LICHT: Das Beleuchtungskonzept der Stadt St.Gallen: Ein leuchtendes Herz in Weiss

Die Innenstadt wird intensiver beleuchtet als die nähere Umgebung. So soll die Attraktivität erhöht werden. Hat eine Lampe ausgedient, wird sie künftig immer durch eine LED-Lampe ersetzt. So wird die Stadt bald überall in hellem Weiss leuchten.
Christoph Renn
Eine nächtliche Drohnenaufnahme der St.Galler Innenstadt. Die unterschiedliche Farbe des Lichts im Zentrum und an den Hängen fällt sofort auf. (Bild: Chris Oswald/www.chrispix.ch)

Eine nächtliche Drohnenaufnahme der St.Galler Innenstadt. Die unterschiedliche Farbe des Lichts im Zentrum und an den Hängen fällt sofort auf. (Bild: Chris Oswald/www.chrispix.ch)

Strassen, Erker und Prunkbauten: Sie alle müssen richtig beleuchtet werden. Deshalb brennen in der Stadt St.Gallen jeden Abend rund 11'200 Lampen und Leuchten. Doch unterscheidet sich das Licht in der Innenstadt von jenem aus der Umgebung. Denn: «Zur Erhöhung der Lichtqualität und somit auch zur Steigerung der Attraktivität der Geschäftsbereiche wurde für die Innenstadt weisses Licht gewählt», sagt Urs Etter, Abteilungsleiter Öffentliche Beleuchtung der St.Galler Stadtwerke. Vor Ort ist der Unterschied kaum sichtbar. Erst aus der Vogelperspektive zeigen sich die unterschiedlichen Lichtqualitäten.

Die Innenstadt erstrahlt bereits seit 2004 in weissem Licht. «So können die Farbunterschiede besser erkannt werden», sagt Etter. Trotzdem hat sich seither bei der Beleuchtung einiges verändert. Anfangs sorgten sogenannte Halogen-Metalldampf-Lampen für das richtige Licht. Doch die Technologie hat seither einen riesigen Sprung gemacht. Vor allem LED-Lampen haben riesige Fortschritte gemacht. So setzt auch die Stadt seit 2009 auf diese Technologie. Doch ohne Zugzwang, wie Etter ausführt: «Wir haben die bestehenden Leuchten immer gut unterhalten.» Zudem seien vor allem zu Beginn die LED-Lampen nicht viel energieeffizienter als die Halogen-Metalldampf-Lampen gewesen.

Bereits 20 Prozent aller Lampen mit LED-Technik

Die sichtbaren Unterschiede der Beleuchtung der Stadt werden mit der Zeit jedoch verschwinden. Denn jede Leuchte, die ausgedient hat, wird laut Etter mit einer LED-Variante ersetzt. Denn diese bieten neben der Energieeffizienz auch noch weitere Vorteile: «Sie sind stufenlos dimmbar, ohne Verzögerung schaltbar und wir können das Licht besser lenken.»

Urs Etter, Leiter Öffentliche Beleuchtung der St.Galler Stadtwerke. (Bild: PD)

Urs Etter, Leiter Öffentliche Beleuchtung der St.Galler Stadtwerke. (Bild: PD)

Halogen-Metalldampf-Lampen hingegen bräuchten eine gewisse Zeit, bis sie auf Betriebstemperatur seien und das volle Licht entfalteten. Deshalb wird künftig, durch den Einsatz der LED-Technik, weisses Licht im gesamten Stadtraum verwendet. «Auch, weil wir mit dem Beleuchtungskonzept in der Innenstadt sehr gute Erfahrungen gemacht haben.» Heute sind in der Stadt St. Gallen 20 Prozent aller Lampen mit LED-Technik ausgestattet.

Stadtwerke wollen Strom sparen

Momentan beträgt der Stromverbrauch der öffentlichen Beleuchtungen der Stadt St.Gallen 3'619'564 Kilowattstunden im Jahr. Durch kontinuierliche Erneuerungen der Anlagen mit modernen Leuchten und hochwertigen Optiken sowie dem Einsatz neuer Steuersysteme soll der Verbrauch weiter gesenkt werden. «Wir gehen davon aus, dass in den nächsten fünf bis zehn Jahren eine weitere Einsparung von acht bis zehn Prozent möglich ist», sagt Etter.

Weitere Einsparung deshalb, weil die St.Galler Stadtwerke schon seit Jahren das Ziel verfolgen, die Energie möglichst sparsam einzusetzen. Eine vom WWF durchgeführte Analyse der Strassenbeleuchtungen in verschiedenen Kantonshauptstädten hat gar ergeben, dass St.Gallen zu den effizientesten in der Schweiz zählt.

Scheinwerfer leuchtet ins Schlafzimmer des Nachbarn

Diesen Erfolg begründet Urs Etter auch im Lichtkonzept, das die Stadt seit 2010 verfolgt. Dieses formuliert klare Ziele: So geht es auf die Anliegen der Sicherheit und die Orientierung im Stadtraum ein. Zudem befasst es sich unter anderem mit den technischen und energetischen Aspekten. Immer mit dem obersten Ziel, in der Stadt St.Gallen in Zukunft nicht mehr Licht zu haben, sondern besseres und gezieltes.

