Lisibach bringt Schülern Manieren bei

Was für eine Prozession junger Männer mit Krawatten zieht hier wohl durch Lömmenschwil? Sie sehen fast wie Internetunternehmer aus. Oder Gäste eines Hochzeitspaares mit viel junger Verwandtschaft. Eine Erklärung wäre auch, dass hier eine exklusive Privatschule auf einer Nachmittagsexkursion ist.

Johannes Wey
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Bernadette Lisibach (rechts) und Claudia Allenspach zeigen den SBW-Schülern, wie man sich bei Tisch verhält. In den Weingläsern ist Traubensaft. (Bild: Ralph Ribi)

Bernadette Lisibach (rechts) und Claudia Allenspach zeigen den SBW-Schülern, wie man sich bei Tisch verhält. In den Weingläsern ist Traubensaft. (Bild: Ralph Ribi)

Was für eine Prozession junger Männer mit Krawatten zieht hier wohl durch Lömmenschwil? Sie sehen fast wie Internetunternehmer aus. Oder Gäste eines Hochzeitspaares mit viel junger Verwandtschaft. Eine Erklärung wäre auch, dass hier eine exklusive Privatschule auf einer Nachmittagsexkursion ist. Nun, eine Privatschule ist hier definitiv unterwegs. Aber keine, bei der Hemd und Krawatte zum Alltag gehören. Die adretten jungen Männer sind Schüler der SBW Häggenschwil und auf dem Weg, in der «Neuen Blumenau» eine Lektion in gutem Benehmen zu lernen. Spitzenköchin Bernadette Lisibach sowie Serviceangestellte und Sommelière Claudia Allenspach höchstpersönlich werden den Schülern Manieren beibringen.

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Der Kniggekurs ist Teil des SBW-Workshops «Männersache». Bisher haben die Schüler dort unter anderem Erfahrungen im Boxen, im Rasieren und im Redenschwingen gesammelt. Und offensichtlich auch beim Binden von Krawatten. Die Kurse sollen den Schülern helfen, das für sie passende männliche Rollenbild zu finden. Auf diesem Weg sind die 13- bis 16-Jährigen unterschiedlich weit. «Ich denke aber, von diesem Workshop können die Jugendlichen auch in einigen Jahren noch profitieren», sagt Lehrer Philipp Zimmer. Etwa dann, wenn im Lehrbetrieb das erste Weihnachtsessen ansteht und man am Tisch eine gute Falle machen möchte.

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Bernadette Lisibach beweist beim Kurs nicht nur gastronomisches, sondern auch pädagogisches Talent. Ihre Begrüssung hat zwar etwas Bedrohliches: «Ist Euch klar, worauf Ihr Euch in so einem Lokal einlasst?» Zusammen mit Claudia Allenspach zeigt sie den jungen Männern aber, worauf es zu achten gilt, damit sie ein Restaurant wie die «Neue Blumenau» ohne Nervosität besuchen können. «Wenn Ihr Eurer Freundin den Stuhl zurechtrückt, macht das Eindruck!» Und Lisibach lässt Raum für Fragen, etwa jene nach dem Verwendungszweck des Brottellers. Die Schüler lernen zudem, dass sie die Arme nur bis zum Handgelenk auf den Tisch legen sollen – «Ellbogen aufsetzen oder gar den Kopf abstützen sind No-goes» – und dass man während des Essens Konversation führen soll. «Aber nur, wenn der Mund leer ist.» Die Schüler trinken derweil Traubensaft, der ihnen aus einer Karaffe kredenzt wurde. Das Glas halten sie am Stiel und sie achten darauf, den Rand nicht mit den Lippen zu verschmieren.

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Claudia Allenspach bringt den Schülern auch bei, wie man einem Gast zu Hause die Teller richtig vorsetzt. Jeweils zwei bis drei von ihnen helfen ihr dabei, die insgesamt drei Gänge aufzutragen. Die anderen warten vor vollen Suppentellern. «Können wir anfangen zu essen?», fragt einer. Die anderen wissen die Antwort: «Wir warten, bis alle etwas haben.» Es folgt ein weiterer Input von Bernadette Lisibach: Der Löffel soll sich zum Mund bewegen und nicht der Kopf in Richtung Teller neigen. Und wenn man fertig ist, sollte man den Teller nicht mit Brot auswischen. «Wenn ich aber in einem gutbürgerlichen Restaurant bin, und es hat mir wirklich geschmeckt, mache ich das auch», gesteht Lisibach.

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Bei den Spaghetti wird es anstrengend für die Schüler. Das lange konzentrierte Sitzen macht sich bemerkbar. Ein Schüler fragt, ob man den Teller des Gegenübers fertig essen darf, wenn der andere nicht mehr mag. «Das sollte man nicht», sagt Lisibach. Der Schüler macht es trotzdem. Während bei der Suppe noch alle auf gerade Rücken und Handgelenke auf den Tischkanten geachtet haben, stützen nun bei der Mokka-Crème einige den Kopf in die Hand oder sprechen mit vollem Mund. Wie mit dem Unterricht ist es halt auch mit den Tischmanieren: Nur Übung macht am Ende Meister.

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