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Lieber eine Agentur als gar nichts

Die Post ersetzt einige Filialen in der Stadt durch Postagenturen. Zur Überraschung und zum Bedauern der betroffenen Quartiere: Der Service public werde weiter abgebaut, eine Abwanderung anderer Geschäfte in Kauf genommen.
Malolo Kessler

Das Heiligkreuz hat es am härtesten getroffen. Im Zuge einer «Anpassung des Poststellennetzes» wird die Filiale an der Langgasse 92 geschlossen. Der Quartierverein Nordost-Heiligkreuz bedauert das Vorhaben (Tagblatt von gestern). Ebenfalls betroffen von den Anpassungsplänen des gelben Riesen sind vier weitere Quartiere: das Riethüsli, St. Fiden-Neudorf, St. Georgen und das Lachenquartier. Auch sie sind mässig erfreut über die Pläne der Post.

«Post macht, was sie will»

«Wir haben überhaupt nicht damit gerechnet, dass so etwas passiert», sagt Hannes Kundert, Präsident des Quartiervereins Riethüsli. Die dortige Postfiliale wird durch eine Postagentur ersetzt. Solche Agenturen befinden sich üblicherweise in Quartierläden. Dem damit verbundenen Leistungsabbau – bargeldloses Einzahlen beispielsweise oder eine Kontoeröffnung ist in einer Agentur nicht möglich – hält Kundert mit einer Prise Galgenhumor entgegen: «Lieber eine Agentur als gar keine Post mehr im Quartier.»

Nichtsdestotrotz bedauere er den Entscheid natürlich. «Ich hatte das Gefühl, dass die Post eigentlich gut läuft, sie ist ja auch prominent gelegen, an einer Hauptverkehrsachse, die ins Appenzellerland führt.» Dass das Quartier gegen die Schliessung der Poststelle auf die Barrikaden geht, glaubt er nicht. «Das würde gar keinen Sinn machen, bei der Post machen sie ja ohnehin, was sie wollen.»

Lachen bereits kampferprobt

Ein Quartier, das sich bereits einmal gegen Post-Pläne gewehrt hat, ist das Lachenquartier. Bei einem Angebotsabbau vor etwa zehn Jahren stand die Post Lachen als eine von fünf Poststellen in der Stadt St. Gallen auf der Abschussliste. Das Quartier sammelte Unterschriften, bildete ein Komitee – und hatte schliesslich Erfolg: Die Poststelle wurde beibehalten. Sie sei doch noch genug umsatzstark, hiess es damals. Die jetzige Anpassung des Filialnetzes lässt bei Mathias Linsi, Vorstandsmitglied des Quartiervereins Lachen, Erinnerungen an diese Zeit aufkommen. Er war damals im Komitee aktiv. Die Existenz der Filiale in der Lachen ist zwar nicht gefährdet, offen ist aber, ob sie am jetzigen Standort bleibt. Sie gehört, neben der Hauptpost, zu den Filialen, die zu «Poststellen mit neuem Auftritt» und ungewissem künftigen Standort umgewandelt werden sollen. Er sei froh darüber, dass die Post Lachen «noch einmal davonkomme», sagt Linsi. «Wir würden es aber auf jeden Fall begrüssen, wenn sie am bisherigen Standort bliebe.» Dieser sei ideal: quasi am Hauptknotenpunkt des Quartiers. «Von daher würde eine Verschiebung keinen Sinn machen.» Er könne sich auch nicht vorstellen, an welchen besser gelegenen Ort man die Poststelle verschieben könnte. «Aber wichtig ist für uns vor allem, dass die Post überhaupt im Quartier bleibt.»

Angst vor den Folgen

Ein gewisses Verständnis für die Pläne der Post hat Werner Ruppeiner, Vorstandsmitglied des Quartiervereins St. Georgen und Beck im Quartier. Die dortige Post, gleich bei seiner Bäckerei gelegen, soll ebenfalls durch eine Agentur ersetzt werden. «Als Geschäftsmann begreife ich es schon, dass man etwas unternimmt, wenn ein Geschäft nicht rentiert», sagt er. Trotzdem sei er erstaunt über den Entscheid. Und auch er bedauert ihn: «So etwas schadet dem Quartier.» Der Stadtparlamentarier befürchtet – sowohl als Mitglied des Vorstands als auch als Dorfbeck – Folgen für St. Georgen: Die Geschäfte befruchteten und stärkten sich gegenseitig, sie profitierten voneinander. «Wenn ein Geschäft zugeht, kann das schnell auch der Beginn einer Abwanderung anderer Geschäfte sein.»

Das dritte Quartier, das von einer Umwandlung seiner Poststelle in eine Agentur betroffen ist, ist St. Fiden-Neudorf. «Letztlich wird mit diesen Massnahmen einmal mehr ein Abbau am Service public vorgenommen», sagt Stadtparlament-Präsident Marcel Rotach, der im Quartier wohnt. «Das ist ausserordentlich schade, eine Poststelle ist etwas Wertvolles für ein Quartier.»

Zudem sei die betroffene Filiale im Grossacker ja eine Lehrlingspoststelle – eine von wenigen Filialen in der Schweiz, die sozusagen ausschliesslich von Lehrlingen geführt wird. «Wenn diese nun in eine Agentur verwandelt wird, gibt es in St. Gallen wohl künftig auch keine Lehrlingspoststelle mehr.»

Die Filialen der Post in St. Georgen, in St. Fiden, im Riethüsli und in der Lachen (von oben links nach unten links im Uhrzeigersinn): Die ersten drei werden durch Postagenturen ersetzt, was mit jener in der Lachen passiert, ist derzeit noch nicht klar. (Bilder: Anina Rütsche)

Die Filialen der Post in St. Georgen, in St. Fiden, im Riethüsli und in der Lachen (von oben links nach unten links im Uhrzeigersinn): Die ersten drei werden durch Postagenturen ersetzt, was mit jener in der Lachen passiert, ist derzeit noch nicht klar. (Bilder: Anina Rütsche)

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