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LITTERING: Plastik müllt das Bodenseeufer zu

Eine schweizweite Studie untersucht die Abfalldichte an Gewässerufern. Jedes Fragment wird einzeln erfasst. In Altenrhein und Horn kommt Müll besonders oft am Ufer vor. Vor allem Zigaretten sind ein Ärgernis.
Jolanda Riedener
T-Shirts, Hundekotsäckli, Glasflaschen und Dosen vor allem im Sommer: In der Steinacher Bucht liegt alles Mögliche herum. (Bild: Andreas Dolder)

T-Shirts, Hundekotsäckli, Glasflaschen und Dosen vor allem im Sommer: In der Steinacher Bucht liegt alles Mögliche herum. (Bild: Andreas Dolder)

Jolanda Riedener

jolanda.riedener@tagblatt.ch

Schnell den Zigistummel mit der Schuhsohle zerdrücken oder den Kaugummi wegspuken – was wir wegwerfen, kann die Natur nicht sofort abbauen. Im Gegenteil. In einer schweizweiten Sammelaktion haben Freiwillige an den Ufern von Seen und Flüssen Abfall gesammelt und ausgewertet. Entstanden ist ein umfassender Bericht, der Swiss Litter Report.

Ziel der Studie ist es, verlässliche Daten über die Umweltverschmutzung durch Plastik zu generieren. STOPPP (Stop Plastic Pollution Switzerland), WWF und Hammerdirt sind an der Erhebung beteiligt, die noch bis April 2018 dauert. Erste Resultate haben die Verantwortlichen bereits publiziert: Plastik ist das am häufigsten gefundene Material und davon ist der Anteil Zigarettenfilter mit Abstand der grösste.

Ufer in Altenrhein und Horn sind besonders dreckig

Eine interaktive Karte lässt die einzelnen Fundorte miteinander vergleichen. Überdurchschnittlich hoch zeigt sich die Dichte an Abfall in Altenrhein und Horn. So werden in Altenrhein durchschnittlich 13,9 Abfallgegenstände pro Ufer-Meter gefunden, in Horn sind es 13,4. Weniger häufig kommen Abfallfragmente am Arboner Bodenseeufer vor, wo es 0,99 Teile pro Meter sind. Ebenso in Steinach, wo die durchschnittliche Abfalldichte pro Ufer-Meter 0,84 beträgt und gemäss Stichprobe weniger verunreinigt ist als andernorts. Vor allem Teile aus Plastik, Metall sowie Glas und Keramik finden sich allgemein häufig am Bodensee.

Einer der freiwilligen Abfallsammler ist der Steinacher Andreas Dolder. «Ich sammle schon seit mehreren Jahren Abfall in der Steinacher Bucht ein.» Durch ein Zeitungsinserat des WWF sei er auf Swiss Litter Report aufmerksam geworden. «Es ist erstaunlich: Obwohl ich den Strand einmal im Monat von Abfall befreie, sammle ich jedes Mal aufs Neue wieder 150 bis 200 Gegenstände ein», sagt der 64-Jährige. In der Region am See haben Freiwillige wie Andreas Dolder auch in Altenrhein, Horn und Arbon Abfallfetzen gesammelt und sortiert. In der Schlussauswertung erscheinen jedoch nur Steinach und Arbon, weil dort regelmässig Sammlungen und Auswertungen stattgefunden haben. Mittels einer App wird Abfallstück für Stück kategorisiert. Plastik ist dabei nicht gleich Plastik: Trinkflaschen, Plastiksäcke oder Essensverpackungen werden separat aufgelistet.

«Umso länger der Abfall liegen bleibt, desto schwieriger wird es, ihn einzusammeln», sagt Dolder. Ein grosser Teil des Mülls werde vom Bodensee oder der Aach angeschwemmt. Weiter würden auch Gegenstände einfach liegen gelassen oder am Ufer entsorgt. Vor einigen Jahren im Winter, als der Wasserstand tief war, holte er sogar Velos und Einkaufswagen aus dem See. «Mich stört der Müll, deshalb tue ich etwas dagegen», sagt Dolder. Er habe schon oft positive Rückmeldungen erhalten. Passanten hätten sich bei ihm auch für sein Engagement bedankt.

Stichprobe lässt Vergleich in Bezug auf Littering zu

Mit dem Projekt wollen die Verantwortlichen neben der Datenerhebung auch Sensibilisierungsarbeit leisten. Weiter würden die Freiwilligen einen grossen Beitrag zur Säuberung der Schweizer Flüsse und Seen beitragen. «Die freiwilligen Helferinnen und Helfer sammeln in der Nähe ihres Wohnorts. In der Regel an Orten, von denen die Helfer wissen, dass dort oft Abfall vorhanden ist», sagt Gabriele Kull, Pressesprecherin von STOPPP auf die Frage, wie die Erhebungsorte ausgewählt wurden. Auch sollten die untersuchten Gewässerufer von der öffentlichen Reinigung ausgeschlossen sein. «Wir haben eine breite Verteilung in der ganzen Schweiz erreicht», sagt Kull. Alle Freiwilligen seien vorab geschult worden. «Die grossflächige Stichprobe lässt durchaus Vergleiche zwischen einzelnen Erhebungsstandorten zu.»

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