Lieber lachen als sich aufregen

Das Lehrerkabarett Jonudennhalt karikierte fast 25 Jahre lang den St. Galler Schul- und Stadtalltag. Nun finden die fünf Mitglieder, es sei genug. Und treten mit einem letzten Programm im Café Mühlegg beim Mühleggweier auf.

Beda Hanimann
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Sie haben sich über das städtische Sparprogramm lustig gemacht. Sie haben die Goldene Bratwurst verliehen. Sie haben den Kunstbetrieb persifliert. Sie wollten die «Solitüde» retten. Und sie haben immer wieder den Schulalltag aufs Korn genommen, ihren Schulalltag. Nun finden Christina Alvarez, Romana Büsch, Bruno Broder, Oskar Sturzenegger und Ruedi Hofmänner vom Kabarett Jonudennhalt, es sei genug. «Es soll nicht heissen, wir seien von der Pro Senectute gesponsert», sagt Bruno Broder, auf die Nähe zum Pensionsalter anspielend.

Jubiläum als Initialzündung

Aber das ist es natürlich nicht. Schon vor dem kategorischen «Jetzt langät's» habe man sich nach jedem Programm die Frage nach dem Aufhören gestellt, hat Broder einmal in einem Interview gesagt. Das mag in den Genen dieser Kabaretttruppe liegen, die vor bald 25 Jahren als Eintagsfliege entstanden war, für einen einzigen Anlass.

1992 stand das 75-Jahr-Jubiläum des städtischen Lehrervereins an, und dessen Präsident Ruedi Hofmänner schwebte eine Feier vor, die ausschliesslich von Lehrern bestritten werden sollte. Musik, Sketches, «alles aus der eigenen Küche», wie er sagt. Auf einen Aufruf fanden sich rund zwanzig Leute. Der Auftritt im Stadttheater weckte Lust auf mehr, im Jahr darauf war gerade Kinderfest, eine gute Gelegenheit, man spielte auf der Lindenbühne Fernsehen und verlieh die Goldene Bratwurst.

Raus aus dem Schulhaus

Aus den zwanzig waren inzwischen zehn geworden, und von denen fanden einige: Und warum nicht nochmals? Das Kabarett Jonudennhalt nahm Fahrt auf. Man zog von Schule zu Schule, von Turnhalle zu Turnhalle, trat an Lehreranlässen auf. Später kamen andere Orte dazu, das Busdepot wurde bespielt, das «Trischli», das Textilmuseum, die «Solitüde», der Keller zur Rose. Thematisch wurden die Grenzen der Schulplätze gesprengt.

«Wir haben uns nie als Konkurrenz zum Cabaret Sälewie gesehen», sagt Broder. Triebfeder war der Spass am Ausdruck, der Spass am Austausch. So, wie die vier verbliebenen Gründungsmitglieder Bruno Broder, Ruedi Hofmänner, Oskar Sturzenegger und Romana Büsch nun am Tisch sitzen und in Erinnerungen kramen, so sind wohl auch ihre Programme entstanden. Im Witzeln, im Zündeln. Mit «Bremsstorming oder wie das heisst», sagt Sturzenegger. «Wir haben immer uns selber gespielt», sagt Romana Büsch. Uns selbst, das heisst: Lehrpersonen, die mit den Gegebenheiten und sich selbst hadern.

Die Wut verarbeiten

Tatsächlich hört es sich wie eine heitere Alltagstherapie an, wenn die vier erzählen. «Nach den Proben fühle ich mich immer gut», sagt Romana Büsch. Spannend habe sie immer die Vorbereitungszeit gefunden – und die Neugier auf das, was am Ende herauskomme. «Man kann geladen und angespannt von Problemen des Jobs kommen, nachher fühlt man sich wohl wie nach dem Fitness», sagt auch Sturzenegger. Und Broder ergänzt: «Das Kabarett ist wie eine Befreiung aus dem Alltag.»

Mit dieser Eigendynamik mag zu tun haben, dass das Kabarett Jonudennhalt hin und wieder zu hören bekam, es sei zu wenig böse, es könnte ruhig noch heftiger gegen das Schulamt wettern. Aber aus der Wut über Behördentheorie wurde in eineinhalb Stunden Probe jeweils ein lustvolles Verarbeiten mit der Quintessenz: Warum sich über etwas aufregen, wenn man daran auch Spass haben kann? Und diesen Spass sogar noch weitergeben kann? «Wir wollten die Zustände kritisch beleuchten, aber niemanden verreissen», sagt Broder.

Heiter, besinnlich, melodiös

Das tun die fünf nun mit «Jetzt langät's» ein letztes Mal. «Heiter, besinnlich, amüsant – und singen können wir auch noch einigermassen», sagt Sturzenegger. Die fünf sind zu einer harmonierenden Truppe geworden. So dass Broder angesichts des Endes gar schon von einem Neuanfang spricht. Aus dem Lehrerkabarett würde dann ein Alterskabarett. Doch auf die Pro Senectute wird die quirlige Bande so schnell nicht angewiesen sein.

Zweimal Jonudennhalt: Freilichtprogramm auf der Solitüde (2007) und «Fit13plus» (2013). (Bilder: pd, Archiv Tagblatt)

Zweimal Jonudennhalt: Freilichtprogramm auf der Solitüde (2007) und «Fit13plus» (2013). (Bilder: pd, Archiv Tagblatt)