von 530000 Franken

Um Punkt 19 Uhr meldete sich dann Stadtrat Markus Buschor zu Wort. Als Anspielung auf die Voten der FDP betonte er, dass auch er Vater dreier Töchter sei. Und er erinnerte die Parlamentarierinnen und Parlamentarier daran, dass es eine Lücke im städtischen Mittagstischangebot gebe, die mit dieser Vorlage geschlossen werden könne. Und St. Gallen stehe für Qualität und nicht für eine Minimallösung.

Am Ende der über einstündigen Diskussion wurde die Vorlage dann doch klar angenommen. Der Antrag der SP, den Kostenbeitrag zu senken, wurde mit 35 zu 23 Stimmen abgelehnt, der Rückweisungsantrag der SVP deutlich mit 49 zu 9 Stimmen. Somit kann der Stadtrat das Mittagstischangebot der Oberstufe neu ausrichten.

Für bauliche Massnahmen, Mobiliar und Informatik hat das Parlament einen einmaligen Betrag von 530'000 Franken bewilligt. Hinzu kommen wiederkehrende Betriebskosten von rund 610'000 Franken im Jahr. Die Beschlüsse sind dem fakultativen Referendum unterstellt.

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