Major Kottan und seine Autotüren

Was sich motorisierte Zeitgenossen im Strassenverkehr tagtäglich erlauben, lässt immer wieder staunen. Vor allem, weil so manche, nicht einmal bös gemeinte Unaufmerksamkeit oder Unüberlegtheit fatale Konsequenzen haben könnte.

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Wie einst im TV: Die nach vorne gebogene Autotüre gestern an der Kesslerstrasse. (Bild: Stadtpolizei St. Gallen)

Wie einst im TV: Die nach vorne gebogene Autotüre gestern an der Kesslerstrasse. (Bild: Stadtpolizei St. Gallen)

Was sich motorisierte Zeitgenossen im Strassenverkehr tagtäglich erlauben, lässt immer wieder staunen. Vor allem, weil so manche, nicht einmal bös gemeinte Unaufmerksamkeit oder Unüberlegtheit fatale Konsequenzen haben könnte. Nur staunen kann man auch über die Arroganz und Unverfrorenheit jener zum Glück immer noch relativ selten auftretenden Blechkutscher, denen die Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer völlig egal scheint.

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Für gestern Donnerstag nun vermeldet die Stadtpolizei einen Zwischenfall in letzterer Kategorie, der den angejahrten Redaktor gleichzeitig an eine TV-Serie aus den 1980er-Jahren erinnert: An der Kesslerstrasse fuhr ein Auto einem parkierten anderen Auto in die offene Türe. Da der Lenker des gerammten Autos zum Zeitpunkt des Zwischenfalls den Türgriff in der Hand hielt, fiel er aus seinem Wagen. Dabei zog er sich – zum Glück nur leichte – Schürfwunden an Kopf und Unterarmen zu.

Die gestrige Meldung der Stadtpolizei St. Gallen erinnert an die österreichische TV-Krimiserie «Kottan ermittelt». Sie wurde von 1976 bis 1983 gedreht und war in den 1980er-Jahren auch in Deutschland (und damit der Schweiz) zu sehen. Die Krimis waren als Satire gedacht. Und die darin verwendeten Running Gags – also Witze, die sich regelmässig wiederholten – hatten Kultstatus. Ganz sicher war das bei jenen Folgen der Fall, in denen dem schrulligen Kriminaloffizier Adolf Kottan («I bin a Major, net an Inspektor!») regelmässig die Autotüre abgefahren wurde. Und zwar an allen möglichen und unmöglichen Orten. Meist mehrere Male pro Folge. Und am Schluss nicht nur am eigenen Auto, sondern an allen möglichen Gefährten, in denen der Kriminaler auch nur als Beifahrer oder Passagier sass.

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Noch etwas am gestrigen St. Galler Unfall erinnert an Kottan und seinen Running Gag. Der, der an der Kesslerstrasse in die Autotüre krachte, suchte das Weite. Was im österreichischen Krimi auch immer der Fall war. Die Stadtpolizei sucht jetzt nach einem vermutlich weissen Lieferwagen. Und sie sucht unter 071 224 60 00 nach Zeugen, die Angaben zum fahrerflüchtigen Lenker und seinem Wagen machen können. (stapo/vre)