Trotz aller Vorsätze können sich Stadtbewohner vom Licht gestört fühlen. «Wir nehmen diese Anfragen ernst und suchen nach Lösungen», sagt Etter. Zuständig bei Klagen wegen übermässiger Lichtimmissionen ist die Dienststelle Umwelt und Energie (UE). Die UE nimmt jeweils einen Augenschein vor und beurteilt die Angelegenheit zusammen mit dem Immissionsverursacher. In vergleichbaren Fällen wurde in Rücksprache mit dem Amt für Baubewilligungen die Beleuchtung über Nacht auf ein Minimum reduziert oder ein einzelner störender Scheinwerfer anders eingestellt, so dass er beim Nachbarn keine Störung mehr verursachte.


«Wir beleuchten nur da, wo es wirklich nötig ist»

Pilotprojekte  Seit 2009 verfolgt die Stadt im Bereich der öffentlichen Beleuchtung verschiedene Pilotprojekte. Ein erstes betrifft die südliche Altstadt und die verschiedenen historischen Gebäude im Klosterbezirk. Mittels sogenannter Altstadtleuchten konnten die Gassen von den Fassaden her beleuchtet werden, wie Urs Etter von den St.Galler Stadtwerken sagt. «Wenn diese nicht ausreichen, können wir die Plätze und Gassen zusätzlich von den Dachtraufen herab beleuchten.»

Im Zentrum eines weiteren Projektes stehen die verschiedenen Treppen, welche die Stadt queren. Das Dohlengässlein diente 2009 als Testobjekt. Heute wird beim Einstieg der Treppe eine Art Torsituation angewandt. Zwei gegenüberliegende Leuchten erhellen den ersten Abschnitt der Treppe. Mittlerweile habe das Beleuchtungsprinzip Schule gemacht und werde bei weiteren Treppen angewandt, sagt Etter.

Auf Lichtemissionen verzichten

Ein drittes Projekt befasst sich mit grossen Plätzen, wie Marktplatz und Bohl, oder dem Bahnhof. Im ersten Fall ist die Entwicklung nach der Ablehnung der Umgestaltung des Marktplatzes ins Stocken geraten. Die Beleuchtung des grossen Bahnhofplatzes wird mit an Seilhänger befestigten Leuchten gewährleistet.

«In den Pärken und Fussgängerbereichen sollen Lichtstehlen weitere Akzente setzen», sagt Etter. Bei Sanierungen, Umbauten oder Erweiterungen von öffentlichen Räumen und Strassen werde jeweils im Einzelfall entschieden, welches Lichtprinzip zum Tragen komme, sagt Etter. «Die Beurteilung kann nie losgelöst von den baulichen Rahmenbedingungen erfolgen.»

Für die Stadtnatur auf Licht verzichten

Im Lichtkonzept von 2010 wurde ausserdem die Absicht geäussert, an gewissen Orten ganz auf Beleuchtung zu verzichten. Etwa da, wo künstliches Licht nicht nötig oder schädlich für die Umwelt ist. Ein solcher Versuch wurde auf Peter und Paul unternommen, musste jedoch nach starker Opposition von Bewohnern wieder abgebrochen werden.

«Grundsätzlich gilt, dass wir gerade in naturnahen Gebieten möglichst auf Lichtemissionen verzichten wollen.» Dies müsse jedoch immer im Konsens mit den Anwohnern geschehen. Im Stadtpark verzichte man nach Mitternacht schon länger auf die Beleuchtung von wenig frequentierten Wegen.

An der Demutstrasse, die einen naturnahen Raum durchquere, arbeite man seit 2014 mit einem dynamischen Beleuchtungssystem. Um Energie zu sparen, läuft die LED-Beleuchtung nur dann auf voller Leistung, wenn Autos von den Detektoren erfasst werden. Danach wird das Licht wieder reduziert. «Wir beleuchten nur, wenn es auch wirklich nötig ist», sagt Etter. (maf)

LED-Strassenlampen an der Geissbergstrasse. (Bild: Urs Jaudas - 14. April 2012)

LED-Strassenlampen an der Geissbergstrasse. (Bild: Urs Jaudas - 14. April 2012)

Sicht von der Hochwachtstrasse auf die beleuchtete St.Galler Innenstadt. (Bild: Urs Jaudas - 31. Dezember 2012)

Sicht von der Hochwachtstrasse auf die beleuchtete St.Galler Innenstadt. (Bild: Urs Jaudas - 31. Dezember 2012)

Der Brunnen am Gallusplatz mit neuer Beleuchtung. (Bild: Urs Bucher - 4. Dezember 2017)

Der Brunnen am Gallusplatz mit neuer Beleuchtung. (Bild: Urs Bucher - 4. Dezember 2017)

Ein unerwarteter Lichteffekt an einem unerwarteten Ort: Das hell erleuchtete Bibliotheksgebäude der Universität St.Gallen. (Bild: Hannes Thalmann)

Ein unerwarteter Lichteffekt an einem unerwarteten Ort: Das hell erleuchtete Bibliotheksgebäude der Universität St.Gallen. (Bild: Hannes Thalmann)

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