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LIEBE GRÜSSE: Sorgenkind mit ewiger Jugend

Sebastian Schneider
Auch ohne Kreisel war die St.Gallerstrasse bereits Gegenstand der Debatte. (Bild: Foto Gross)

Auch ohne Kreisel war die St.Gallerstrasse bereits Gegenstand der Debatte. (Bild: Foto Gross)

Auch wenn die Ansicht im oberen Bild aus dem Jahr 1957 stammt: Als die Postkarte von der St.Gallerstrasse und dem Hause Ochsen produziert wurde, war die Diskussion über den zunehmenden Feierabendverkehr durchs Zentrum von Gossau bereits in Gang. Natürlich waren Autos und Lastwagen auf dem gepflästerten Belag noch nicht so zahlreich wie heute. Doch das stetige Wachstum des Verkehrsaufkommens wurde schon damals als Problem empfunden. Trotzdem wurde über all die Jahrzehnte die Zeit für eine Lösung nicht reif. Zu uneins sind sich die Gossauer bis heute, zu viele Varianten sind schon auf dem Reissbrett gescheitert, man hat sich immer wieder verzettelt. Nun soll es die nächste Instanz richten. Derzeit denken Fachleute des Kantons alle Lösungsvorschläge durch, wie Stadtpräsident Alex Brühwiler zusammen mit Kantonsvertretern am Stadtapéro diesen März berichtete. Ziel des kantonalen Tiefbauamts ist, endlich einen Vorschlag zu präsentieren, der zum Durchbruch verhilft. Wie er aussehen wird, weiss noch niemand. Gewiss ist nur, dass es noch Zeit braucht.

«Kein Problem», findet Willi Braun. Der umtriebige Unternehmer, der sich seit unzähligen Jahren mit dem Verkehrsproblem herumschlägt und die Debatte über all die Lösungen massgeblich prägte, sagt auf Anfrage: «Ich habe Geduld, und ich rege mich über nichts mehr auf.» Gleichwohl lässt der 83-jährige Präsident der IG Langfristverkehr nicht locker und verficht unvermindert seinen Lösungsvorschlag, die Umfahrung Nord.

Um die Geschichte des Verkehrsproblems aufzurollen, schweift Willi Braun weiter zurück in die Vergangenheit als die Postkarte von 1957. In Gossau sei die Befürchtung einer markanten Zunahme des Strassenverkehrs nämlich bereits Ende des Zweiten Weltkriegs aufgekommen. Wie die späteren Jahre zeigten, waren die Bedenken nicht unbegründet. Einen sprunghaften Anstieg des Verkehrs hat es laut Braun gegeben, als die Grossverteiler Coop und Migros ihre Logistik neu von Gossau aus organisierten und schlagartig mehr Pendler und Lastwagenchauf­feure durch Gossau fuhren.

Angesprochen auf die ewige Debatte, kommt Willi Braun nicht mehr aus dem Reden. Er spricht von Tunnels und anderen schlechten Lösungen. Und dass man es leider verpasst habe, eine Parallelstrasse auf dem alten Bahndamm zu bauen. «Das wäre die beste Lösung gewesen.» Doch diese habe sich erübrigt, als die Fläche, wo bis in die 1910er-Jahre Züge durch Gossau brausten, überbaut worden war.

Zur St. Gallerstrasse gehört aber nicht nur das Verkehrsproblem, sondern auch die hübsche Häuserzeile, die die Durchfahrtsstrasse säumt. Die Postkarte rückt nicht ganz überraschend das geschichtsträchtige Haus Ochsen ins Zentrum. 1707 wurde es für den Tuchhändler Sebastian Condamin als Wohn- und Gewerbehaus erbaut. Eine besondere Bedeutung kam dem Haus 1798 zu, als Obervogt Karl Müller-Friedberg seinen Sitz vom Schloss Oberberg dorthin verlegte. Das Gebäude diente bis kurz vor der Gründung des Kantons St. Gallen 1803 als Gericht und Verwaltungssitz der Fürstabtei.

Das Haus ist auch Namensgeber des wohl umstrittensten Kreisels im Fürstenland. Konnte man das Verkehrsproblem nicht lösen, gelang 2012 immerhin eine Neugestaltung der St. Gallerstrasse. Unter anderem provozierten die Pünktli auf dem Ochsen-Kreisel heftige Polemik. Im «Tagblatt» meldeten sich bei einer Umfrage Gossauer teils kritisch zu Wort: «Wer hat diese Pastellfarben ausgesucht? Ein Babyartikelgeschäft?», fragte ein Pensionär. Bei einer Frau hielt sich die Begeisterung über den «Konfetti-Look» in Grenzen. Negativer Höhepunkt war wohl im März 2014, als Unbekannte aus ungeklärten Gründen einen Farbanschlag auf den Ochsenkreisel verübten. In diesem Punkt sind sich die meisten wohl einig: Ein gerade konstruktiver Beitrag an die Debatte war die nächtliche Aktion nicht.

Sebastian Schneider

sebastian.schneider@tagblatt.ch

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