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Lücken hinter dem Bahnhof

Eine Führung im Areal Hauptbahnhof Nord zeigte verpasste Chancen bei dessen Entwicklung auf. Aber auch solche, die es künftig noch zu nutzen gilt. Eine wichtige Rolle spielen dabei die unterschiedlichen Interpretationen des Gebiets.
David Gadze
Der Parkplatz zwischen dem KV-Neubau und der Häuserzeile an der Rosenbergstrasse hat laut einem Experten das Potenzial zur «Oase». (Bild: Ralph Ribi)

Der Parkplatz zwischen dem KV-Neubau und der Häuserzeile an der Rosenbergstrasse hat laut einem Experten das Potenzial zur «Oase». (Bild: Ralph Ribi)

Am «Tisch hinter den Gleisen» im Spanischen Klubhaus werden seit Anfang Jahr Ideen für die Entwicklung des Areals Hauptbahnhof Nord entwickelt. Am Mittwochabend fand der «Tisch» nun erstmals draussen statt. Zwei Experten führten durch das Quartier: Hans-Ruedi Beck, der kurz vor dem Abschluss seines Studiums der Raumentwicklung an der Hochschule für Technik in Rapperswil steht, und Katharina Graf, die an der Universität St. Gallen Management, Organisation und Kultur studierte und ihre Masterarbeit zum Areal Bahnhof Nord geschrieben hat. Sie erläuterten den knapp 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmern anhand verschiedener Beispiele, wie sich das Areal baulich und funktional verändert hat und wo es noch Chancen bietet.

Lückenhaftes Selbstverständnis

Der Kiesplatz im Hinterhof der Monti-Bar, der zurzeit als Parkplatz dient, zeige exemplarisch, «dass man nicht genau weiss, was man mit dem Ort anfangen soll», sagte Katharina Graf. Die Fassade der Fachhochschule mit dem Turm signalisiere zwar das Verständnis St. Gallens als (Bildungs-)Hauptstadt der Ostschweiz. Bauliche Lücken wie der Kiesplatz oder der SBB-Parkplatz neben der Lokremise seien aber Indizien für Lücken in diesem Verständnis. «Denn eigentlich will niemand diesen Parkplatz.»

Der Bereich vom Vorplatz der FHS zum «St. Leopard» sei ein Beispiel dafür, wie unterschiedlich das Quartier wahrgenommen werde, sagte Graf. Während es für die einen tot sei und durch die Neubauten seine Wärme verloren habe, habe es aus Sicht der anderen gerade dadurch an urbanem Charakter gewonnen.

Wahrnehmung hat vier Logiken

Bei der Wahrnehmung des Areals Hauptbahnhof Nord stehen laut Graf vier sogenannte «Rationalitäten» im Vordergrund, also Logiken, anhand derer das Gebiet (oder dessen Nutzungen) betrachtet und beurteilt werden können: Die liberal-planerische, die den ganzen Ort als einen Plan mit einzelnen Parzellen und Richtlinien sieht. Die ökonomische, bei der die Gebäude und Plätze wie auf einem Monopolyspielfeld nach ihrem Wert angeordnet werden. Die ästhetisch-technische, bei der es darum geht, ein aus städtebaulicher Sicht zusammenhängendes Werk zu schaffen. Und die soziokulturelle, die das Areal als Lebensraum versteht, sich an seinem Innenleben orientiert und die Veränderung für die Gesellschaft ins Zentrum stellt.

Wie sich solche Rationalitäten wandeln können, verdeutliche das Beispiel des Spanischen Klubhauses. Die Stadt habe es aus ökonomischen Überlegungen zunächst nicht kaufen wollen und stattdessen den Investoren überlassen. In den darauffolgenden Diskussionen um die Zukunft des Areals sei dann die soziokulturelle Logik wieder wichtiger geworden. «Im partizipativen Prozess, den die Stadt bei der weiteren Planung fördern will, spielen diese Rationalitäten eine wichtige Rolle», sagt Graf.

Vom «miesen Ort» zur «Oase»

Hans-Ruedi Beck erklärte, wie sich die Funktionen einiger Orte im Verlauf der Jahre und bedingt durch den baulichen Wandel des Quartiers und die Umnutzung der Lokremise verändert haben. So sei der Platz zwischen dem KV-Neubau und der gegenüberliegenden Häuserzeile an der Rosenbergstrasse einst ein «mieser Ort» gewesen, heute habe er das Potenzial zu einer «Oase». «Früher waren auf der Rückseite Rauch und Lärm der Lokomotiven, heute sind Verkehrslärm und Abgase auf der Vorderseite.»

Ein Überbleibsel dieser Wandlung sei etwa der Drahtzaun auf der Westseite der Lokremise. Er habe keine Funktion mehr, sondern diene wohl dazu, den Bezug zur Vergangenheit, als die Lokremise nicht öffentlich war, aufzuzeigen.

Beck wies auch auf die Beziehung des Gebiets Hauptbahnhof Nord zum Güterbahnhofareal hin. Bei ihrer Entwicklung bestehe aufgrund der räumlichen Nähe ein Zusammenhang. Darum gelte es, die Planungen aufeinander abzustimmen. «Die Stadt muss Werte definieren, die sich nicht allein am Wert der Grundstücke orientieren.»

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