Mäuerchen, wo Mauer war

Wo einst die Grenze zwischen Weltlichem und Geistlichem verlief, kann künftig gehöckelt werden: Entlang der Gallusstrasse wird zurzeit ein Mäuerchen mit Sitzplätzen gebaut.

Malolo Kessler
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Abgrenzung: Zwischen dem Klosterbezirk und dem Gallusplatz wird ein Mäuerchen gebaut. Hier stand früher die Schiedmauer. (Bild: Reto Martin)

Abgrenzung: Zwischen dem Klosterbezirk und dem Gallusplatz wird ein Mäuerchen gebaut. Hier stand früher die Schiedmauer. (Bild: Reto Martin)

Sie war über zwei Meter breit, sechs Meter hoch und ist eine Zeitzeugin der Reformation: Die Schiedmauer. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erbaut, trennte sie bis 1829 am Gallusplatz Weltliches und Geistliches.

Wo sie einmal stand, wird seit zehn Tagen gebaggert und gegraben. Die Reste der Schiedmauer in der Erde werden «praktisch alle entfernt», sagt Erwin Rigert, Projektleiter der Ausgrabungen im Klosterviertel.

Denn wo die Mauer war, soll im Rahmen der Neugestaltung der südlichen Altstadt eine neue Abgrenzung entstehen: eine mit Naturstein verkleidete Betonmauer.

20 Meter langes Bänkli

«Wir möchten mit dieser Brüstung die Räume zwischen dem Gallusplatz und dem Stiftsbezirk neu und klarer definieren», sagt Matthias Fuchs, Projektleiter beim städtischen Tiefbauamt. Sie sei allerdings alles andere als die Rekonstruktion der Schiedmauer. Die Idee, die Schiedmauer wieder aufzubauen, war vor fünf Jahren an einer Veranstaltung aufgekommen.

Gegen den Bau einer solchen Mauer kämpfte das Quartier damals heftig (siehe Kasten).

Nun wird anstelle der Mauer ein Mäuerchen gebaut. Sie führt 65 Meter parallel entlang der Gallusstrasse und der St. Georgen-Strasse und ist etwa einen Meter hoch. Auf 20 Metern wird es Sitzgelegenheiten geben: Ein langes Bänkli mit Sicht auf den Gallusplatz, der im kommenden Jahr neu gepflästert wird.

Verkleidet wird das Mäuerchen ähnlich wie jene Sitzmauer weiter nördlich beim Klosterrasen, allerdings nur der Teil Richtung Gallusplatz. Die von der Strasse abgewendete Seite der Mauer wird laut Projektleiter Fuchs verputzt. Gebaut wird in sechs Etappen. «Nächste Woche beginnen wir auf dem ersten Abschnitt mit Betonieren», sagt Fuchs. Dort, wo die Archäologen ihre Arbeit bereits getan haben. Jeweils zwei bis drei Mitarbeiter der Kantonsarchäologie begleiten die Bauarbeiten.

Bevor die letzten Überreste der Schiedmauer zerstört werden, dokumentieren und fotografieren sie deren Verlauf. Eine Herausforderung für den Bauablauf aller Neugestaltungsarbeiten in der südlichen Altstadt. «Wir müssen vorwärtskommen, die Archäologie muss aber auch ihren Raum haben», sagt Fuchs.

Treppe zur «Flade»

Am südlichen Ende des Mäuerchens wird ein zwei Meter breiter Treppenabgang zur «Flade» gebaut. Schule und Stiftsbezirk sollen so von Süden und Osten her besser zugänglich werden.

Am anderen Ende der neuen Abgrenzung, beim Eingang zur katholischen Pfarradministration, werden vier Poller – versenkbare Pfosten – eingebaut. Zudem werden Teile der Gallusstrasse künftig von drei Kandelabern, wie sie auch in der restlichen südlichen Altstadt eingebaut sind und werden, erleuchtet.

Läuft alles nach Plan – was laut Fuchs primär abhängig von archäologischen Funden ist –, sind die Betonarbeiten bis Ende November abgeschlossen.

Im Frühjahr 2011 soll das Mäuerchen dann mit Natursteinen verkleidet und somit fertiggestellt werden. Damit es im Sommer bereit ist für Baustellengucker und Besucher, Schüler und Sonnenhungrige.

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