«Männer zum Weinen bringen»

Sie bezeichnen sich als untypische Jodlerinnen, dennoch haben sich Claudia Städler-Diem und Andrea Haffa-Zihlmann dem eher ländlichen Hobby verschrieben. Von ihren Jodlerkollegen sind sie nun für ihre Treue zum Chörli geehrt worden.

Kathrin Reimann
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Jodeln verbindet: Claudia Städler und Andrea Haffa haben gemeinsam so einiges erlebt. (Bild: Coralie Wenger)

Jodeln verbindet: Claudia Städler und Andrea Haffa haben gemeinsam so einiges erlebt. (Bild: Coralie Wenger)

mörschwil. Gestandene Männer zu Tränen rühren, einen Urschrei von sich geben und Tracht tragen. Die beiden hübschen, schicken Damen schwärmen begeistert von einer Leidenschaft, die man ihnen nicht auf den ersten Blick ansieht. Sie sind Jodlerinnen. Seit über 20 Jahren singen Claudia Städler und Andrea Haffa im Jodelchörli St. Gallen Ost und gemeinsam im Duett.

Andrea Haffa leitet zudem seit über zwölf Jahren das Jodelchörli Mörschwil und hat dort das Kinderchörli «Sälbergmachts» mit auf die Beine gestellt.

Vom Jodeln «geflasht»

Wie typische Jodlerinnen kommen die 38jährige Claudia Städler und die 36jährige Andrea Haffa nicht daher. Wenn sie aber ihre Leidenschaft zum Jodeln beschreiben, geraten die beiden ins Schwärmen.

Eine Herzenssache sei es, etwas, das tief aus der Seele komme, «voll einfahre» und dem Publikum die Tränen in die Augen treibe. Claudia Städler sah das als Mädchen noch nicht so und tat sich mit dem Jodeln schwer. «Hör doch auf», habe sie ihre Mutter jeweils angefleht, wenn diese jodelnd in die Stube gekommen sei. Später habe sie sich einen Walkman gewünscht, um bei Autofahrten mit der Familie der ungeliebten Jodelmusik zu entkommen. «Ich wollte Abba, Nena oder Boney M.

hören», sagt Claudia Städler und lacht. Als sie mit 17 Jahren ins Welschland ging, habe sie Heimweh gehabt und die jodelnde Mutter habe ihr gefehlt. Zurück in der Ostschweiz besuchte sie eine Probe im Jodelchörli St. Gallen Ost. «Da hat mich das Jodeln gepackt und berührt, es war wie ein Flash», erinnert sie sich.

Jodeln in der Disco

Andrea Haffa konnte bereits als Zehnjährige jodeln, der Vater war langjähriges Mitglied des Jodelchörlis St. Gallen Ost.

Gejodelt habe sie immer gerne, während der Pubertät sei ihr das altmodische und unpopuläre Hobby aber peinlich gewesen und sie habe es stets verheimlicht. «Im Jodelchörli St. Gallen Ost habe ich dann Claudia getroffen und in ihr eine gleichaltrige Jodlerin gefunden.» An ihre Anfangszeit im Chörli erinnern sich beide gern. Man habe sie, obwohl sie völlige Greenhorns waren, gerne aufgenommen und gefördert.

Gemeinsam mit den «älteren Herren» vom Chörli oder bei ihren Auftritten als Duett hätten sie viel erlebt. «Wir jodelten schon an den unmöglichsten Orten.» Etwa aufgedonnert in der Disco, in einem Heurigenlokal in Wien oder beim Kompanieabend auf dem Säntis. «Wir waren die einzigen Frauen. Aus Sorge kamen unsere Eltern mit», sagen die beiden und brechen beim Gedanke an diesen Abend in schallendes Gelächter aus.

Jodeln und Rapper

Heute sind beide mit Nichtjodlern verheiratet, Andrea Haffas Kinder interessieren sich aber – ganz die Mutter - ebenfalls fürs Jodeln. Andrea Haffa und Claudia Städler proben einmal im Monat mit dem St. Galler Chörli, das ihnen für das 20jährige Engagement die Ehrenmitgliedschaft verliehen hat. Beide geben auch noch Jodelkurse oder jodeln, gemeinsam mit Daniel Bösch an der Handorgel, im Duett. Andrea Haffa leitet ausserdem das «junge Jodelchörli» Mörschwil. «Unser Durchschnittsalter liegt bei 36 Jahren, was sehr tief ist», sagt sie.

Sowieso mangle es auf dem Land nicht an Jodelnachwuchs, nur in der Stadt würde es eher harzen. Möglicherweise kommen aber auch die Städter noch auf den Geschmack des Jodelns. Claudia Städler, die Ausbildungsverantwortliche von jungen Logistikern ist, hat kürzlich ihren Zürcher Schützlingen vorgejodelt. «Die waren begeistert, vor allem den Rappern hat es gefallen», sagt sie. Moderne Jodelmusik hätten sie bis jetzt noch nicht gemacht.

Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden: «Wir sind für alles offen und wollen ewig weiterjodeln», sagen die beiden überzeugend.

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