Lotteriefonds verleiht Flügel

RORSCHACH. Der Jazzclub Rorschach wünscht sich einen Flügel. Nicht, dass er abheben möchte. Im Gegenteil. Er bleibt auf dem Boden und will dort Jazzfreunden auch in Zukunft gute Musik bieten – auch mit einem Flügel.

Marianne Bargagna
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Ein Digitalpiano steht im Rorschacher Jazzkeller. Bald soll ein Flügel dazukommen. (Bild: Andreas Steimer)

Ein Digitalpiano steht im Rorschacher Jazzkeller. Bald soll ein Flügel dazukommen. (Bild: Andreas Steimer)

Im Jazz- und Theaterkeller unter dem Seerestaurant veranstaltet der Jazzclub Rorschach seit fünf Jahren regelmässig Konzerte. Die Rorschacher Jazzfreunde können den Keller unentgeltlich nutzen und darin nationalen und internationalen Bands ein angenehmes Ambiente bieten, nicht aber einen Flügel. Denn im Jazzkeller steht lediglich ein sogenanntes Digitalpiano. «Für viele Bands ist das nur eine Notlösung», sagt Andy Leumann, selber Jazzer und im Jazzclub unter anderem für die Beschallung verantwortlich. Darum müsse manchmal, um eine Absage einer Band zu vermeiden, ein Flügel gemietet werden, was nicht gratis sei.

Es fehlt also ein Flügel. Aber nicht nur das. Auch eine Musikanlage. Denn, so sagt Leumann, im Jazzkeller sei eine minimale Hausanlage installiert. Diese genüge für Sänger oder Ansprachen. Und auch für einige Bands. Nicht aber für alle. Darum müsse der Club für Konzerte jeweils eine Beschallungsanlage mieten. «Und das kostet jeweils mindestens 1000 Franken.» Darum wäre es schön, wenn der Club über eine eigene Anlage verfügen könnte.

Offene Ohren für Jazz

Ein Flügel und eine Beschallungsanlage, das kostet. «Ein Flügel bis zu 80 000 Franken», sagt Leumann. Etwa gleich viel die Musikanlage. Total also 160 000 Franken. Viel Geld für den Jazzclub. Was lag da näher, als sich nach Unterstützung umzusehen, beim kantonalen Amt für Kultur zum Beispiel. Und dieses hatte offene Ohren für die Jazzfreunde und beantragte, dem Jazzclub sei ein Beitrag von 20 000 Franken aus dem Lotteriefonds zu gewähren. Denn der Jazzclub «veranstaltet Konzerte unterschiedlicher Ausrichtungen im Bereich Jazz auf hohem Niveau. Dazu gehören auch stilverwandte Richtungen wie Soul, Funk, Blues und Fusion». Auch würden neu regelmässig Jamsessions organisiert. Der Jazzclub fördere heimische Musiker und Künstler aus der ganzen Welt, heisst es im befürwortenden Bericht der Regierung zuhanden des Kantonsrats. Und auch letzterer hatte ein offenes Ohr. Er genehmigte das Gesuch, was wiederum den Jazzclub freut. «Man merkt, dass unsere Arbeit geschätzt wird», sagt Andy Leumann.

«Das schaffen wir»

Auch wenn die Rorschacher Jazzer 20 000 Franken aus dem Lotteriefonds bekommen. Es bleibt ihnen ein erklecklicher Restbetrag – 140 000 Franken. Das mag die Jazzer aber nicht erschüttern, es scheint fast, als ob ihnen die Lotteriegelder Flügel verleihen. Sie sind zuversichtlich, den Restbetrag innert fünf bis sechs Jahren amortisiert zu haben. «Das schaffen wir, dank Kauf-Leasing-Verträgen und Sponsorengeldern», sagt Andy Leumann.

Erstes Jazzfestival im Visier

Etwa in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres sollte der Flügel im Jazzkeller stehen und die Musikanlage installiert sein. Dann haben die Rorschacher keine Absagen von Pianisten mehr zu befürchten, können die Anforderungen an eine gute Musikqualität dank der neuen Anlage erfüllt werden. Das alles wird für die Jazzer aber kein Grund sein, sich auszuruhen. «Wir wollen weiterhin gute Bands engagieren», sagt Leumann. Und dann wird das erste Rorschacher Jazzfestival angepeilt. Es soll 2013 stattfinden.