LOIPENMACHER: Endlos arbeiten im Pulverschnee

WALDKIRCH. Auf dem Tannenberg liegt der Schnee in Massen, die Langlaufpisten sind präpariert. Doch wegen der eisigen Temperaturen bleiben viele Sportler zu Hause. Nur Loipenmacher Stefan Weber scheint die Kälte nichts auszumachen.

Nina Rudnicki
Merken
Drucken
Teilen
Seit über 40 Jahren präpariert Stefan Weber auf dem Tannenberg die Langlaufpisten. Und wenn das Pistenfahrzeug wegen der Kälte streikt, steigt er kurzerhand auf seinen Schneetöff. (Bild: Urs Jaudas)

Seit über 40 Jahren präpariert Stefan Weber auf dem Tannenberg die Langlaufpisten. Und wenn das Pistenfahrzeug wegen der Kälte streikt, steigt er kurzerhand auf seinen Schneetöff. (Bild: Urs Jaudas)

Mit einem Schneetöff rast Stefan Weber bei minus zehn Grad über den Tannenberg. Ohne Führerkabine, denn der Pistenbully, mit dem Weber normalerweise die Langlaufloipen spurt, streikt wegen der eisigen Temperaturen. Weber ist die einzige Person weit und breit an diesem Freitagmorgen. «Bei diesem Wetter bleiben sogar die Sportler zu Hause», sagt der 72-Jährige und steigt umhüllt von einer Wolke aus aufgewirbeltem Schnee vom Pistenfahrzeug.

Eine endlose Arbeit

Der Pulverschnee ist Fluch und Segen. Segen, weil es erst zum zweiten Mal in diesem Winter so viel Schnee hat, dass Weber die Piste für die Langläufer überhaupt präparieren kann. Fluch, weil der Schnee so leicht ist, dass eine Bise genügt, um die Spuren wieder zu verwischen. Wenn Weber die 15 Kilometer der klassischen Loipe abgefahren hat, muss er wieder von vorne beginnen. Zwei Stunden braucht er für eine Runde. Besonders aufwendig ist zudem, dass Weber das Spuren in zwei Arbeitsschritte aufteilen muss. Zuerst walzt er den Schnee platt, um danach die Loipen darüber zu ziehen. «Wäre der Schnee nasser, müsste ich ihn nicht extra zusammendrücken», sagt er. «Würden dann noch kalte Temperaturen hinzukommen, hätten wir eine perfekte und harte Piste.»

Vereinzelte Langläufer

Die Fahrten mit dem Schneetöff erinnern an einen aussichtslosen Kampf. Aber Weber jammert nicht. Er war selbst jahrelang Langläufer und ist bis heute Mitglied des Skiclubs Tannenberg, der für die Loipen zuständig ist. «Die Arbeit muss halt gemacht werden. Wenn es schon mal so viel Schnee hinlegt, sollen das alle Personen mit einem Loipenpass ausnützen können», sagt er.

Viele sind das in diesen Tagen aber nicht. Höchstens drei Personen würden ihm bei diesem Wetter pro Tag auf den Loipen begegnen, schätzt Weber. Seit über 40 Jahren präpariert er nun schon Winter für Winter die Langlaufpisten. Auch den 300 Meter langen Skilift am Tannenberg betreibt er.

An die Kälte gewöhnt

Die Kälte macht Weber nichts aus, das versichert zumindest seine Frau. Wer jahrelang im Winter draussen unterwegs sei, sei sich die Kälte gewöhnt. Etwas anderes bleibt dem Waldkircher auch nicht übrig. Solange der Schnee liegen bleibt, muss er mehrmals täglich los, um die Loipen zu kontrollieren. Auch am Wochenende, dann nämlich zieht es die meisten Langläufer auf die Piste. Die Arbeit wird ihm in den nächsten Tagen so schnell nicht ausgehen. Deshalb steigt Weber auch wieder auf seinen Schneetöff und fährt davon – noch immer mit eisigen minus zehn Grad Fahrtwind im Gesicht.

Ein Hoffnungsschimmer bleibt. Später wolle er noch beim streikenden Pistenbully vorbeischauen, so Webers Ankündigung. «Wenn es mir gelingt, den eingefrorenen Vergaser wieder zum Laufen zu bringen, könnte ich immerhin in der gewärmten Kabine sitzen.»