Liebesdrama im Luchsgehege

Seit über drei Monaten tummeln sich die neuen Luchse im Wildpark. Das Männchen an Daphnes Seite hat nun auch einen Namen. 200 Vorschläge aus der Bevölkerung gingen dafür ein. Gesiegt hat einer aus der griechischen Mythologie.

Kathrin Reimann
Drucken
Teilen
Nur selten bekommt man die scheue Luchsdame Daphne zu Gesicht. (Bilder: pd/Walter Signer)

Nur selten bekommt man die scheue Luchsdame Daphne zu Gesicht. (Bilder: pd/Walter Signer)

Es ist eine Geschichte voller Dramatik, diejenige von Daphne und Apollon in der griechischen Mythologie. Nach dieser wird Apollons – seines Zeichens der Gott des Lichts und der Künste – erste grosse Liebe keine glückliche. Im Gegenteil.

Apollon verspottete den Liebesgott Eros als schlechten Schützen, dieser schäumt vor Wut und rächt sich, indem er einen Pfeil mit goldener Spitze auf Apollon schiesst. Getroffen verliebt sich Apollon sofort unsterblich in die Bergnymphe und Priesterin der Mutter Erde, Daphne. Doch Eros schiesst auch einen Pfeil – diesmal einen mit einer bleiernen Spitze – auf Daphne, der bei ihr genau das Gegenteil bewirkt: Für jegliche Liebschaft wird sie unempfänglich und muss, als Apollon sie bedrängt, vor ihm fliehen. Erschöpft von dieser anstrengenden Flucht fleht sie zu ihrem Vater, dem Flussgott Peneios, dass er ihre – den Apollon reizende – Gestalt wandeln möge. Daraufhin erstarrten ihre Glieder und sie verwandelte sich in einen Lorbeerbaum.

Götter-Namen dominierten

«Der Name Apollon wurde von insgesamt 15 Personen vorgeschlagen», sagt Toni Bürgin von der Wildparkgesellschaft Peter und Paul St. Gallen. Ende Oktober hatte die Gesellschaft die Bevölkerung dazu aufgerufen, Vorschläge für das namenlose Tier einzureichen. Dass das Weibchen bereits den Namen Daphne trägt, hat die Einsendungen wohl massgeblich beeinflusst. Insgesamt kamen über 200 Namensvorschläge für das männliche Tier an Daphnes Seite zusammen. Dabei reichten die Vorschläge von Attila, Balduin, Caruso, Dauphin, Filou, Khan, Jean-Paul, Lars und Lian über Monsieur Lüx, Napoleon, Obelux, Toto, Tarzan bis Zeus. «Namen von Göttern waren aber unter den Vorschlägen sehr verbreitet», sagt Bürgin. Dass Apollon dabei am häufigsten vorgeschlagen wurde, überzeugte die Jury unter der Ägide von «Luchsmutter» Hedy Kreier dann am meisten. Von den 15 Einsendungen mit dem ausgewählten Namen wurde Peter Marko aus St. Gallen als Gewinner gezogen. Er wird gemeinsam mit den anderen 14 Preisträgerinnen und Preisträgern zu einer privaten Führung durch den Wildpark eingeladen.

Gute Reaktion auf Wärter

Das Luchspärchen hat sich derweil gut eingelebt im Wildpark Peter und Paul, wie Bürgin sagt. Die Tiere sind seit Ende August in ihrem neuen Gehege, welches zuvor gesamthaft erneuert worden war. Daphne stammt aus einem Zoo in England, Apollon war zuvor in einem Wildpark in Frankreich zu Hause. Es handelt sich bei beiden um reinrassige Karpaten-Luchse. «Die beiden reagieren gut auf ihre Wärter», sagt Bürgin. Apollon sei nach wie vor viel vorwitziger als Daphne. «Ihn kann man regelmässig beobachten, Daphne ist weit zurückhaltender.

Wählerische Tiere bei Partnern

Dass sich die tragische Liebesgeschichte aus der griechischen Mythologie im Wildparkgehege in St. Gallen wiederholt, ist nicht im Sinne von Toni Bürgin. «Wir hoffen auf eine ganz andere Wendung, schliesslich hat bei den Luchsen im Dezember die Paarungszeit begonnen.» Allerdings vermutet Bürgin, dass es für Nachwuchs noch zu früh sei. «Wir hoffen zwar, dass es klappt, aber unsere beiden Luchse sind noch sehr jung.» Realistisch sei die Annahme, dass die beiden noch ein Jahr älter werden müssen, ehe sie Eltern werden. Ein erster Erfolg sei zumindest, dass sich die beiden Tiere überhaupt verstehen, gelten Luchse doch als sehr wählerisch bei der Partnerwahl. Hier hätte ein Liebespfeil von Eros vielleicht sogar helfen können.

Vorwitzig, mutig und seit neuestem nach einem griechischen Gott benannt: Apollon.

Vorwitzig, mutig und seit neuestem nach einem griechischen Gott benannt: Apollon.

Toni Bürgin Wildparkgesellschaft Peter und Paul St. Gallen (Bild: Coralie Wenger)

Toni Bürgin Wildparkgesellschaft Peter und Paul St. Gallen (Bild: Coralie Wenger)

Aktuelle Nachrichten