Lokalspitz

Zeit der Sterntaler Gewöhnlich leuchten die Sternschnuppen nur für einen Augenblick am Himmel auf. Dann muss man rasch einen Wunsch bereit haben.

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Zeit der Sterntaler

Gewöhnlich leuchten die Sternschnuppen nur für einen Augenblick am Himmel auf. Dann muss man rasch einen Wunsch bereit haben. Denn die Ministerne sind kleine Wichtel, die unsere Wünsche erfüllen können, allerdings nur während des kurzen Moments, in dem sie sichtbar sind. Die letzte Sternschnuppennacht war am 3. Januar, die nächsten folgen am 22. April und 12 August.

Doch dieses Jahr ist in St. Gallen alles anders: In diesem Januar gleiten die Sterne nicht nur nächtens und in kurzen Augenblicken vom Himmel. Nein, über mehr als eine Woche schwebt ein Stern nach dem andern zu Boden und dies von morgens bis abends.

Die Demontage der Weihnachtsbeleuchtung gilt denn auch nicht als globales Meteorgewitter, sondern als lokale Sternenräumung. Ob man sich dennoch etwas wünschen kann? Ob auch die zackigen Leuchtkörper der Gassenbeleuchtung etwas von der Zauberkraft der Himmelskörper haben?

Das wäre in diesem Monat hochwillkommen. Denn nach den Ausgaben für die Weihnachtsbescherungen spüren viele die kalte Zugluft aus dem Januarloch. Und da denkt man gerne daran, was dem Märchenkind widerfahren ist, das sich beim Schenken ebenfalls verausgabt hatte. Auf das spendenfreudige Sterntalermädchen liessen die Sterne leuchtende Goldtaler hinunterregnen.

Auch in unserm Januarloch findet eine Art Geldregen statt; nur fliesst er in anderer Richtung. Denn gleichzeitig mit der Dekonstruktion der Weihnachtsbeleuchtung flattert eine erste Steuerrechnung ins Haus. Allerdings auch diese mit einer poetischen Note. Das Begleitschreiben des Stadtpräsidenten zitiert den Dichter Novalis: «Man soll seine Steuern dem Staat zahlen, wie man seiner Geliebten einen Blumenstrauss schenkt.» (J. O.)