Lustspiel in zwei Akten

Während der eine Kandidat fürs Gemeindepräsidium nicht weiss, wie gross die Fläche der Gemeinde ist, liegt der andere bei der Zahl der Nachbarn falsch. Beide sind sich aber einig: Am Podium hat sich der jeweils andere gut geschlagen.

Martina Kaiser
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Aurelio Zaccari (Bild: HANSPETER SCHIESS)

Aurelio Zaccari (Bild: HANSPETER SCHIESS)

WALDKIRCH. Wäre Gemeindepräsident Franz Müller nochmals 20, er würde sich seine berufliche Zukunft gut überlegen. Das zumindest sagt er am Schluss des Tagblatt-Podiums vom Dienstagabend in der Turnhalle Bünt. Was ist passiert? Hat er Angst vor seinem Konkurrenten? Wohl kaum, wie sein verschmitztes Lächeln erahnen lässt.

Wer spielt eine Rolle?

Und dieses setzt er schon von Beginn weg auf. Erstmals bei der Frage von Moderator Andreas Nagel, ob sein Konkurrent Aurelio Zaccari verklemmt sei. «Uu-verchlemmt», antwortet dieser in Anlehnung an das gleichnamige Laientheater, bei dem er selbst mitwirkt. Ob Zaccari gerne Theater spiele. Das tut er. Müller lächelt. Und ob er jetzt eine Rolle spiele? «Nein, heute bin ich ganz ich selbst.» Müllers Lächeln wird noch breiter. Rollentausch. Moderatorin Marion Loher will nun vom amtierenden Gemeindepräsidenten wissen, welches seine Hobbies sind, zumal es schwierig sei, etwas Persönliches von ihm im Internet oder anderswo zu erfahren. «Ich mache halt kein grosses Theater um meine Hobbies», gibt dieser zurück. Wer denn nun Franz Müller ist, das erfahren die Anwesenden dann nur am Rande. Der Franz Müller, der isst und trinkt gerne. Und er fotografiert, vor allem fürs Gemeindeblatt.

Dann das Quiz. Die beiden stehen selbstbewusst da, sind sich ihrer Sache offenbar sicher. Doch schon bei der ersten Frage hapert es: «Seit wann bilden Waldkirch und Bernhardzell eine Politische Gemeinde?» Beide schreiben, halten das Papier in die Höhe. Seit X, die Antwort von Zaccari. Seit 1873 die Antwort von Müller. Beides falsch, 1803 wäre richtig gewesen. Ähnlich geht es weiter. Einmal liegt Zaccari falsch, einmal Müller. Zaccari kennt beispielsweise die Fläche der Gemeinde nicht, Müller die Nachbarn. Stimmt, da war ja noch Häggenschwil. Aus dem Lächeln wird ein Lachen.

Erst der Job, dann die Familie

Dann dürfen sich die beiden vorstellen. Wer sie sind, wie ihr Arbeitsalltag aussieht und welches ihre Motivation für die Kandidatur ist. Und was kommt denn nun zuerst: Job, Mandat, Verein oder doch die Familie? «Der Job», sagt Aurelio Zaccari sofort. «Und die Familie?», will Andreas Nagel wissen. Die sei ihm natürlich auch sehr wichtig, gibt Zaccari zurück. «An welcher Stelle», bohrt der Moderator nach. «An dritter.» Müller lässt wieder sein Lächeln aufblitzen: «Bei mir ist sie die Nummer eins.»

Im letzten Teil des Podiums zeigt er sich dann versöhnlicher, attestiert Aurelio Zaccari einen gelungenen Auftritt am Podium. Dieser wiederum sagt, Müller habe in den vergangenen 20 Jahren vieles erreicht. Zum Abschied werden Hände geschüttelt und erneut Glückwünsche ausgesprochen. Das Lächeln aber bleibt verschmitzt.

Franz Müller (Bilder: Hanspeter Schiess)

Franz Müller (Bilder: Hanspeter Schiess)

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