Mässige Begeisterung für Pförtner

Stau Die Stadt St. Gallen hat genug von den verstopften Hauptverkehrsachsen und will das Problem mit Pförtneranlagen mildern. Das Nachsehen könnten die Nachbardörfer haben. Vor allem Abtwil.

Sebastian Schneider
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Eine Pförtneranlage am Interio-Kreisel wird wohl noch zu diskutieren geben. (Bild: Urs Jaudas)

Eine Pförtneranlage am Interio-Kreisel wird wohl noch zu diskutieren geben. (Bild: Urs Jaudas)

Er kann einem die Nerven rauben: der alltägliche Verkehr auf der Teufener, Rorschacher oder Zürcher Strasse in der Stadt St. Gallen. Vor allem am Feierabend und in frühen Morgenstunden wird die Geduld der Autofahrer auf die Probe gestellt. Und weil es angesichts des Wachstums gewiss nicht weniger Verkehr gibt, plant die Stadt St. Gallen als kurz- und mittelfristige Massnahme, sogenannte Pförtneranlagen zu installieren (Tagblatt vom 31. August und 9. September). Diese intelligenten Lichtsignale sollen so viele Autos an den Pforten der Stadt zurückhalten, dass der Verkehr im Zentrum fliessen kann und sich der Verkehr ausserhalb des Siedlungsgebiets staut. Doch was heisst ausserhalb? Wo die Stadt aufhört, beginnen die Nachbargemeinden. Und bekanntlich gibt's auch dort Siedlungsgebiete.

Problem-Pförtner in Abtwil

Die Gemeindepräsidenten von Wittenbach, Gaiserwald und Mörschwil haben aus der Zeitung erfahren, wo genau die Stadt die Pförtner aufstellen will. Boris Tschirky, Gemeindepräsident von Gaiserwald, findet das «suboptimal». Er wäre lieber in den Planungsprozess einbezogen oder zumindest vorab informiert worden. Zumal ihm der Pförtner, der den Verkehr in Abtwil beeinflusst, ein Dorn im Auge ist. Der Standort fürs Lichtsignal ist beim Interio-Kreisel vorgesehen; Tschirky befürchtet einen Rückstau auf der Bild- und Hauptstrasse, der sich womöglich bis ins Dorfzentrum zieht. «Wir müssen darüber noch sprechen», kündet Tschirky an. Grundsätzlich liege der Teufel im Detail. Es werde darauf ankommen, wo und wie genau der Pförtner wirken soll. Denn grundsätzlich steht Boris Tschirky der Idee nicht negativ gegenüber. «Ich kann ja nichts gegen den Versuch haben, den Verkehr zu verflüssigen», sagt Tschirky.

Von flüssigem Feierabendverkehr kann auch in Wittenbach nicht die Rede sein. Gemeindepräsident Fredi Widmer arbeitet bezüglich Verkehr schon länger mit der Stadt St. Gallen zusammen. «Pförtneranlage» ist für ihn darum auch kein neuer Begriff mehr. Schliesslich erfülle das Lichtsignal bei der Stadtbus-Endhaltestelle Heiligkreuz schon heute diese Funktion. Welche Auswirkungen eine neue Pförtneranlage auf Wittenbach habe, müsse man zuerst prüfen. Die Erkenntnisse werden laut Widmer auch ins Betriebskonzept der St. Gallerstrasse, das derzeit erarbeitet wird, einfliessen. Für Widmer ist einfach der Grundsatz wichtig, dass sich die Situation für den öffentlichen Verkehr verbessere, ohne dass der motorisierte Individualverkehr zu stark benachteiligt werde. Das Betriebskonzept der St. Gallerstrasse sei schon fortgeschritten, aber noch nicht druckreif. Sobald dieses Projekt abgeschlossen sei, müsse man gegebenenfalls Anpassungen auf der Arboner- sowie der Romanshornerstrasse ins Auge fassen.

Freie Fahrt für den öV wünscht sich auch Mörschwils Gemeindepräsident Paul Bühler. Er steht der Idee der Pförtneranlage an der Rorschacher Strasse noch neutral gegenüber. «Wenn er tatsächlich etwas nützt, gibt es nichts dagegen einzuwenden.» Doch wie der Pförtner funktionieren soll, ohne den öV zu beeinträchtigen, kann sich Bühler noch nicht vorstellen. So oder so werde man den Vorschlag genau anschauen. Bühler hofft, noch vor der öffentlichen Auflage Details von der Stadt zu bekommen.

Viel Verständnis in Gossau

Optimistischer tönt es bei Alex Brühwiler, dem Stadtpräsidenten von Gossau. Er habe dem Forum der Region St. Gallen-Bodensee Ende August selber beigewohnt und somit schon vor der Publikation im Tagblatt von den Pförtneranlagen erfahren. Genau geprüft habe man die Auswirkungen der Regulatoren auf Gossau noch nicht. Grundsätzlich sei diese Massnahme aber «der richtige Weg». Natürlich könne er keinen Rückstau bis ins angrenzende Quartier Oberdorf verantworten, doch die Notwendigkeit, den Verkehr in den Zentren zu entlasten, sei absolut ausgewiesen. «Wir müssen etwas machen», betont Brühwiler. Schliesslich leide ja auch Gossau unter dem feierabendlichen Stau. Die Gossauer Stadtplanung arbeite eng mit dem Verkehrsamt der Stadt St. Gallen zusammen. Die Idee gelte es zu unterstützen, eine Lösung sollte möglich sein.