Lust auf noch mehr Siege

Im August hat Nick Rütter eine Sportlerlehre begonnen. Für den Nachwuchsspieler des Tischtennisclubs St. Gallen ist nun alles anders – ausser seinen Ambitionen.

Stefan Kleiser
Merken
Drucken
Teilen
Zehn Stunden pro Woche verbringt der 16jährige Nick Rütter im Training. (Bild: Benjamin Manser)

Zehn Stunden pro Woche verbringt der 16jährige Nick Rütter im Training. (Bild: Benjamin Manser)

TISCHTENNIS. Die Tage sind lang, die Nächte kurz. Um 4.45 Uhr steht Nick Rütter auf, 15 Minuten später verlässt er die Wohnung in Horn. Um 6.45 Uhr ist er am Arbeitsplatz – und nach dem Training nicht vor 23 Uhr wieder zu Hause. Bei Bühler in Uzwil hat der 16-Jährige eine Konstrukteurenlehre begonnen – als Sportlerlehrling. Am Computer entwirft er Maschinenteile. «Nach dem ersten Tag war ich kaputt», sagt er. «Es gab ganz viele Informationen, neue Kameraden, es war alles ein Stress.» Inzwischen hat sich der Tischtennisspieler, der für St. Gallen in der NLC spielt, an die Veränderungen gewöhnt. «Ich habe mich ja sehr gefreut auf die Lehre. Die Schule war nach neun Jahren etwas langweilig.» Noch zwei Monate dauert die Probezeit, dann darf Rütter von den Vorzügen der Sportlerlehre profitieren. Als Inhaber der Swiss Olympic Talent Card nimmt der Arbeitgeber Rücksicht auf sein Training. In welcher Form sei aber noch nicht definiert, sagt Rütter.

«Er ist die neue Situation sehr gut angegangen und hat schnell den Rhythmus gefunden», sagt Teammanager Reinhard Vilic. «Nicks Training ist trotz der Lehre nochmals intensiver geworden, weil die erste Mannschaft nun zusammen trainiert», so Vilic. «Ich mache die Sportlerlehre aber nicht, damit ich noch mehr trainieren kann», präzisiert Rütter, «sondern um alles so weiterführen zu können wie bisher.»

Unter den ersten 100 des Landes

Zehn Stunden trainiert der U18-Junior pro Woche. Der Lohn für die Mühen: der schnelle Aufstieg. Im Sommer hob der Verband Rütters Klassierung ein weiteres Mal an, auf mittlerweile A17. Im Ranking von Swiss Table Tennis wird er schon unter den ersten 100 des Landes geführt. Nach St. Gallen hatte Rütter 2013 gewechselt – als 4.-Liga-Spieler, in die Saison gestartet mit einer Klassierung von C8. In der NLC aber gewann er vergangene Saison zwei Drittel seiner Spiele.

Dabei war Rütter unsicher gewesen, ob er nach dem Aufstieg des Teams aus der 1. Liga auch in der NLC würde mithalten können. Plötzlich stand er Spielern gegenüber, die er zuvor bewundert hatte. «Jetzt weiss ich, wie das Niveau in der Nationalliga C ist. Gar nicht so wahnsinnig hoch», sagt er. Und meint vor dem Start in die neue Meisterschaft selbstbewusst: «Ich will noch mehr Siege haben. Und ich bin auch noch ein wenig wichtiger geworden für das Team.»

Bereits ist Rütter hinter Michal Kubat die Nummer zwei der Equipe. Auch an ihm liegt es, die Mannschaft auf Platz eins zu führen – und damit in die Nationalliga B. Im März verpassten die St. Galler den Aufstieg noch um einen Zähler. «Da macht man sich schon Vorwürfe», sagt der Thurgauer. «Hätte ich ein Spiel mehr gewonnen, hätten wir einen Punkt mehr erhalten und es wäre Gleichstand gewesen. Da denkt man manchmal, man sei schuld.»

Noch nicht in Bestform

Dieses Mal soll es anders sein. Rütter sagt jedoch, er sei noch nicht in Bestform. Seine Zielwettkämpfe als Einzelspieler, die Junioren-Schweizer-Meisterschaft und das Ranglistenfinale STTV Top acht stehen erst in der zweiten Saisonhälfte an. «Erste Priorität hat aber die Liga.» Wo er steht, weiss Rütter mangels Wettkämpfen noch nicht. Das wird sich morgen ändern.