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Malexperiment im Pflegeheim

Bewohner des Pflege- und Betagtenheims Josefshaus haben gestern mit Schülern der Primarschule Schönenwegen Bilder für eine Ausstellung gestaltet. Bei dem Projekt haben die Kinder weit mehr gelernt, als Aquarelle zu malen.
Katharina Brenner
Eine Bewohnerin des Josefshauses betrachtet prüfend das Bild, das sie gerade malt. (Bild: Benjamin Manser)

Eine Bewohnerin des Josefshauses betrachtet prüfend das Bild, das sie gerade malt. (Bild: Benjamin Manser)

Polenta, Hunde, Kebab, Fussball, Playstation und Tessin – diese Wörter und viele mehr schreiben die 23 Fünft- und Sechstklässler der Primarschule Schönenwegen auf weisses Papier. Sie sind am Freitagmorgen zu Besuch im Pflege- und Betagtenheim Josefshaus. Zwei Lehrer und eine Mallehrerin begleiten sie. Die Kinder sollen notieren, was sie gerne mögen. Auch einige Senioren greifen zu den Stiften. Sie ma- len lieber Blumen, Sonnen und Bäume, statt etwas zu schreiben. Die Neocolor-Stifte, die sie verwenden, sind wie das Papier weiss. Deshalb sind die Wörter und Bilder nur schwer zu erkennen. Und dann verschwinden sie ganz – hinter Aquarellfarben in unterschiedlichen Tönen.

Beim Malen hochkonzentriert

Der zehnjährige Saveliy Iglin malt sein Bild ganz in Grün. Mit einem Pinsel fährt er behutsam Schicht für Schicht über das Papier. «Hochkonzentriert macht er das, ganz toll», sagt Doris Schöb, die neben ihm sitzt. Die 82-Jährige wohnt im Josefshaus. Sie habe sich sehr auf den Besuch der Kinder gefreut. «Ich finde es lustig, Zeit mit ihnen zu verbringen. Im Alter muss man aufpassen, dass man nicht einsam wird», sagt Schöb.

Die Leitung des Josefshauses hatte die Idee für die gemeinsame Aktion. Einige der Bilder werden im Herbst ausgestellt (siehe Zweittext). «Die Bewohner, die heute dabei sind, machen das alle sehr gerne», sagt Adriana Matezovic-Mijatovic. Sie ist Leiterin Pflege und Betreuung im Josefshaus und leitet auch das Projekt mit den Primarschülern. Für manche Bewohner seien so viele Besucher eine Reizüberflutung. Darauf habe man im Vorfeld geachtet. Rund 15 Senioren beteiligen sich am Freitag an der Aktion. Das Alter spielt dabei keine Rolle. Eine Bewohnerin ist bereits 102 Jahre alt (siehe Stimmen).

Saveliy Iglin, der zehnjährige Junge, der sein Bild grün anmalt, sagt: «Meine Grosseltern sind noch recht jung. Sie sind noch nicht ganz 60. Für mich ist es neu, so alte Menschen kennenzulernen.»

Senioren zu Gast in der Schule

Am Mittwoch waren die Bewohner des Heims zu Besuch in der Primarschule Schönenwegen, wo alle gemeinsam Lieder gesungen haben. Und am Dienstag war die Klasse schon einmal zu Besuch im Josefshaus. Jeder Schüler hatte sich mit einem Bewohner unterhalten und ihm vorbereitete Fragen gestellt: «Was machen Sie so den ganzen Tag?» Oder: «Was gab es vor 50 Jahren, was es heute nicht mehr gibt?» Viele Schüler seien erstaunt gewesen, dass es bis 1957 ein Tram gegeben habe in der Stadt, sagt Lehrer Andreas Hobi.

Für ihn und die Klasse sei die Aktion ein Experiment. Sicher könne man oberflächlich sagen, dass es sehr schön sei, wenn Jung und Alt zusammenkämen. «Aber bei den Begegnungen kommen auch tiefgründige Fragen auf», sagt Hobi. Eine Bewohnerin des Josefshauses sei erst Ende 50. Sie wohne aufgrund eines schweren Hirntumors im Pflegeheim. Als die Kinder das im Gespräch mit ihr erfuhren, hätten sie im Unterricht viele Fragen zum Thema Krebs gestellt.

Langsam sprechen

Auch für den Umgang mit älteren Menschen wurden die Kinder sensibilisiert. «Wir haben gelernt, dass man langsam sprechen und manche Dinge mehrmals sagen muss», sagt die elfjährige Shirin Souabni. Manchmal sei sie unsicher, ob sie gute Fragen stelle. Aber sie unterhalte sich gerne mit den Senioren.

Dazu haben die Schüler auch in der kommenden Woche Gelegenheit. Am Dienstag und Mittwoch treffen sie sich wieder mit den Senioren. Dann fertigen sie gemeinsam Collagen an, die beide Lebenswelten zum Thema haben. Die Senioren bringen alte Aufnahmen von St. Gallen mit, die Kinder Bilder von Gegenständen aus ihrem Alltag.

In einem Nebenraum sammelt Projektleiterin Adriana Matezovic-Mijatovic am Freitag die ersten Bilder. Unter der getrockneten Farbe leuchten jetzt weiss die Wörter und Bilder.

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