LUTZENBERG: Liegebank als Kraftspender

Ein altes Bänkli im Seebeli war der Kraftort für Eva Sturm während ihrer Krebserkrankung. Aus Dankbarkeit hat sie dort ein komfortables Möbelstück aufstellen lassen. Weitere sollen folgen.

Karin Erni
Drucken
Teilen
Eva Sturm hat während der Krebsbehandlung an dieser Stelle ihren Rückzugsort gefunden. (Bild: KER)

Eva Sturm hat während der Krebsbehandlung an dieser Stelle ihren Rückzugsort gefunden. (Bild: KER)

Karin Erni

karin.erni@appenzellerzeitung.ch

«Hier bin ich mit mir verbunden», steht auf der kleinen Messingtafel. Darüber ist das Wort «Gott» in hebräischer Schrift geprägt. Das Täfelchen ist an eine wellenförmige Liegebank geschraubt, die im Seebeli hoch über den Weinbergen im Weiler Tobel thront.

Dass dieses komfortable Möbel hier steht, ist der Anwohnerin Eva Sturm zu verdanken. Die ehemalige Eventmanagerin des Seerestaurants Rorschach sah sich im Juni 2015 mit der Diagnose Brustkrebs konfrontiert. In der darauffolgenden Zeit mit Operationen, Chemo- und Bestrahlungstherapien und der quälenden Ungewissheit, ob der Krebs nach all den Behandlungen wiederkommen würde, sass Eva Sturm oft an diesem Platz mitten in der Natur, hing ihren Gedanken nach und tankte Kraft. Immer war die 48-Jährige dabei begleitet von ihren zwei Hunden, die sie als ihre besten Therapeuten bezeichnet. «Während der Chemotherapie, als mir Haare, Brauen und Wimpern ausgefallen sind, habe ich mich sehr stark von der Umwelt abgekapselt. Das alte Bänklein, das hier stand, war mein Rückzugsort.» Heute gehe es ihr wieder gut, sagt die gebürtige Österreicherin. Dafür sei sie dankbar. «An diesem Ort, der mir so viel Energie geschenkt hat, wollte ich eine schöne und bequeme Liegebank aufstellen.»

Verschiedene Sponsoren haben mitgeholfen

Mit ihrer Idee ist Eva Sturm an die Gemeinde Lutzenberg gelangt. Die Behörden waren zu Beginn eher skeptisch und beschieden ihr, dass sie zuerst Sponsoren für das Projekt finden müsse. Dies sei in der Folge erstaunlich gut gelungen, erinnert sich Eva Sturm: «Ich habe ein Konzept erstellt und anschliessend Freunde und Bekannte sowie verschiedene Stiftungen angeschrieben.» Relativ schnell habe sie Sponsorengelder erhalten.

Daraufhin habe der Gemeinderat von Lutzenberg die Bewilligung für das Aufstellen der Bank gegeben. Und nicht nur das: Die Gemeinde übernahm auch das Erstellen des Fundaments, auf welchem die Liegebank steht. Um diese Unterstützung war die Initiantin froh. «Ohne die Hilfe der Gemeinde hätte ich es schwierig gehabt, so etwas auf die Beine zu stellen.» Auch die Krebsliga Ostschweiz unterstützt dieses Projekt; auf deren Internetportal kann man die Geschichte von Eva Sturm nachlesen.

Auch Heiden soll zu einer Bank kommen

Es ist ruhig hier oben im Seebeli. Bussarde ziehen ihre Kreise. Der Blick schweift von Vorarlberg fast über das gesamte Vorderland. Die komfortable Liegebank würde jeder Wellnessoase gut anstehen. Realisiert wurde sie von der Firma Langenegger Holzbau in Lutzenberg. Sie ist aus massivem Holz gefertigt, das herrlich nach Tannenwald duftet. Sie soll nicht die einzige im Vorderland bleiben. In Sichtdistanz, im «Gstell» in Lutzenberg, hat Eva Sturm bereits einen weiteren Standort von der Gemeinde bewilligt erhalten. Und weil aller guten Dinge drei sind, hat die eifrige Spendensammlerin schon das Geld für eine weitere Bank zusammen. Eva Sturm möchte, dass diese in Heiden zu stehen kommt. Einen aussichtsreichen Ort hat sie im Visier.

Am Pfingstwochenende wurde die Liegebank im Seebeli mit vielen Gästen eingeweiht. «Für Speis und Trank habe ich Sponsoren gefunden. Ich wollte nicht, dass das Geld, das man mir für die Liegebänke anvertraute, für einen Apéro verwendet wird. Aber die erste Bank muss man schon feiern.»