Lieber Spaghetti als Spinat

REGION. Seit 2008 müssen die Schulen im Kanton St. Gallen einen Mittagstisch anbieten. Nach fünf Jahren zeigt sich: In der Region gibt es verschiedenste Angebote – und sie kommen an. Die meisten Schulen haben aber noch Plätze frei.

Janique Weder
Drucken
Teilen
Der Mittagstisch in Goldach: Helene Bärlocher serviert Caramelköpfli zum Dessert. (Bild: Janique Weder)

Der Mittagstisch in Goldach: Helene Bärlocher serviert Caramelköpfli zum Dessert. (Bild: Janique Weder)

Gäbe es eine Rangliste der unbeliebtesten Speisen, Spinat, Tomaten und Fisch wären in den «Top Drei». Da sind sich die Schülerinnen und Schüler aus Goldach einig. Einig sind sie sich auch über das Menu, das vor ihnen steht. «Das schmeckt!» – Es gibt Nüdeli mit Bratensauce und Chicken Nuggets, zum Dessert Caramelköpfli.

Um Punkt zwölf nehmen Mittagstisch-Leiterin Helene Bärlocher und ihre Kollegin Cäcilia Riedener die Schöpflöffel in die Hände. 14 Kinder der Primarschule und der Oberstufe – viele besuchen den Goldacher Mittagstisch seit seiner Gründung vor fünf Jahren – springen auf, um am Buffet Schlange zu stehen.

«Nachfrage hat abgenommen»

In der Region gibt es neun Mittagstisch-Angebote. Wie diese organisiert sind, hängt von der Nachfrage, der Infrastruktur, aber auch von der Finanzkraft der Schulen ab. Während die Gemeinden Goldach, Rheineck, Rorschacherberg und die Stadt Rorschach einen von der Schule organisierten Mittagstisch anbieten, gehen die Kinder aus Steinach, Horn, Thal, Staad und Altenrhein über den Mittag zu Familien nach Hause. «Die Nachfrage hat stark abgenommen», sagt Melanie Alder vom Schulsekretariat Thal. Zwei Anmeldungen habe sie für das laufende Semester – ein von der Schule durchgeführter Mittagstisch rechne sich somit nicht.

Anmeldefrist abgelaufen

Auch in Tübach bietet die Schule den Mittagstisch nur donnerstags an. An anderen Tagen werden die Kinder privat in Familien betreut. In Untereggen organisiert die Kirche den Mittagstisch. Gegessen wird in der dorfeigenen Mehrzweckhalle, gekocht wird für jeden, jung und alt. Die Anmeldefrist für das laufende Semester ist kürzlich in vielen Gemeinden abgelaufen. Vielerorts werden aber spontane Anmeldungen angenommen. So auch in Goldach. «Nicht alle Eltern haben regelmässige und planbare Arbeitszeiten», sagt Helene Bärlocher. Zwischen sieben bis zwölf Franken kostet ein Mittagessen in der Region.

Seit fünf Jahren müssen alle Schulen in St. Gallen einen «bedarfsgerechten» Mittagstisch anbieten. So will es das kantonale Bildungsdepartement. Die Umsetzung ist den örtlichen Schulbehörden überlassen. «Die Schulen sind bei der Planung des Mittagstischs wirklich sehr flexibel», sagt Rolf Rimensberger vom Amt für Volksschule. Wichtig sei, dass überhaupt ein Angebot im Dorf bestehe. «Und wenn nur ein einziges Kind davon profitiert.» Überprüft werde das Mittagstisch-Angebot der Schulen seitens des Kantons laut Rimensberger nicht.

Lieblingsessen Hamburger

Die Goldacher Schülerinnen und Schüler essen im Pavillon, wenige Meter vom Schulhaus Wartegg entfernt. Wie jeden Mittag gibt es zuerst Salat – einige Kinder rümpfen die Nase, die Teller bleiben leer. Ihre Vorfreude gilt den Chicken Nuggets.

Den Menuplan stellt die Leiterin des Mittagstisch, Helene Bärlocher, selber zusammen. Ein Mittagstisch, der sein Menu frei wählen darf – «das ist schon sehr nobel», sagt sie lachend. Hoch im Kurs stünden Lasagne, Hamburger und Spaghetti. Das Essen bereitet der Goldacher Metzger Franz Jung zu.

Feiert ein Kind Geburtstag, darf es das Menu wählen. Die Viertklässlerin Ela wird bald zehn Jahre alt. Sie wünscht sich Kartoffelstock und Fischstäbchen. «Ist dieses Menu nicht etwas trocken?», fragt Helene Bärlocher. Ela lächelt verschmitzt, ihr ist das egal.

Kapazität nicht ausgeschöpft

Das Bedürfnis nach einem Mittagstisch-Angebot ist von Ort zu Ort verschieden – mit zum Teil markanten Unterschieden. Während beim Rheinecker Mittagstisch im Haus zum Eckstein durchschnittlich acht Kinder zu Mittag essen, sind es in Goldach wöchentlich 45, in Rorschacherberg sogar 80.

In Goldach wünscht man sich gemäss Helene Bärlocher noch mehr Kinder. «Wir haben Platz. Und ein Mittagstisch ist doch besser, als wenn die Kinder am Mittag auf der Strasse rumhängen.»