LINDA FÄH: «Ich werde nicht zur Punk-Rock-Göre»

BENKEN. Am Samstag packt Linda Fäh zum letzten Mal ihr Krönchen aus – um es der neuen Miss Schweiz zu übergeben. Die Benknerin über das Missenjahr, ihre Musikkarriere und Medienhiebe.

Sarah Gerteis
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Linda Fäh beim Bikini-Posing vor der Miss-Universe-Wahl. (Bild: Keystone)

Linda Fäh beim Bikini-Posing vor der Miss-Universe-Wahl. (Bild: Keystone)

Eigentlich hat Linda Fäh überhaupt keine Zeit. Sie hetzt von Interview zu Interview, muss für die Miss-Schweiz-Wahl am Samstag proben. Das Telefon nimmt sie nicht ab. Und auch bei der Miss-Schweiz-Organisation ist man nicht gerade zuversichtlich, ob die schönste Schweizerin noch einen Termin für ein weiteres Bilanzgespräch findet. Schliesslich wollen derzeit alle nur das Eine von Linda Fäh: Wissen, wie das Missen-Jahr wirklich war.

Coiffeur-Besuch als Interview-Termin
Doch Linda Fäh ist in den vergangenen zwölf Monaten zum Profi geworden. Sie ist sich wohl bewusst, wie wichtig die Medien für sie waren – und auch in Zukunft sein werden, damit sie nicht in der Ex-Missen-Versenkung verschwindet. Also wird der Besuch beim Coiffeur kurzerhand zum Interview-Termin. «Ich will am Samstag natürlich schön aussehen», sagt die ehemalige Bankangestellte aus Benken, während man sich um ihre langen blonden Haare kümmert. Denn am Samstag wird Linda Fäh ihr Krönchen ab- und der neuen Miss Schweiz aufsetzen.

Volles Programm für die «Zeit danach»
Kurz vor dem Ende ihres «Amtsjahres» seien die Gefühle gemischt, so Linda Fäh - «ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge, wie man so sagt». Sie gebe ein Abschlussinterview nach dem anderen. «Dadurch werde ich etwa 50 Mal pro Tag daran erinnert, dass es am Samstag vorbei ist.» Das mache sie schon etwas traurig, aber sie freue sich auch auf den neuen Lebensabschnitt. Wie dieser aussehen soll und wie nicht, weiss Linda Fäh genau. Wieder als Bankangestellte zu arbeiten sei kein Thema. «Jetzt will ich so weitermachen, wie ich es mir aufgebaut haben.» Für die «Zeit danach», wie die Miss sagt, habe sie schon ziemlich viele Buchungen.

Modeln, moderieren, singen
Linda Fäh hat in ihrem Missenjahr nicht nur an ihrer Karriere gebastelt, sie hat sie gezielt aufgebaut. 480'000 Franken soll die St.Gallerin verdient haben. Damit knackte sie zwar nicht den Rekord von Christa Rigozzi (500'000 Franken), überholte aber die bisherige Nummer 2 Amanda Ammann (470'000 Franken). Modeln und moderieren möchte sie weiterhin – und vor allem Musik machen. Schon während ihrer Amtszeit gab Linda Fäh ab und zu ein Lied zum besten und nahm Gesangsstunden, was sich offenbar gelohnt hat: Die 22-Jährige hat vor zwei Monaten einen Plattenvertrag erhalten. Nun soll’s eine CD geben. Wann diese erscheinen wird, weiss Linda Fäh nicht. «Bislang hatte ich einfach zuviel zu tun, um mich um dieses Projekt zu kümmern.» Im Studio sei sie bislang nicht gewesen, und auch die Musikrichtung sei noch offen. «Es wird auf alle Fälle zu mir passen. Zur Punk-Rock-Göre werde ich sicher nicht.»

Weder Skandale noch Skandälchen
Ein bisschen mehr Punk-Rock, das hätten sich von Linda Fäh vor allem die Boulevardmedien gewünscht. Doch bis auf die Trennung von ihrem Freund Dejan nach sechs Jahren Beziehung gab es bei der Miss weder Skandale noch Skandälchen zu vermelden. Die Konsequenz: Linda Fäh wurde als «langweiliges Landei», als «Miss Bieder» abgestempelt. «Darüber bin ich schon erschrocken», sagt sie. Die Beleidigungen will sie aber nicht als Tiefpunkt ihres Missenjahres verstanden wissen, sondern als «Herausforderung». Tiefpunkte habe es sowieso keine gegeben. Dafür sei das vergangene Jahr mit all den Fotoshootings im In- und Ausland sowie den Miss-Universe-Wahlen in Las Vegas zu spannend gewesen. «Ich hatte nie keine Lust zum Arbeiten», bilanziert Linda Fäh, die Zeit sei nur so verflogen. «Es kommt mir vor, als wäre meine Wahl erst vier Monate her.»

Zügeln nach Zürich?
Spätestens am Samstagabend wird Linda Fäh realisieren, dass sie ihr Krönchen bereits zwölf Monate «getragen» hat. «Eigentlich war es die meiste Zeit bei mir daheim in einem kleinen Koffer», verrät sie. Daheim, das ist noch immer ihr Elternhaus in Benken. Vorläufig zumindest, denn Linda Fäh will zügeln. «Ich habe mein ganzes Leben auf dem Land verbracht. Deshalb würde ich gerne mal in einer grossen Stadt wohnen, vielleicht in Zürich.» Auch wenn aus Linda Fäh niemals eine Punk-Rock-Göre wird: Die Metamorphose vom Landei zum Stadtmädchen will sie demnächst in Angriff nehmen.