Luzerner Anhänger wieder auf freiem Fuss

ST.GALLEN. Luzerner Anhänger beschränkten sich am Sonntag nicht auf eine Sitzblockade, um den Zugverkehr zu stören: Sie versuchten gar, Schienen zu unterhöhlen. Die zwei Anhänger, die mit Pyros erwischt worden waren, wurden am Montag im Schnellverfahren abgeurteilt und wieder freigelassen.

Daniel Walt
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Die Luzerner Anhänger bewarfen Polizisten mit Schottersteinen - einige der Täter konnten identifiziert werden. (Bild: Archiv/Keystone)

Die Luzerner Anhänger bewarfen Polizisten mit Schottersteinen - einige der Täter konnten identifiziert werden. (Bild: Archiv/Keystone)

"Die Luzerner Anhänger gingen recht massiv auf unsere Leute los." Das sagt Benjamin Lütolf, Mediensprecher der St.Galler Stadtpolizei, zu den Ausschreitungen nach dem Fussballspiel St.Gallen – Luzern vom späteren Sonntagnachmittag am Bahnhof Winkeln. Gästefans blockierten den Zugverkehr, um Kollegen, die vor dem Match mit Pyros erwischt worden waren, freizupressen. Als die Sicherheitskräfte die Blockade auflösen wollten, wurden sie laut Lütolf mit Flaschen, Schottersteinen und pyrotechnischen Gegenständen beworfen.

Bedingte Geldstrafen
Zwei der Luzerner Anhänger, die vor dem Spiel mit pyrotechnischen Gegenständen angehalten worden waren, haben laut Benjamin Lütolf Jahrgang 1990. Einer wurde 1994 geboren. Bei ihm kommt somit das Jugendstrafrecht zur Anwendung. Deshalb wurde er noch vor Spielende wieder auf freien Fuss gesetzt. Natalie Häusler, Sprecherin der Staatsanwaltschaft St.Gallen, erklärt: "Im Jugendstrafrecht gilt das Wohnsitzprinzip. Der Fall geht an die Jugendanwaltschaft in Luzern." Die beiden erwachsenen Luzerner Anhänger, die mit Pyros erwischt worden waren, wurden am Montagnachmittag im Schnellverfahren abgeurteilt. Laut Natalie Häusler erhielten sie bedingte Geldstrafen von 60 Tagessätzen. Eine bedingte Strafe von 120 Tagessätzen fasste ein St.Galler Anhänger, der beim Stadion wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte festgenommen worden war. Der Mann ist laut Häusler wegen Verstosses gegen das Waffengesetz vorbestraft. Sämtliche Urteile sind noch nicht rechtskräftig, die verurteilten Personen wurden wieder auf freien Fuss gesetzt.

Vor Lokomotive begeben
Zurück zum misslungenen Versuch der Luzerner Anhänger, ihre beiden inhaftieren Kollegen nach dem Spiel freizupressen. Bereits auf dem Weg vom Stadion zum Bahnhof Winkeln protestierten die Gästefans ein erstes Mal gegen die Festnahme der Männer: "Es gab bei der Verzweigung Westcenter – Kräzernstrasse eine rund fünfminütige Sitzblockade", so Benjamin Lütolf. In der Folge benutzte eine Gruppe von Gästefans nicht die Unterführung, sondern begab sich direkt vor die Lokomotive des bereitstehenden Extrazuges. "Bereits da wurde auch die Notbremse gezogen, obwohl der Zug gar nicht abfahren konnte", erklärt Lütolf.

Gummischrot eingesetzt
Als sich Luzerner Fans dann auch noch auf das zweite Gleis des Bahnhofs Winkeln setzten, um den ganzen Zugverkehr zum Erliegen zu bringen, griff die Polizei ein. Nach vergeblichen Warnungen setzte sie zunächst Pfefferspray ein, um die Blockade aufzulösen. "Nachdem unsere Leute mit Schottersteinen, Flaschen und Feuerwerk beworfen worden waren, setzten sie auch Gummischrot ein", so Benjamin Lütolf. Auch aus dem Zug heraus bewarfen Gästefans die Sicherheitskräfte in der Folge, unter anderem mit Pyros. Erst später stellte sich zudem heraus, dass Luzerner Anhänger durch systematisches Entfernen von Schottersteinen sogar versucht hatten, die Schienen zu unterhöhlen – "gemeingefährlich", wie Benjamin Lütolf findet, wobei für den Zugverkehr kein Sicherheitsrisiko bestanden habe.

Der Bürger muss zahlen
Wie Staatsanwaltschafts-Sprecherin Natalie Häusler festhält, konnten einige jener Personen, die Steine gegen die Sicherheitskräfte warfen, identifiziert werden – gegen sie wird nun ein Strafverfahren eingeleitet. Der Bahnhof Winkeln musste laut SBB-Mediensprecher Daniele Pallecchi kurz vor 18 Uhr kurzfristig komplett für den Zugverkehr gesperrt werden. "Vor- und nachher konnten Züge in vermindertem Tempo durchfahren", sagt er. Die Kosten, die den SBB durch die Protestaktion der Luzerner Anhänger entstanden sind, lassen sich nur schwer in Zahlen fassen. "Getragen werden müssen sie von den SBB beziehungsweise dem Steuerzahler", so Pallecchi. Besonders ärgerlich seien allerdings die Verspätungen, die auf der Linie St.Gallen - Genf für die Passagiere entstanden seien.

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