LIEBESGLÜCK: Bei ihnen stimmt die Chemie

Seit 60 Jahren sind Klara und Sebastian Weyermann aus Gossau verheiratet. Das Paar über sein Rezept für eine glückliche Ehe, seine soziale Ader und auch schwierige Zeiten.

Angelina Donati
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Klara und Sebastian Weyermann haben nicht nur einen grünen Daumen für die Pflanzen, sondern auch für ihre Beziehung. (Bild: Jill Lohse)

Klara und Sebastian Weyermann haben nicht nur einen grünen Daumen für die Pflanzen, sondern auch für ihre Beziehung. (Bild: Jill Lohse)

Diamantene Hochzeit – ein Jubiläum, das nicht gerade geläufig ist. Schliesslich gibt es nur wenige Paare, die 60 Jahre lang vermählt sind. Klara und Sebastian Weyermann aus Gossau haben Mitte Mai genau dieses besondere Jubiläum feiern können. Gefunkt hat es 1955 an einem Appenzeller Abend in Gossau. «Unsere Blicke haben sich getroffen», erzählen die 85-Jährige und der 86-Jährige. Die Chemie habe einfach gestimmt. Er kam damals gerade zurück in die Ostschweiz, nachdem er zuvor im Welschland eine Ausbildung zum Käser absolviert hatte. Sie war damals in einer Metzgerei in Gossau tätig. Zwei Jahre später heiratete das Paar. Dass es eine so lange Zeit miteinander verbringen dürfe, darüber hatte es sich gar nie richtig Gedanken gemacht.

60 Ehejahre seien aber tatsächlich eine stattliche Zahl, ist sich das Paar einig, das, nebst 7 Kindern, 18 Enkel und 2 Urenkel hat. «Erst gerade neulich hat uns eine Bekannte gefragt, ob wir denn nie chiflen», sagt Sebastian Weyermann und fügt hinzu: «Eigentlich geht das ja gar niemanden etwas an.» Dennoch kann das Paar behaupten, dass die Beziehung stets harmonisch verläuft und der respektvolle Umgang geblieben ist. «Das Vertrauen zueinander ist wichtig», findet Sebastian Weyer­mann. Und seine Frau pflichtet ihm bei: «Man soll sich gegenseitig helfen und unterstützen.» Das Miteinander sei der Schlüssel, gehen sie einher. Klara Weyermann bedauert, dass Beziehungen oft nicht lange halten. «Der Durchhaltewille fehlt einfach. Es wird viel zu schnell die Flinte ins Korn geworfen.»

Kinder aus sozial schwachen Familien aufgenommen

Geduld brauchte das frischvermählte Paar auch, als es in ein ehemaliges Käsereigebäude auf dem Hohfirst nach Waldkirch gezogen ist. So gross die Räume, die Terrasse und der Umschwung mit eigenen Gemüseanbau auch waren – bis die Familie, die als einzige keinen Landwirtschaftsbetrieb führte, von den Nachbarn aufgenommen wurde, dauerte es. Lebendig erinnert sich das Ehepaar an die damalige Zeit mit all den Erlebnissen zurück. «Wir hatten immer ein offenes Haus. Die Türe haben wir nie abgeschlossen», erzählen Klara und Sebastian Weyermann. Mit sieben Kindern sei nun mal viel los. Und auch die Mitgliedschaften des Paares in Vereinen und die ehrenamtlichen Tätigkeit für die Kirche haben der Familie viel Besuch beschert. «Immer wieder haben uns die Gäste gesagt, wie urgemütlich es bei uns ist.»

Für die Kinder sei der Wohnort ein Paradies gewesen. Im Garten züchteten sie Chüngel, und der Wald hinter dem Haus lockte zum Spielen. Dort sammelte die Familie auch fleissig Holz, das es für den Ofen zu Hause brauchte. Der Platz reichte sogar für einen Tischtennistisch und für eine Modelleisenbahn im Estrich. Oft ging die Familie auch zu Berg.

Natürlich aber sei nicht alles nur immer einfach gewesen, sagen Weyermanns. «Manchmal sanken die Temperaturen im Winter in den Schlafzimmern auf unter null Grad.» Klara und Sebastian Weyermann, die beide in ärmeren Verhältnissen aufwuchsen, mussten selbst auch mit dem Geld gut haushalten. «Trotz allem waren wir zufrieden», sagt die 85-Jährige. Während er mittlerweile als Lastwagenchauffeur in der ganzen Schweiz unterwegs war, nahm sie sich der Kinder an, machte den Haushalt, lismete und strickte.

Als die Kinder nach und nach flügge wurden, entschied sich das Paar, dem Schweizer Hilfswerk Kovive beizutreten. Fortan nahmen Klara und Sebastian Weyermann Kinder aus sozial schwachen Familien, vor allem aus Deutschland, regelmässig während der Ferienzeit bei sich auf. «Es war uns eine Herzensangelegenheit, für sie da zu sein und ihnen etwas geben zu können.» Obwohl der Umgang nicht immer einfach gewesen sei, blieb das Paar stets ruhig und einfühlsam. «Wenn es jemandem nicht gut geht, spüre ich das», sagt sie. «Wir haben die Kinder zudem nie ausgefragt, sondern liessen sie von sich aus auf uns zukommen», sagt er. Mit einigen von ihnen haben sie heute noch Kontakt und erfreuen sich an der gemeinsam erlebten Zeit. «Nicht nur sie konnten von uns lernen, sondern auch wir von ihnen.»

Plötzlicher Umzugins Altersheim

Einen Schreckensmoment erlebten Weyermanns, als sie 2015 wieder einmal eine Pilgerfahrt nach La Salette unternehmen wollten. Für diese Reisen engagiert sich Klara Weyermann, seit sie 50 Jahre alt ist. Diese eine Reise sollte alles verändern: In der Nähe von Grenoble erlitt Sebastian Weyermann einen Herzinfarkt und musste dort im Spital versorgt werden. Nur wenige Tage später brach sich seine Frau den Oberschenkel.

Weil die Wohnung des Paares in Gossau nur über Treppen zugänglich und es unklar war, wie schnell die beiden wieder genesen würden, musste rasch eine Entscheidung her. Die Kinder handelten und suchten für ihre Eltern eine Wohnung im Altersheim Vita Tertia in Gossau aus. «Ich habe die Räume zum ersten Mal gesehen, als wir eingezogen sind», sagt Klara Weyermann und schmunzelt. Das sei nicht weiter schlimm. Sie und ihr Mann würden sich hier vollends zufrieden fühlen und sind froh, dass sie wieder wohlauf sind. Und auch der Geselligkeit frönt das Paar weiterhin. Auch wenn diese Wohnung im Vergleich zu früheren Jahren klein ist, sei Besuch immer willkommen. «Am besten spontan», sagt Sebastian Weyermann, «dann ergeben sich doch viel die interessanteren Gespräche, als wenn man das Treffen lange im Voraus plant.»